エピソード

  • 09 - Kann man Geborgenheit lernen? Wege aus dem Trauma
    2026/09/20

    In dieser Folge von „Ungehalten" führt die Diplom-Psychologin und systemische Therapeutin Katharina Kautzsch das Gespräch über Trauma fort und richtet den Blick nach vorn: Wie lässt sich das Erlebte verarbeiten?

    Sie erklärt, dass Traumafolgen neurowissenschaftlich betrachtet nicht „überschrieben", aber durch neue neuronale Vernetzung und positive Erfahrungen verändert werden können. Ausführlich beantwortet sie eine Zuhörerfrage zum Thema Urvertrauen und erläutert den Unterschied zwischen Selbstmitleid und Selbstmitgefühl als zentralem Konzept der Traumaverarbeitung. Kautzsch schildert, wie ehemalige Wochenkinder in ihrer Praxis vorkommen und plädiert dafür, dass Betroffene ihre frühe Geschichte aktiv in Therapien einbringen sollten.

    Breiten Raum nimmt ihr Buch „Geborgenheitserleben in Krisen, Leid und Trauer" ein, in dem sie den Begriff der Geborgenheit als Zustand des Gesehen-, Gehalten- und Aufgehobenseins definiert. Sie beschreibt praktische Übungen zur Selbstberuhigung, etwa gezielte Selbstberührung, Körperwahrnehmung und Imagination sicherer Orte, sowie den Unterschied zwischen Bottom-up- und Top-down-Ansätzen in der Traumaarbeit. Weitere Themen sind die Klopftechnik nach Fred Gallo, die neue Therapieform Sinosomatics, die Rolle von Spiritualität als Schutzfaktor gegen Depression nach Forschung von Lisa Miller sowie künstlerische Ausdrucksformen als Bewältigungshilfe.

    Abschließend reflektiert Kautzsch über die eigene Betroffenheit von Therapeutinnen und Therapeuten im Umgang mit traumatisierten Klienten und gibt anhand eines eigenen Fallbeispiels Einblick in ihre Arbeitsweise.

    Support the show

    続きを読む 一部表示
    55 分
  • 08 - Eine Erzieherin erinnert sich: Nähe war nicht erwünscht
    2026/09/06

    Sie war 16, als sie in eine DDR-Wochenkrippe kam – nicht als Kind, sondern als Auszubildende. Ruth, Jahrgang 1953, erzählt in dieser Folge, was sie dort erlebt hat: Säuglinge, die zu zehnt in einem Zimmer lagen, Bett an Bett, mit einem Laufgitter in der Mitte. Ruth beschreibt die sterile Übergabesituation an einer großen Glastür: Eltern klingelten, das Personal nahm die Kinder entgegen und schloss die Tür wieder – die Eltern mussten draußen warten, bis ihnen am Ende die Kleidung der Kinder übergeben wurde. Die Räume selbst durften sie nie betreten.

    Ruth beschreibt den durchgetakteten Alltag zwischen festen Wickelzeiten, Einheitskleidung und minutiös geführten Entwicklungsbögen, in denen jede Fähigkeit der Kinder farblich bewertet wurde. Ein striktes Verbot, sich zu sehr an ein einzelnes Kind zu binden, prägte den Umgang – zu viel Nähe war nicht erwünscht. Als sie sich einmal über die Essensqualität beschwerte, wurde sie zur Strafe in die Windelküche geschickt.

    Sie erzählt, wie sie sich selbst in dieser Zeit nicht wiedererkannt hat – eigentlich immer angepasst und brav – und wie sie schließlich gegen den erklärten Willen ihrer Mutter und gegen den Druck des Systems, das ihr „asoziales Verhalten" vorwarf, ihre Ausbildung nach nur neun Monaten abbrach. Vor der versammelten Klasse musste sie sich öffentlich rechtfertigen.

    Bis heute erinnert sich Ruth an Namen und Gesichter einzelner Kinder und fragt sich, was aus ihnen geworden ist. Eine ehemalige Erzieherin blickt zurück auf ein System, das Distanz zur Methode erhob. Erstmals in „Ungehalten": die Perspektive von der anderen Seite der Glastür.

    Support the show

    続きを読む 一部表示
    1 時間 14 分
  • 07 - Wochenkrippe: Trauma inklusive? Eine Psychologin klärt auf.
    2026/08/23

    In dieser Folge von „Ungehalten" ist die Diplom-Psychologin und Traumatherapeutin Katharina Kautzsch zu Gast, um die Wochenkrippenerfahrung aus fachlicher Perspektive einzuordnen. Sie erläutert Konzepte wie den Totstellreflex, die „traumatische Zange" und die Rolle von Oxytocin bei der Bindungsregulation. Anhand der Unterscheidung zwischen Löwenzahn- und Orchideenkindern erklärt sie, warum Kinder unterschiedlich auf Trennungserfahrungen reagieren. Themen sind zudem die Entwicklung von Objekt- und Personenpermanenz, verschiedene Bindungsmuster nach Mary Ainsworth (sicher, ambivalent, vermeidend, desorganisiert) sowie die Bedeutung von Feinfühligkeit und Framing beim Übergang in die Fremdbetreuung. Kautzsch ordnet die Wochenkrippenzeit als mögliches Entwicklungs- und Bindungstrauma ein und verweist auf epigenetische Forschung zu transgenerationaler Weitergabe von Stresserfahrungen. Diskutiert werden außerdem gesellschaftliche Rahmenbedingungen damals und heute, die Verantwortung von Eltern und Politik sowie aktuelle Debatten um 24-Stunden-Kitas. Die Folge schließt mit einem Ausblick auf die nächste Episode zum Umgang mit solchen Traumata.

    Hier der Link zum Buch von Katharina Kautzsch "Geborgenheitserleben in Krisen, Leid und Trauer: Tröstend und heilsam begleiten":

    https://www.buch7.de/produkt/geborgenheitserleben-in-krisen-leid-und-trauer-katharina-kautzsch/1048698925?ean=9783525408285

    Hier der Link zu ihrer Website:
    https://katharina-kautzsch.de/

    Wenn Sie Kontakt mit uns aufnehmen wollen, schreiben Sie uns an: ungehalten@wochenkinder.de

    Support the show

    続きを読む 一部表示
    1 時間 15 分
  • 06 - Eine Mutter erinnert sich: Karlas Sicht auf die Wochenkrippe
    2026/08/09

    In dieser besonderen Folge von „Ungehalten" lädt Alexander seine eigene Mutter Karla als Gast ein, um die Perspektive der Elterngeneration auf das Thema Wochenkrippe zu ergänzen.

    Karla, Jahrgang 1944, in Westpommern geboren und als Kleinkind auf der Flucht nach Leipzig gekommen, wuchs selbst größtenteils bei ihrer Großmutter auf, da ihre Mutter arbeiten musste. Sie berichtet von ihrem Wunsch nach Berufstätigkeit und persönlicher Weiterentwicklung, der Schwangerschaft mit Alexander außerhalb einer festen Partnerschaft sowie der Trennung vom Kindesvater kurz vor der Geburt.

    Karla schildert die organisatorischen Abläufe der Wochenkrippenzeit, bei denen meist ihre Mutter und der Kindesvater die Übergabe übernahmen, während sie selbst kaum physischen Kontakt zur Einrichtung hatte.

    Sie spricht offen über verdrängtes schlechtes Gewissen, die finanzielle Notwendigkeit der Fremdbetreuung mangels Krippenplätzen sowie über Unterschiede zur Betreuung ihres zweiten Sohnes, der nicht in die Wochenkrippe musste. Rückblickend reflektiert sie die psychologischen Auswirkungen der frühen Trennung und äußert den Wunsch, die Entscheidung könnte rückgängig gemacht werden.

    Support the show

    続きを読む 一部表示
    39 分
  • 05 - Allein gelassen: Alexanders Kindheit in der Wochenkrippe
    2026/07/26

    In dieser sehr persönlichen Folge von „Ungehalten" öffnet sich Podcast-Host Alexander und erzählt erstmals ausführlich von seiner eigenen Kindheit als Wochenkind in der DDR der 1970er Jahre. Schon mit neun Monaten wurde er unter der Woche in eine Wochenkrippe in Leipzig gegeben, weil seine alleinerziehende Mutter keine andere Betreuung fand und schon nach sechs Wochen wieder arbeiten musste.

    Zwischen alten Fotos, Entwicklungsbögen und den liebevoll zusammengestellten Erinnerungsbüchern seiner Mutter sucht Alexander nach Spuren einer Zeit, an die er sich selbst kaum erinnern kann – und stößt dabei auf schmerzhafte Details, etwa die Vermutung, seine Geburtstage ganz allein in der Krippe verbracht zu haben.

    Offen und mit spürbarer Zurückhaltung spricht er über das Gefühl des Verlassenseins, über nächtliche Einsamkeit als Schlüsselkind und darüber, wie schwer es ihm bis heute fällt, große Nähe und Liebe wirklich anzunehmen.

    Zwischen Dankbarkeit für seine Mutter und leiser Wut über ein System, das Mütter zur schnellen Trennung von ihren Babys zwang, entsteht ein bewegendes Porträt kindlicher Prägung – und die Ankündigung, dass seine Mutter in der nächsten Folge selbst zu Wort kommen wird.

    Support the show

    続きを読む 一部表示
    1 時間 1 分
  • 04 - Sandy - Adoptiert nach dem Wochenheim
    2026/07/12

    Was bedeutet es, wenn frühe Trennungserfahrungen gleich mehrfach zusammenkommen?

    In dieser Folge ist Sandy Graf zu Gast. Sie verbrachte ihre ersten Lebensjahre als Wochenkind in der DDR und wurde später adoptiert. Als Erwachsene begann sie, nach ihrer Herkunft zu suchen – und stieß dabei auf Antworten, mit denen sie nie gerechnet hätte.

    Wir sprechen über Identität, Scham, Loyalität, die Suche nach den eigenen Wurzeln und darüber, warum manche Fragen ein Leben lang bleiben. Ein persönliches und bewegendes Gespräch über zwei Erfahrungen, die sich gegenseitig verstärken können: Wochenkrippe und Adoption.

    Buch: Sandy Graf – „Adoptierte Indianer kennen keinen Schmerz, oder doch?“
    Kontakt: Treff für erwachsene Adoptierte unter erwachseneAdoptierteLeipzig@t-online.de

    Support the show

    続きを読む 一部表示
    1 時間 11 分
  • 03 - Selbstständig, verschlossen und einsam - Leben nach der Wochenkrippe
    2026/06/28

    In Folge 3 beschäftigen wir uns mit den Langzeitfolgen der Unterbringung in der Wochenkrippe im Erwachsenenleben.

    Eine Studie der Uni Rostock zeigt: 92% der befragten ehemaligen Wochenkinder haben mindestens eine psychische Diagnose, darunter soziale Phobie, depressive Störungen und posttraumatische Belastungsstörungen. Zum Vergleich: In der Allgemeinbevölkerung sind es 43%. Auch unsicheres Bindungsverhalten und erhöhter Alkoholkonsum sind deutlich häufiger vertreten.

    Wir besprechen, wie sich die Wochenkrippenerfahrung in unserem Leben zeigt – von Schwierigkeiten, Nähe zuzulassen, über ausgeprägte Selbstständigkeit bis hin zum Gefühl, nie wirklich dazuzugehören. Außerdem thematisieren wir, warum die wissenschaftliche und mediale Aufarbeitung des Themas so lange auf sich warten ließ und welche Rolle die westdeutsch geprägte Medienlandschaft sowie gesellschaftliche Verdrängung dabei spielen. Abschließend geben wir einen Überblick über mögliche Wege der Unterstützung, von Selbsthilfegruppen bis hin zu verschiedenen Therapieformen.

    Support the show

    続きを読む 一部表示
    54 分
  • 02 - Still, fixiert und angepasst - Alltag in der Wochenkrippe
    2026/06/14

    Wie sah der Alltag in der Wochenkrippe konkret aus? In dieser Folge sprechen wir über Betreuungsschlüssel, die nur auf dem Papier standen, über Kinder, die zum Spielen in Boxen lagen, über Nächte, in denen Säuglinge an ihren Gitterbetten fixiert wurden. Wir sprechen über 19 Minuten individuelle Zuwendung pro Kind und Tag, über Isolierzimmer für kranke Kinder und über den möglichen Einsatz von Beruhigungsmitteln.

    Wir erzählen, wie wir als ehemalige Wochenkinder heute mit dem Thema umgehen – mit Fotos aus der Zeit, mit dem Gedanken, die alte Einrichtung zu besuchen, mit dem Versuch, sich zu erinnern. Entwicklungsbögen hielten fest, was Eltern nie selbst erlebten: den ersten Zahn, das erste Wort, die ersten Schritte. Und wir sprechen darüber, was der Satz „Hat dir doch nicht geschadet" bei Betroffenen auslöst – und warum Kinder irgendwann aufgehört haben zu weinen.

    Außerdem: Wie kann man herausfinden, ob man selbst in der Wochenkrippe war? Ein Hinweis findet sich oft an einer unerwarteten Stelle.

    Support the show

    続きを読む 一部表示
    53 分