In dieser Folge unseres Podcasts „PsyFobi“ widmen wir uns einer der wirksamsten, aber auch anspruchsvollsten Methoden in der Arbeit mit Borderline-Patienten: dem Verhaltensexperiment. Während rein verbale Interventionen bei tief verwurzelten, emotional besetzten Grundannahmen oft an ihre Grenzen stoßen, ermöglichen Verhaltensexperimente das Sammeln konkreter, korrektiver Erfahrungen im Hier und Jetzt.
Wir beleuchten, wie Therapeuten Verhaltensexperimente gezielt einsetzen können, um typische klinische Herausforderungen der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) zu adressieren. Dazu gehören:
- Emotionsregulation: Wie Patienten lernen, intensive Gefühle wie Trauer zuzulassen, ohne davon überwältigt zu werden.
- Umgang mit Problemverhalten: Der Einsatz von Skills als Alternative zu Selbstverletzung oder Dissoziation und das Testen ihrer Wirksamkeit unter Realbedingungen.
- Störungen des Selbstkonzepts: Die Überprüfung von Annahmen über die eigene Minderwertigkeit durch gezielte soziale Interaktionen.
- Zwischenmenschliche Schwierigkeiten: Die Erprobung neuer Kommunikationsstrategien zur Verbesserung instabiler Beziehungen.
Neben der theoretischen Fundierung in der kognitiven Verhaltenstherapie und der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) diskutieren wir anhand von sechs konkreten Fallbeispielen, wie Experimente geplant, durchgeführt und reflektiert werden. Zudem gehen wir auf kritische Aspekte wie die „kognitive Immunisierung“ ein – ein Phänomen, bei dem Patienten trotz positiver Erfahrungen an alten Überzeugungen festhalten – und geben praktische Tipps zur Vorbereitung und Strukturierung, um den therapeutischen Erfolg abzusichern.
Eine unverzichtbare Folge für alle Psychotherapeuten, die ihre therapeutische Werkzeugkiste um handlungsorientierte Interventionen für komplexe Störungsbilder erweitern möchten.--------------------------------------------------------------------Quelle: Dyer, A. S. (2021). Der Einsatz von Verhaltensexperimenten bei Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung. Verhaltenstherapie, 31(1), 70–77. https://doi.org/10.1159/000511929