エピソード

  • Falsche Richtung
    2026/10/18

    Menschen entscheiden nicht nur nach ihrer heutigen Lage. Sie berücksichtigen auch, was sie für morgen und die Zukunft erwarten. Die beiden US-Ökonomen Robert Hall und Michael Woodford haben gezeigt, wie wichtig dieser Blick nach vorn bei Konsum und Geldpolitik ist. Für ihre Beiträge zu den mikroökonomischen Grundlagen der makroökonomischen Stabilisierung haben die beiden Wissenschaftler den Wirtschaftsnobelpreis 2026 erhalten.

    Auf den ersten Blick haben ihre Forschungen wenig miteinander zu tun. Hall erhielt den Preis für seine Forschungen zur Konsumbereitschaft, Woodford für seine Arbeiten zur Geldpolitik. Gemeinsam ist ihren Arbeiten allerdings die Bedeutung von Erwartungen. Erwarten Menschen beispielsweise dauerhaft höhere Einkommen, erhöhen sie bereits frühzeitig ihren Konsum. Nehmen sie hingegen heutige Mehreinkommen als nicht nachhaltig wahr oder befürchten gar in Folge heutiger Zahlungen künftig ein geringeres Einkommen, sparen sie mehr, statt zu konsumieren.

    Mit Dr. Rüdiger Bachmann, Professor für Volkswirtschaftslehre an der University of Michigan, diskutiert Daniel Stelter über die Arbeiten der beiden Preisträger, die Aussagekraft ihrer Modelle und die Konsequenzen für die Wirtschaftspolitik. Wenn die politisch Verantwortlichen die Erwartung immer höherer Belastungen und schwächerer Wachstumsperspektiven erzeugen, werden Investitionen und Konsum nicht durch Optimismus-Appelle zurückkehren. Zugleich droht eine Geldpolitik, die unter den Finanzierungsdruck der Staaten gerät, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Gefordert ist ein belastbarer Kurs zu mehr Wachstum und tragfähigen Staatsfinanzen, nicht lediglich das nächste Ausgabenprogramm, denn das führt wieder nur in die falsche Richtung.

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    Presseinformation For microeconomic foundations of macroeconomic stabilisation der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften zur Bekanntgabe der Preisträger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften 2026: https://t1p.de/znv4q

    Kommentar A Great Nobel des Ökonomen John H. Cochrane zu den diesjährigen Preisträgern auf der Online-Plattform A Grumpy Economist: https://t1p.de/ibsyh

    Beitrag A Nobel prize for how to keep economies on even keel in The Economist: https://t1p.de/q20sg

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    1 時間 21 分
  • Die Hütte brennt
    2026/10/11

    Die deutsche Metall- und Elektroindustrie verliert nach Angaben von Gesamtmetall derzeit rund 10.000 Arbeitsplätze im Monat. Seit dem Beschäftigungshöchststand im Jahr 2019 sind bereits rund 350.000 Stellen weggefallen. Zugleich bleiben Kapazitäten unterausgelastet, Arbeitskosten und Produktivität entwickeln sich auseinander und die Branche investiert weniger in neue Ausrüstung als an Wert abgeschrieben wird. Die Firmen haben bisher versucht, den Personalabbau zu bremsen und sozialverträglich zu gestalten. Nach Schätzungen sind aber beim aktuellen Niveau der Kapazitätsauslastung weitere 300.000 Arbeitsplätze akut gefährdet.

    Vor diesem Hintergrund findet die Tarifrunde 2026 statt. Die IG Metall fordert eine Lohnerhöhung von fünf Prozent für zwölf Monate, ergänzt um Beschäftigungs- und Standortsicherung, eine soziale Komponente und Gewinnbeteiligungen in gut laufenden Firmen. Die Arbeitgeber verlangen das Gegenteil, nämlich Kostensenkungen, um den Dammbruch beim Personalabbau noch zu verhindern. Daniel Stelter spricht mit Oliver Barta, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, über die wirtschaftliche Lage der Unternehmen, den geschätzten zusätzlichen Personalüberhang, die Voraussetzungen, unter denen industrielle Arbeit in Deutschland eine Zukunft hat, und über die Frage, warum aus seiner Sicht auch Lohnverzicht und eine Verlängerung der Arbeitszeit verhandelbar sein müssen.

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    Konjunkturbericht Deutliche Rückschläge im August – konjunkturelle Stabilisierung sehr differenziert und holprig des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall: https://t1p.de/10v9x

    Information Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie gestartet der IG Metall zur Tarifrunde 2026: https://t1p.de/u5za3

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    1 時間 8 分
  • Ohne bezahlbare Energie keine Industrie
    2026/10/07

    Die Energiewende funktioniert nicht. Auf dem bisher eingeschlagenen Weg kann Deutschland weder das Ziel der Klimaneutralität erreichen, noch die Versorgungssicherheit gewährleisten oder günstigen Strom bereitstellen. Die Kosten der Energiewende beschränken sich auch nicht auf die Ausgaben für den Umbau des Energiesystems, sondern gehen weit darüber hinaus. Die hohen Energiepreise sind ein gravierender Wettbewerbsnachteil und führen damit zu einem (beschleunigten) Verlust an Arbeitsplätzen in den ehemaligen Schlüsselindustrien.

    Aktuelle Studien zeigen außerdem, dass die energieintensive Produktion in Deutschland künftig auch nicht wieder wettbewerbsfähig wird. Doch das ist noch nicht alles. Die Klima-Ziele der Energiewende sind ebenfalls nicht erreichbar. Es ist ein Kurswechsel erforderlich, der – auch angesichts der geopolitischen Lage – die Versorgungssicherheit wieder in den Fokus nimmt.

    In der bto-Episode #264 mit dem Titel „Von der Wirklichkeit umzingelt“ (Oktober 2024) sprach Daniel Stelter mit dem Energieexperten Professor Dr. Markus J. Löffler von der Westfälischen Hochschule über die technischen Anforderungen an eine sichere Stromversorgung und die Zukunft der Energiewende. Zeit für ein bto REFRESH!

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    Studie Das Ende der europäischen Stahlwirtschaft… oder einfach nur anders? (Juli 2026) von PwC zur Zukunft der europäischen Stahlindustrie: https://t1p.de/3a1t2

    Studie Impact of global heterogeneity of renewable energy supply on heavy industrial production and green value chains (April 2024) des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zum Kostennachteil energieintensiver Produktion in Deutschland: https://t1p.de/mmw4w

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    1 時間 3 分
  • Geopolitik sticht Klimaschutz
    2026/10/04

    Die Energiewende soll Deutschland nicht nur klimaneutral machen, sondern auch unabhängiger und sicherer. Doch weniger Brennstoffimporte sind nicht dasselbe wie eine unabhängige Energieversorgung. Die Krise bei Dieselkraftstoff zeigt, worauf es nämlich ebenfalls ankommt: Raffinerien, funktionierende Lieferketten und die Bereitschaft anderer Länder, uns im Krisenfall weiter zu beliefern.

    Was beim Diesel sichtbar wird, gilt auch für das Stromsystem. Wer Anlagen nicht mehr selbst bauen, mit Ersatzteilen versorgen oder reparieren kann, bleibt auf andere angewiesen. Der frühere MI6-Chef, Sir Richard Dearlove, warnt deshalb vor einer Klimapolitik, die die nationale Sicherheit aus dem Blick verliert. Daniel Stelter ordnet Dearloves vielbeachtete Rede vor dem Jahreskongress der Global Warming Policy Foundation ein und prüft die Lage in Deutschland.

    So haben wir zum Beispiel noch eine vorhandene Transformatorenfertigung, aber mit sehr langen Lieferzeiten, und verfügen über Reparaturkompetenz. Die Elektrobandproduktion von Thyssenkrupp hingegen ist bedroht.

    Als Konsequenz aus der geopolitischen Situation muss die Versorgungssicherheit eine Bedingung der Transformation sein. Deutschland muss seine industriellen Fähigkeiten erhalten, kritische Vorprodukte absichern und Vorsorge organisieren, bevor aus wirtschaftlicher Abhängigkeit politische Erpressbarkeit wird.

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    Rede Energy Security - Blowing in the Wind von Sir Richard Dearlove vor dem Jahreskongress der Global Warming Policy Foundation (16. September 2026)finden Sie hier: https://t1p.de/2jm02

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    1 時間 2 分
  • Mehr Staat ist noch keine Lösung
    2026/09/30

    Nicht erst seit den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin verwendet die SPD “New Deal” als Leitbegriff für einen wirtschaftlichen Neustart, der Wachstum und soziale Sicherheit miteinander verbinden soll. Die Wahlergebnisse der SPD sind wohl der Grund, nun vehementer eine Kurskorrektur ihrer Koalitionsregierung mit der Union zu fordern.

    Eine bessere Konjunktur allein ist aber noch keine Lösung der deutschen Strukturprobleme. Es muss vielmehr um wirtschaftspolitische Antworten auf verschiedene Fragen gehen: Soll der Staat immer mehr Geld verteilen, Preise regulieren und Investitionen lenken? Oder muss er vor allem die Bedingungen verbessern, unter denen Unternehmen und Beschäftigte wirtschaftlich handeln?

    Die SPD sieht scheinbar eine politische Anknüpfung an den amerikanischen “New Deal” zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren und will wirtschaftlichen Wandel durch einen aktiven Staat ermöglichen. Im Klartext bedeutet das eine stärker staatlich geplante Wirtschaft. Unabhängig davon, dass in den USA damals völlig andere Bedingungen herrschten, u. a. eine Arbeitslosigkeit von 25 Prozent, steht Deutschland vor ganz anderen ökonomischen Herausforderungen.

    Bereits im Juli 2022 sprach Daniel Stelter mit Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts in München, in Episode #145 über den wachsenden Glauben an politische Steuerung. Fuest bezeichnete diese Haltung als Neodirigismus: Den Marktmechanismen und dem Wettbewerb wird wenig zugetraut, während die Nebenwirkungen staatlicher Eingriffe unterschätzt werden. In den meisten Fällen, in denen der Staat als Wirtschaftslenker aufgetreten ist, blieb die Erfolgsgeschichte aus – schlimmstes Beispiel ist die Bahn. Es geht dabei aber nicht um einen Staat ohne Aufgaben, sondern um einen Staat, der seine Aufgaben erkennt und wirksam erfüllt. Zeit für ein bto REFRESH.

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    1 時間 10 分
  • Der falsche Schluss
    2026/09/27

    Die deutsche Wirtschaft wächst stärker als noch vor einigen Monaten erwartet. Um immerhin 1,3 Prozent soll die hiesige Wirtschaftsleistung 2026 zulegen und im kommenden Jahr um 1,1 Prozent. Da mag der eine oder andere denken, das Milliarden-Schuldenprogramm der Bundesregierung würde wirken.

    So glaubt auch die SPD an die Wunderwirkung staatlicher Konjunkturprogramme. Letzte Woche sickerte durch, dass die Parteiführung keinen Sinn in weiteren Reformen sieht. Stattdessen soll ein „New Deal“, also ein großes staatlich finanziertes Transformationsprogramm, die deutsche Wirtschaft wieder auf Kurs bringen. Dabei sind die Probleme der hiesigen Ökonomie zu einem guten Teil die Folge der bisherigen Transformationsbemühungen der Politik – da braucht man nur an die Energiewende zu denken.

    Was vom aktuellen Aufschwung zu halten ist, wie es um das Potenzialwachstum steht und welche Reformen angezeigt sind, diskutiert Daniel Stelter mit Prof. Dr. Stefan Kooths, Direktor der Forschungsgruppe Konjunktur und Wachstum am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW).

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    Presseinformation Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2026: Aufschwung mit Strukturproblemen – Finanzpolitik auf Abwegen des ifo Institut zur Wirtschaftsprognose und Konjunkturlage in Deutschland: https://t1p.de/qk7s5

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    1 時間 23 分
  • Nach dem Versagen der Währungshüter
    2026/09/23

    “Der beste Ökonom, den der IWF nie hatte” – so titelte der Economist im September 2026 eine sehr bemerkenswerte Geschichte in seiner Printausgabe. Der portugiesische Makroökonom Ricardo Reis, Professor an der London School of Economics, wäre in diesem Sommer beinahe zum Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds ernannt worden. Beinahe! Denn Reis’ öffentliche Kritik an Trumps Zöllen und wohl auch seine wesentlich schärferen politischen Kommentare an Trump persönlich haben ihn den Posten gekostet. Was vor allem für den IWF schlecht ist, denn Reis beschäftigt sich intensiv mit dem Zusammenspiel von Staatsverschuldung, Geldpolitik sowie Zentralbankbilanzen und argumentiert seit Jahren, dass IWF und Zentralbanken bei internationalen Finanzkrisen enger zusammenarbeiten sollten. Ausgerechnet einer der modernen Makroökonomen und Geldtheoretiker, dessen Forschung für die gegenwärtigen Probleme des IWF besonders relevant ist, bekam den Posten nicht. Den Grund benennt der Economist im der Titel der Onlineversion des Beitrags: “Ricardo Reis war dem IWF zu offen”. Man könnte auch sagen “zu unverblümt”.

    Unverblümt war Prof. Dr. Ricardo Reis auch in bto-Episode #153 “Den Schirm vergessen”. Im August 2022 hat Daniel Stelter mit ihm über eine der wichtigsten Fragen der damaligen Zeit gesprochen: Wer trägt die Verantwortung für die Inflation? Die Notenbanken? Oder die externen Schocks? Seine Antwort war, wie kann es anders sein, unbequem. Es sei zwar richtig, dass Pandemie, Lieferketten und Ukraine-Krieg die Inflation getrieben haben. Aber: „I have an umbrella" – die Notenbanken hatten einen Regenschirm und haben ihn nicht benutzt. Heute, vier Jahre später, sehen wir Zinswende, Frankreich-Krise und eine Debatte um fiskalische Dominanz. Reis Diagnose ist relevanter denn je. Zeit für ein bto REFRESH.

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    Artikel Ricardo Reis was too frank for the IMF – It can still benefit from the economist's ideas (17. September 2026) in The Economist (online), Printtitel: „The best economist the IMF never had": https://t1p.de/rbmg0

    Analyse The Burst of High Inflation in 2021–22: how and why did we get here? von Prof. Dr. Ricardo Reis, Working Paper der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Dezember 2022): https://t1p.de/4kzcf

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    43 分