„Traditionelles Yoga“ klingt nach einer Praxis, die seit Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden unverändert weitergegeben wurde. Doch genau dieses Bild hält einer historischen Betrachtung kaum stand. In der Yogaszene wird Tradition häufig mit Authentizität verbunden: Eine Praxis gilt als besonders echt, ursprünglich oder bewährt, wenn sie möglichst weit zurückreicht. Doch wie alt sind die Yogastile und Methoden, die wir heute praktizieren, tatsächlich? In dieser Folge schauen wir auf die Entstehung des modernen Yoga und auf einige der Geschichten, mit denen seine Tradition begründet wird. Wir sprechen über Krishnamacharya, Sivananda und die Wiederbelebung des Yoga im Indien des frühen 20. Jahrhunderts, über Kolonialismus und indische Identität – und darüber, wie aus unterschiedlichen philosophischen, spirituellen und körperlichen Praktiken jene Systeme entstanden sind, die heute häufig als „traditionelles Yoga“ bezeichnet werden. Dabei geht es nicht darum, Tradition abzuwerten. Im Gegenteil: Wer verstehen möchte, wo Yoga herkommt, muss genauer hinsehen. Welche Elemente einer Praxis sind historisch überliefert? Was wurde neu kombiniert, interpretiert oder an eine andere Zeit angepasst? Und welche Autorität geben wir einer Lehre allein deshalb, weil sie sich auf eine vermeintlich alte Tradition beruft? Eine Folge über Yogageschichte, Mythen und die Frage, warum lebendiges Yoga immer auch Entwicklung und Interpretation bedeutet.
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