エピソード

  • #4 Wertekonflikte - mit Doris Andreatta
    2026/07/14

    Diese Folge von "Leben auf Sicht" erzählt die Geschichte eines Kindergarten‑Teams, dessen Leitbild „Wertschätzung, Respekt, Vertrauen“ im Alltag ins Wanken gerät, als ein Konflikt über Regeln im Garten eskaliert. Doris Andreatta beschreibt ihren Berufsweg von der leidenschaftlichen Pädagogin zur psychosozialen Beraterin mit Schwerpunkt positive Psychologie und systemischem Ansatz und betont lebenslanges Lernen. Im Zentrum steht eine Team‑Supervision, die mit einem ressourcenorientierten Einstieg („Was funktioniert gut, worauf sind Sie stolz?“) beginnt, bevor auf Schwierigkeiten und Konflikte geschaut wird. Andreatta arbeitet mit Werteklärung: Das Team entwickelt in einem strukturierten Prozess aus vielen Begriffen drei gemeinsame Werte‑Säulen, die später als Kompass im Konflikt dienen. Der konkrete Streit um die Nestschaukel zeigt die Spannbreite zwischen strengen Sicherheitsregeln und dem Wunsch nach Selbstverantwortung und Freiraum für Kinder, die in eine balancierte Minimalregel übersetzt wird. Methodisch setzt Andreatta auf soziokratische Runden, Visualisierung mit Kärtchen am Boden, bewusste Pausen und Stille sowie auf klare Vereinbarungen, dass jede Person ihrer Stimme Verantwortung gibt – auch fürs Schweigen. Sie zeigt, wie sie mit „ehrenwerten Hindernissen“, also stark widerständigen Einzelpersonen, arbeitet, indem sie deren gute Gründe würdigt, Beziehung anbietet und gleichzeitig die Gruppe im Blick behält. Zum Schluss gibt sie den Hörer:innen mit auf den Weg, bei Spannungen genauer zu prüfen, ob es „nur“ um To‑dos oder um dahinterliegende Werte geht, und als persönliche Haltung: auf das halbvolle Glas zu schauen.

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    38 分
  • #3 Trigger - mit Karin Klinger-Vogel
    2026/06/09

    Die Folge erzählt die Geschichte eines selbstständigen Handwerkers Mitte 30, der beruflich erfolgreich und privat glücklich ist, aber immer wieder „ausrastet“ und sich dafür schämt. Die psychosoziale Beraterin Karin Klinger‑Vogel beschreibt, wie sie als Coach zunächst klärt, was „Ausrasten“ konkret bedeutet, ob es um verbale oder körperliche Gewalt geht und welche Situationen dahinterstehen. Im Gespräch zeigt sich, dass hinter der Wut Themen wie Herkunftsfamilie, akademischer Druck, Preisgestaltung als Selbstständiger und Vergleiche mit den Geschwistern stehen. Sie arbeitet mit dem kybernetischen Dreieck aus dem St. Galler Coaching Modell, in dem Wert (Ruhe), Ziel („Ich spreche respektvoll und ruhig“) und Problem („Ich bin wertlos“) klar benannt werden. Klinger-Vogel betont, dass Wut häufig mit Scham und Schuld verknüpft ist, dass Trigger sehr persönliche Auslöser mit biografischem Hintergrund sind und dass wiederkehrende Muster erst veränderbar werden, wenn man sie erkennt. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist, das gewünschte Stattdessen zu formulieren, den Preis eines Zieles ehrlich anzuschauen und zu prüfen, ob jemand bereit ist, diesen Preis zu bezahlen. Im Verlauf des Prozesses verbessert sich die innere Skala des Klienten deutlich: Ruhe steigt von minus 10 auf plus 6, das erlebte Problem geht auf 0 zurück, und das Ziel rückt gefühlt von 0 auf 9, was sich für ihn wie Freiheit und Ruhe anfühlt. Konkret kann er seine Preise halten, klarer mit seinen Eltern sprechen, sich besser abgrenzen und in „dummen“ Wortmeldungen eher das Thema der anderen als einen Angriff auf seinen eigenen Wert erkennen. Am Ende lädt Klinger-Vogel dazu ein, bewusste Pausen zu machen, Gefühle ernst zu nehmen und psychosoziale Beratung prophylaktisch zu nutzen, bevor Belastungen eskalieren.

    Homepage:

    https://www.coaching-mit-wirkung.at/

    Buchempfehlungen:

    Lippmann, Eric (2013):

    Coaching

    Springer Verlag

    Belardi, Nando (2020):

    Supervision und Coaching

    Lambertus Verlag Freiburg

    Kaluza, Gerd (2015):

    Stressbewältigung

    Springer Verlag

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    57 分
  • #2 Rollenumkehr - mit Anna Deutsch
    2026/05/11

    Ein elfjähriger Bub bekommt nach der Trennung seiner Eltern starke Bauchschmerzen, obwohl medizinisch „alles in Ordnung“ ist, und versucht, zwischen Mutter und Vater zu vermitteln: „Wenn ich’s dem einen recht mache, ist der andere traurig.“ Psychosoziale Beraterin Anna Deutsch beschreibt, wie sie im häuslichen Setting mit „rückwärts verstehen, vorwärts gehen“ arbeitet, um in einer Prozessarbeit die familiäre Geschichte, die Trennung und die verdeckten Aufträge an das Kind sichtbar zu machen. Sie erklärt anschaulich, wie Kinder in Loyalitätskonflikten wie „schlaue Füchse“ das System scannen, sich anpassen, Symptome wie Bauchweh entwickeln und dabei unsichtbare Rucksäcke voller Verantwortung tragen. Ein zentraler Wendepunkt ist der scheinbar liebevolle Satz „Jetzt bist du der Mann im Haus“, durch den der Bub unbewusst die Versorgerrolle übernimmt, Schule und Fußball in den Hintergrund treten und die Nähe zur Mutter wichtiger wird als die eigene Entwicklung. Im Dialog hilft Anna Deutsch der Mutter, Schuld- und Schamgefühle zu entlasten, Selbstwirksamkeit zu stärken und einen neuen, entlastenden Alltagssatz zu etablieren: sinngemäß „Die Mama macht das schon, du kümmerst dich um Schule und Freunde“ – woraufhin sich die Symptome in kurzer Zeit deutlich bessern. Die Folge thematisiert Parentifizierung, die Trennung zwischen Eltern- und Paarebene, finanzielle Konflikte (etwa rund um Alimente) und wie unausgesprochene Wut von Kindern „zwischen den Zeilen“ aufgenommen wird. Anna Deutsch verknüpft ihre Praxis mit einem UNICEF-Bericht zur mentalen Gesundheit von Kindern, verweist auf den nötigen Perspektivenwechsel von der „schwarzen Pädagogik“ hin zu humanistischer, gleichwürdiger Erziehung und betont die Bedeutung präventiver psychosozialer Beratung bei Trennungssituationen. Immer wieder unterstreicht sie, dass Beratung dialogisch, unhierarchisch und bindungsorientiert sein sollte, dass es „keine perfekten Eltern“ gibt und dass achtsame Erziehung zwischen den Zeilen beginnt – mit einem liebevollen, klaren Blick auf das Innere der Erwachsenen und die Bedürfnisse der Kinder.

    Links zur Folge:

    Homepage Anna Deutsch

    UNICEF-Bericht 2025

    There is glory in prevention (Podcast mit Christian Drosten)

    "Die Praxis der gleichen Würde" von Jesper Juul (familylab)

    Buch "Alles wirkliche Leben ist Begegnung" von Martin Buber (MANZ)

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    43 分
  • #1 Orientierung - mit Bernhard Moritz, Andreas Schnider und Martin Wuelz
    2026/05/11

    In dieser Folge stellt Barbara Kaufmann den Podcast „Leben auf Sicht – psychosoziale Beratung als Navi für Hirn und Herz“ vor und führt in die grundlegende Frage ein, was psychosoziale Beratung eigentlich ist. Andreas Schnieder beschreibt psychosoziale Beratung als professionelle, präventive Begleitung gesunder Menschen in Konflikten und Lebensübergängen und betont die Bedeutung eines klaren Settings, methodischer Vielfalt und einer qualitativ hochwertigen Ausbildung auf akademischer oder befähigungsprüfungsbasierter Grundlage. Martin Wuelz erläutert, wie psychosoziale Beratung ressourcenorientiert, auf Augenhöhe und ohne Pathologisierung arbeitet, und erklärt die Grenze zur Psychotherapie, die bei behandlungsbedürftigen psychischen Störungen mit Diagnose erreicht ist. Aus juristischer Sicht warnt er vor unreglementierten Angeboten wie „Coaching“, „Mentaltraining“ oder Humanenergetik und gibt konkrete Qualitätskriterien an die Hand, etwa ein korrektes Impressum, eine ausgewiesene Gewerbeberechtigung für psychosoziale Beratung und überprüfbare Einträge bei der Wirtschaftskammer. Bernhard Moritz zeigt anhand von Beispielen aus der Paar- und Sexualberatung, dass viele Menschen eher mit Fragen nach Normalität, Identität und würdevoller Gestaltung ihrer Wünsche kommen als mit „Krankheit“, und plädiert für eine Entpathologisierung psychosozialer Themen. Alle drei betonen die hohe Bedeutung von Ethik, Selbstbegrenzung und Weiterverweisung – sei es zu Kolleg:innen, Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen – sowie von sorgfältiger Abklärung (zB medizinisch oder pharmakologisch), bevor psychosoziale Beratung beginnt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Idee von Prävention als „Lebensbegleitung“, der gesellschaftlichen Tendenz zur Defizitorientierung und dem Wunsch, Stärken zu stärken, statt Schwächen zu „beweinen“. Für Ausbildungsinteressierte werden Dauer, Zugangswege, die Verzahnung von Theorie, Praxis, Selbsterfahrung und Supervision sowie Kriterien für die Auswahl seriöser Institute und universitärer Angebote detailliert beschrieben. Zum Schluss ermutigen die Gesprächspartner Hörer:innen, die Bereitschaft „aufzubrechen“, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und sich frühzeitig professionelle Unterstützung zu holen, wenn etwas „unter den Nägeln brennt“ oder Veränderung gewünscht wird.

    Links zur Folge:

    Kongress der Psychosozialen Berater:innen: „Die Kunst des Navigierens – Die Psychosoziale Beratung als Kompass und Resonanzraum in Zeiten der Transformation“

    www.wko.at/tirol/kongress2026

    Das Berufsbild Psychosoziale Beratung:

    https://www.lebensberater.at/ebook-zugangsverordnung

    Die Neuverortung der psychosozialen Beratung

    https://www.lebensberater.at/ebook-zugangsverordnung/kap2

    Standesregeln für psychosoziale BeraterInnen:

    https://www.lebensberater.at/ebook-zugangsverordnung/kap10

    Dr Martin Wuelz:

    https://gutundrecht.at/

    https://www.scheidungscoaching.at/

    Univ.Prof. Dr. Andreas Schnider:
    https://www.uniforlife.at/de/psychosoziale-beratung/#c560179

    https://www.qsr.or.at/?content/der-qsr/qsr-mitglieder/andreas-schnider

    https://www.schnider.at/?about

    Bernhard Moritz:

    Personenberatung und Personenbetreuung - Tirol - WKO

    www.paarberatung-tirol.at

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