『Über dem Nebelmeer』のカバーアート

Über dem Nebelmeer

Über dem Nebelmeer

著者: Nico & Sebastian
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Nico & Sebastian im Gespräch – über Philosophie und Politik, Kultur und Gesellschaft, über Gott und die Welt. Inspiriert von Caspar David Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer suchen sie Klarheit im Ungefähren: Gedanken, Zweifel, Perspektiven. Kein Skript, keine Pose – nur der Versuch, im Nebel unserer Gegenwart den Überblick zu behalten.

Nico & Sebastian
社会科学
エピソード
  • #18 – Drachenfels, Dekrete und Diesel-Deadlines – Im Nebel zwischen Nibelungensage und »Lake America«
    2026/08/30

    Ausnahmsweise treffen sich Nico und Sebastian nicht am Freitagabend, sondern am Sonntagvormittag – diverse Termine und Verpflichtungen hatten die Aufnahme verschoben. Nach einem Merchandising-Schwank (T-Shirt mit dem Nebelmeer-Cover? Erst klären, ob Caspar David Friedrichs Bildrechte das erlauben) beschreibt Nico ein Selfie, das ihm Sebastian geschickt hat: zwei Wanderer vor einem regnerisch-nebligen Rhein. Der Anblick erinnert ihn an einen Text, den Elke Heidenreich kürzlich in der NZZ über das Rhein-Niedrigwasser veröffentlicht hat – ein persönlicher, um Trost kreisender Text, den Nico auszugsweise zitiert. Von dort führt die Brücke zur eigentlichen Geschichte hinter dem Foto.

    Sebastian war mit Simon, einem Freund aus gemeinsamen Münsteraner Studientagen, im Siebengebirge unterwegs: hinauf zum Drachenfels, vorbei an Zahnradbahn, Eselspfad und einer überfüllten Sonnenterrasse, auf der eine Waffel binnen Minuten in Starkregen ertrinkt. Zwischen der Etymologie des Namens Siebengebirge, der textlich unbelegten Nibelungensage um Siegfried und den Drachen und dem Umstand, dass der brüchige, mit Betonankern gesicherte Fels einst als Steinbruch für den Kölner Dom diente, entfaltet sich ein kleiner Kulturgeschichts-Exkurs zwischen Wanderung und Wetterkapriolen. Ein Vergleich mit dem eintönigeren Sauerländer Fichtenwald schließt sich an, bevor eine zweite Anekdote folgt: Bei Sebastians Firmensommerfest in Frankfurt ließ sich ein Karikaturist aus Köln einfliegen – für 1800 Euro an jenem Abend porträtierte er das zwölfköpfige Team, ohne dass sich jemand wiedererkannte.

    Von der Karikatur ist es nur ein kurzer Sprung zu Donald Trump, der sich – wie Nico anmerkt – selbst kaum noch karikieren lässt: Per Dekret hat er den Ontario-See in »Lake America« umbenannt, mit der Begründung, die tiefsten und wasserreichsten Stellen lägen auf amerikanischem Gebiet. Nico und Sebastian rechnen nach – tatsächlich liegen rund 53 Prozent der Fläche auf kanadischer Seite – und wandern über das winzige Dresden am Seneca Lake, benannt von deutschen Auswanderern und Geburtsort des Freidenkers Robert Green Ingersoll, zur Frage, wie weit kulturelle Relativierung reicht: Ausgangspunkt ist eine Anekdote aus einem Interview mit dem Pirahã-Erforscher Daniel Everett, das Nico kürzlich gehört hat. Die eigentliche Volte kommt mit einer Nachricht vom Freitag: Norwegens König Harald V. ist gestorben, sein Sohn regiert fortan als Håkon VIII. – ein Name, der sich, anders als Charles zu Karl, mangels gemeinsamer lateinischer Wurzel nicht übersetzen lässt. Von dort ist der Bogen zur gendersensiblen Sprache nicht weit: Ist »Mitarbeitende« nicht Trumps Umbenennungswahn im Kleinen? Eine Debatte über Monarchie, gewählte Staatsoberhäupter und das Schloss Bellevue als getarnten Monarchie-Ersatz schließt sich an.

    Zum Ausklang geht es ins Bonner Haus der Geschichte, dessen neue Dauerausstellung unter anderem einen Ausweis aus dem Parlamentarischen Rat zeigt – und an die vier »Mütter des Grundgesetzes« erinnert, die 1949 durchsetzten, dass explizit »Männer und Frauen sind gleichberechtigt« im Grundgesetz steht. Ein Dalí-Zitat, freier Museumseintritt in Deutschland wie in London und eine Tankstellen-Anekdote – Sebastian tankt im buchstäblich letzten Moment vor der mittäglichen Preiserhöhung – runden die Episode ab, bevor eine alltagsnahe Erklärung zu Strompreisen und Windkraft-Überkapazitäten den Nebel endgültig lichtet. Zum Schluss ein Nachklapp: Bei den Deutschhausaufgaben der Tochter taucht ein arg in die Jahre gekommenes Arbeitsblatt mit stereotyper Bildsprache auf.

    Aufnahmedatum: 30. August 2026

    Intro- & Outro-Musik: »Dark Girl« von Elijah_K, https://pixabay.com/music/beats-dark-girl-280133/

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    1 時間 18 分
  • #17 – Klangwechsel und Dialektik der Abkühlung – Ein Nebelsommer zwischen Halberstadt und Hitzewelle
    2026/08/16

    Sebastian kommt zu spät – vom Ballett, versteht sich, denn Gelenkigkeit kennt kein Alter, findet er trotz mahnender Fast-47-Jahre-Warnung. Allein: Es war die Tochter, die sich als Ballerina in Szene setzte. Aus der Verspätung wird nahtlos ein Rückgriff auf die letzte Episode: Nico knüpft an das Thema Lebenszeit und Weltzeit an und führt mit dem 17. Klangwechsel von John Cages Orgelstück ORGAN²/ASLSP in der Halberstädter Burchardikirche – 639 Jahre Spieldauer, Ende terminiert auf 2640 – gleich zum nächsten Gedankenexperiment: Ist ein »Final Ticket« für 2.640 Euro, vererbbar an Urenkel, seriöse Kunstförderung oder Schneeballsystem? Und ist überhaupt Kunst, was sich der menschlichen Wahrnehmung entzieht – ein über Jahrhunderte gedehnter Ton, ein unsichtbares Nanokunstwerk? Mit Nelson Goodman und der Frage »Wann ist Kunst?« wird daraus eine handfeste ästhetische Streitfrage, die folgerichtig bei der Mona Lisa landet: relativ klein, 1911 zwei Jahre lang unterm Bett des Diebes versteckt, und die Frage, ob ein roter Wagen im Dunkeln noch rot ist.

    Von der Kunst geht es zum Klima: Der Hitzesommer 2026 hat ausgetrocknete Bäche und freigelegte Römerfunde im Flussbett hinterlassen. Klimahistoriker Christian Pfister von der Universität Bern stellt die Dürre in eine Reihe mit der »Jahrtausenddürre« von 1540 und zwanzig vergleichbaren Ereignissen zwischen 1304 und 1719. Nico und Sebastian diskutieren, wie belastbar solche historischen Vergleiche überhaupt sind. Im eigenen Garten wird nicht mehr gegossen, Survival of the Fittest für Rispenhortensien und Feigenbäume, während der Historiker Jan-Eike Dunkhase in seinem Buch »Kühle neue Welt« vom Schneekonsum am Hof Neros bis zu heutigen KI-Rechenzentren die »Dialektik der Abkühlung« beschreibt: Jede Kühlung erzeugt neue Wärme. Der britische Eisexport ins koloniale Indien liefert dazu die absurdeste Fußnote der Episode.

    Die Eisfrage führt unweigerlich zum Spaghetti-Eis, Nicos heimlichem Lieblingseis, dessen Erfindungsgeschichte – Mannheim, 1969, Spätzlepresse – ebenso zur Sprache kommt wie die stille Portionsgrößen-Manipulation der Gastronomie. Von dort geht es, völlig zwanglos, zu einer Attraktivitätsstudie über deutsche Wahlkandidaten: FDP vorn, AfD ohne messbaren Attraktivitätseffekt, dazwischen ein Streifzug von Abraham Lincoln bis John F. Kennedy durch die Ästhetisierung der amerikanischen Präsidentschaft. Die Debatte über Wahlversprechen und Kompromisszwang in der Demokratie mündet über das trockengefallene Donaubett in Budapest – Partyzone statt Fluss, Musiker auf der sinkenden Titanic – zurück zum großen roten Faden der Episode: Der Klimawandel als eigenes John-Cage-Stück, dessen einzelne Töne sich erst nach Jahrzehnten zu einer hörbaren Melodie fügen. Zwischen Flugscham, E-Auto-Skepsis und der Frage, ob Verzicht Urlaub zum Luxusgut macht, verordnet sich der Podcast selbst eine kleine Klimamaßnahme: 64 Kilobit, Mono – der erste nachhaltige Nebelmeer-Ton. Zum Ausklang gibt es noch Ärger über Pizzakartons, Coffee-to-go-Becher und die Frage, ob Podcaster die Welt retten können.

    Aufnahmedatum: 14. August 2026

    Intro- & Outro-Musik: »Dark Girl« von Elijah_K, https://pixabay.com/music/beats-dark-girl-280133/

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    1 時間 16 分
  • #16 – Zwischen Eintagsmensch und Ewigkeit – Gedankenexperimente im Nebel der Lebens- und Weltzeiten
    2026/08/02

    Der Juli verabschiedet sich, und mit ihm die Erleichterung, dass Sebastians Frankreichurlaub den grassierenden Waldbränden nur knapp entging: die Bretagne lag zum Glück zu weit im Norden für die Feuersbrünste um Bordeaux. Nach einem kurzen Wetterabgleich (Platzregen hier, anhaltende Dürre dort) lösen Nico und Sebastian den vor zwei Wochen ausgesprochenen WM-Finaltipp auf: Spanien gewinnt 1:0 gegen Argentinien, wovon beide selbst kaum mehr wissen als das nackte Ergebnis.

    Den eigentlichen Anlass für ein persönliches Wiedersehen liefert ein Erbstück: 26 in Leder gebundene, goldschnittverzierte Bände der Brockhaus-Enzyklopädie, die Sebastians Mutter beim Wohnungsauszug loswerden möchte und die Nico dankbar – und mit einigem Stolz auf seinen neu gewonnenen Rang in der familiären Erb-Hierarchie – entgegennimmt. Der gedruckte Brockhaus als Träger »verlorenen, unwiederbringlichen Wissens« wird zum Sprungbrett für das eigentliche Thema der Episode: die menschliche Zeiterfahrung.

    Ausgehend von Hans Blumenbergs Buch »Lebenszeit und Weltzeit« und einem 1860 gehaltenen Vortrag des Naturforschers Karl Ernst von Baer entfalten Nico und Sebastian ein ausuferndes Gedankenexperiment: Was, wenn ein Menschenleben nur einen Monat dauerte oder, umgekehrt, eine Million Jahre? Von Baers Überlegungen zu Mondphasen als apokalyptischem Schrecken, zum Pulsschlag als Jahresmaß und zur Sonne als nächtlichem Meteorstreif führen zu eigenen Volten: Würde sich ein Millionenjahre-Mensch noch ein Ferienhaus auf Mallorca zulegen, wenn unter ihm die Erdplatten wandern? Ginge er pfleglicher mit dem Planeten um oder gerade rücksichtsloser, weil ihm ohnehin alle Zeit der Welt bliebe?

    Die beiden wandern von Michael Endes »Momo« über die Frage nach Gott und Unendlichkeit zu der These, dass die heutige Generation sich dank medialer Verdichtung – Social Media, Nachrichtenzyklen, endlose Kurzvideos – subjektiv mehr Welt aneignet als frühere, trotz historisch hoher Lebenserwartung. Ein Zitat aus der F.A.Z. über Waldbrände mit der »Sprengkraft einer Atombombe« und ein NZZ-Bericht über Anthony Faucis eisernes Schweigen vor dem US-Senat dienen als Realitätsanker für die Frage, ob ein tausendjähriges Leben mehr Verantwortungsbewusstsein bedeuten würde oder eher grenzenlose Umweltsünde. Ein imaginärer Tyrannosaurus, der aus dem Jenseits auf die hektische Menschheit herabblickt, liefert die passende Portion Selbstironie.

    Zum Ausklang führen LUCA, der gemeinsame Ursprung allen Lebens, ein Nachklang des einstigen Wal-Themas Timmy – diesmal in Gestalt einer neuen, quicklebendigen Sichtung in der Kieler und Flensburger Förde – sowie ein Zitat aus einem Podcast mit dem Benediktiner Anselm Grün das Gespräch zu seinem eigentlichen Kern zurück: der Notwendigkeit von Hoffnung, ganz gleich, ob einem ein Tag oder eine Million Jahre zur Verfügung stehen.

    Aufnahmedatum: 31. Juli 2026

    Intro- & Outro-Musik: »Dark Girl« von Elijah_K, https://pixabay.com/music/beats-dark-girl-280133/

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    1 時間 16 分
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