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#16 – Zwischen Eintagsmensch und Ewigkeit – Gedankenexperimente im Nebel der Lebens- und Weltzeiten

#16 – Zwischen Eintagsmensch und Ewigkeit – Gedankenexperimente im Nebel der Lebens- und Weltzeiten

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Der Juli verabschiedet sich, und mit ihm die Erleichterung, dass Sebastians Frankreichurlaub den grassierenden Waldbränden nur knapp entging: die Bretagne lag zum Glück zu weit im Norden für die Feuersbrünste um Bordeaux. Nach einem kurzen Wetterabgleich (Platzregen hier, anhaltende Dürre dort) lösen Nico und Sebastian den vor zwei Wochen ausgesprochenen WM-Finaltipp auf: Spanien gewinnt 1:0 gegen Argentinien, wovon beide selbst kaum mehr wissen als das nackte Ergebnis.

Den eigentlichen Anlass für ein persönliches Wiedersehen liefert ein Erbstück: 26 in Leder gebundene, goldschnittverzierte Bände der Brockhaus-Enzyklopädie, die Sebastians Mutter beim Wohnungsauszug loswerden möchte und die Nico dankbar – und mit einigem Stolz auf seinen neu gewonnenen Rang in der familiären Erb-Hierarchie – entgegennimmt. Der gedruckte Brockhaus als Träger »verlorenen, unwiederbringlichen Wissens« wird zum Sprungbrett für das eigentliche Thema der Episode: die menschliche Zeiterfahrung.

Ausgehend von Hans Blumenbergs Buch »Lebenszeit und Weltzeit« und einem 1860 gehaltenen Vortrag des Naturforschers Karl Ernst von Baer entfalten Nico und Sebastian ein ausuferndes Gedankenexperiment: Was, wenn ein Menschenleben nur einen Monat dauerte oder, umgekehrt, eine Million Jahre? Von Baers Überlegungen zu Mondphasen als apokalyptischem Schrecken, zum Pulsschlag als Jahresmaß und zur Sonne als nächtlichem Meteorstreif führen zu eigenen Volten: Würde sich ein Millionenjahre-Mensch noch ein Ferienhaus auf Mallorca zulegen, wenn unter ihm die Erdplatten wandern? Ginge er pfleglicher mit dem Planeten um oder gerade rücksichtsloser, weil ihm ohnehin alle Zeit der Welt bliebe?

Die beiden wandern von Michael Endes »Momo« über die Frage nach Gott und Unendlichkeit zu der These, dass die heutige Generation sich dank medialer Verdichtung – Social Media, Nachrichtenzyklen, endlose Kurzvideos – subjektiv mehr Welt aneignet als frühere, trotz historisch hoher Lebenserwartung. Ein Zitat aus der F.A.Z. über Waldbrände mit der »Sprengkraft einer Atombombe« und ein NZZ-Bericht über Anthony Faucis eisernes Schweigen vor dem US-Senat dienen als Realitätsanker für die Frage, ob ein tausendjähriges Leben mehr Verantwortungsbewusstsein bedeuten würde oder eher grenzenlose Umweltsünde. Ein imaginärer Tyrannosaurus, der aus dem Jenseits auf die hektische Menschheit herabblickt, liefert die passende Portion Selbstironie.

Zum Ausklang führen LUCA, der gemeinsame Ursprung allen Lebens, ein Nachklang des einstigen Wal-Themas Timmy – diesmal in Gestalt einer neuen, quicklebendigen Sichtung in der Kieler und Flensburger Förde – sowie ein Zitat aus einem Podcast mit dem Benediktiner Anselm Grün das Gespräch zu seinem eigentlichen Kern zurück: der Notwendigkeit von Hoffnung, ganz gleich, ob einem ein Tag oder eine Million Jahre zur Verfügung stehen.

Aufnahmedatum: 31. Juli 2026

Intro- & Outro-Musik: »Dark Girl« von Elijah_K, https://pixabay.com/music/beats-dark-girl-280133/

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