エピソード

  • Die LIEWO-Chefredaktorin - Melanie Steiger
    2026/05/03

    Im Liechtensteiner Medienhaus in Vaduz schlägt das Herz der regionalen Berichterstattung, und mittendrin sorgt Melanie Steiger dafür, dass die Sonntage im Fürstentum und der angrenzenden Region mit Tiefe und Menschlichkeit gefüllt werden. Seit 2021 leitet sie als Chefredaktorin die LIEWO – eine Aufgabe, die sie nach dem Redesign der Wochenzeitung übernahm und mit viel Herzblut ausfüllt.


    Melanie Steigers Weg in den Journalismus war kein starrer Plan, sondern eher ein organisches Hineinrutschen. Während ihres Studiums der Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Luzern – ein damals neuer Studiengang – verdiente sie sich ihr Taschengeld als freie Mitarbeiterin in der Ostschweiz. Ihr erster Bericht? Eine Schafschau. Was simpel klingt, war der Anfang einer Leidenschaft für das geschriebene Wort. Sie entdeckte das Handwerk für sich und Bandi Koeck ergänzte dazu passend sein Motto: „Wer schreibt, der bleibt“.


    Nach Stationen im Online-Marketing in St. Gallen und Praktika beim „Volksblatt“ sowie dem „Werdenberger & Obertoggenburger“ (W&O) führte ihr Weg 2015 schließlich ins Medienhaus Liechtenstein. Begonnen hat sie dort in der Wirtschaftsredaktion, bevor sie 2018 zur LIEWO wechselte. Diese Vielseitigkeit – von Sport bis Wirtschaft – macht sie heute zu einer äusserst flexiblen Redaktionsleiterin.


    Für Steiger ist die LIEWO mehr als nur eine Sonntagszeitung. Es ist ein Medium, das im Gegensatz zur tagesaktuellen Hektik die Zeit hat, vertieft in Themen einzutauchen. Ihr „Steckenpferd“ ist dabei das Porträt auf der Frontseite. Hier geht es um Menschen und ihre Geschichten – oft um Schicksale, die bewegen, wie etwa Menschen, die eine schwere Krankheit besiegt haben.


    Ihre grösste Herausforderung sieht sie darin, diesen Personen gerecht zu werden, ohne in reine „Tränendrüsen-Rhetorik“ zu verfallen. Es geht um Authentizität und darum, Mut zu machen.


    Wenn Melanie Steiger nicht gerade Editorials schreibt oder Redaktionssitzungen leitet, findet man sie wahrscheinlich im Freien. Ihr grösstes Hobby ist ihr Pferd, bei dem sie ideal vom journalistischen Alltag abschalten kann. Zudem ist sie eine leidenschaftliche Köchin und Leserin. Besonders regionale Krimis haben es ihr angetan – dort, wo man beim Lesen die Orte und Alpen der Umgebung direkt vor Augen hat.


    Ihre Zukunft lässt sie gerne auf sich zukommen. Die Leitung der LIEWO war für sie ein solcher „Türöffner“, den das Leben bot. Man darf gespannt sein, welche Geschichten sie uns in den kommenden Jahren noch präsentieren wird.

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    15 分
  • Der Erfinder der Panart - Matthias Masu Baumgartner
    2026/04/26

    Man begegnet ihm nicht einfach – man gerät in seinen Strom. Matthias „Masu“ Baumgartner ist kein Künstler im herkömmlichen Sinn, sondern ein Suchender, ein Findender, einer, der das Sichtbare durchdringt, bis es zu sprechen beginnt. Seine Kunst ist kein Produkt, sondern ein Prozess. Ein Geschehen. Ein leises, manchmal wildes Atmen zwischen Farbe, Form und Seele.

    Schon früh zeigte sich diese eigenwillige Verbindung zur Welt der Bilder. Ein Kind, das eine Pietà nachzeichnet – unbeholfen vielleicht, doch getragen von einer inneren Notwendigkeit. Lob war der erste Funke. Doch das Feuer, das daraus entstand, nährte sich aus etwas Tieferem: dem unbedingten Drang, zu gestalten, zu erfahren, zu „tun“.

    Der Begriff „PanArt“ ist mehr als eine Wortschöpfung. Er ist ein Weltbild. „Pan“ – das griechische Wort für alles. „Art“ – die Kunst. Zusammen ein Bekenntnis: Alles ist Kunst. Und jeder Mensch trägt sie in sich.

    Baumgartners Ansatz ist radikal demokratisch. Kunst ist kein Privileg der Begabten, sondern ein Grundzustand des Menschseins. Sie verschwindet nur manchmal – verschüttet durch Zweifel, Kritik oder das Vergessen der eigenen Wahrnehmung. PanArt will nichts lehren im klassischen Sinn. Sie will freilegen.

    Die Technik folgt dabei keiner starren Regel. Im Gegenteil: Das Bild übernimmt. „Nicht du malst das Bild, das Bild malt dich“ – dieser Gedanke zieht sich wie ein leiser Leitfaden durch sein Werk. Strukturen werden gelesen, Formen entdeckt, Figuren entstehen aus dem Untergrund wie Erinnerungen, die sich plötzlich zeigen.

    Im stillen Wald von Frastanz-Bodenwald steht ein Haus, das mehr ist als ein Gebäude. Das „Bilderhaus“ ist ein lebendiger Organismus aus Farbe, Material und Atmosphäre.

    Hier riecht Kunst. Im wörtlichen Sinn. Baumgartner mischt seine Farben selbst – organisch, lebendig, vergänglich. Sie gären, verändern sich, reagieren. Wie das Leben selbst. Kein steriles Atelier, sondern ein Raum, in dem Prozesse stattfinden.

    Wer diesen Ort betritt, spürt schnell: Hier geht es nicht um Perfektion. Hier geht es um Begegnung. Mit sich selbst, mit dem Unbewussten, mit dem, was zwischen den Linien liegt.

    Sein Künstlername ist kein Zufall. „Masu“ – ein Wort, das in verschiedenen Sprachen und Bedeutungen auftaucht. „Es tun“. „Es heiligen“. „Es verehren“.

    Vielleicht beschreibt es genau das, was sein Leben ausmacht: ein unermüdliches Tun, getragen von einer stillen Ehrfurcht vor dem Prozess selbst. Seine Signatur versteckt sich oft im Bild, beinahe scheu, als wolle sie nicht stören. Denn im Zentrum steht nicht der Künstler – sondern das Werk, das sich selbst entfaltet.

    Mit zunehmendem Alter wird der Blick weiter – und zugleich klarer. Baumgartner spricht offen über das Ende, ohne Pathos, ohne Angst. Der Tod ist für ihn kein Gegenpol zum Leben, sondern Teil derselben Bewegung.

    „Ich war von allem die Ursache“, sagt er. Ein Satz, der nicht belastet, sondern befreit. Verantwortung wird hier nicht zur Last, sondern zur Erkenntnis. Das Leben – ein dichtes Geflecht aus Entscheidungen, Begegnungen, Farben.

    Und vielleicht ist genau das der Kern seiner Kunst: eine tiefe Zustimmung zum Dasein.

    Das Bilderhaus ist kein Museum. Es ist ein Erlebnisraum. Wer sich darauf einlässt, verlässt ihn selten unverändert. Es ist ein Ort, an dem man nicht nur Kunst betrachtet, sondern sich selbst ein Stück näherkommt.

    Für Kunstinteressierte, Suchende oder einfach Neugierige ist dieser Ort eine stille Entdeckung – fern von großen Bühnen, aber reich an innerer Weite.

    Name: Matthias „Masu“ Baumgartner
    Geburtsjahr: 1946
    Begriff: Begründer der PanArt („Alles ist Kunst“)
    Wirkungsorte: Vorarlberg, Wien, international (u. a. Belgien)
    Besonderheit: Entwicklung eigener Farbtechniken und intuitiver Malprozesse
    Bilderhaus: Frastanz-Bodenwald – Atelier, Ausstellungs- und Erfahrungsraum
    Künstlername „Masu“: Bedeutungen u. a. „es tun“, „es verehren“
    Werkumfang: Tausende Bilder, über 100 Ausstellungen, internationale Kurstätigkeit


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    41 分
  • Der fussballbegeisterte Anwalt - Serkan Akman
    2026/04/17

    Wer Serkan Akman begegnet, trifft keinen kühlen Paragraphenreiter, sondern einen wachen, zugewandten Geist mit Sinn für Präzision – und Humor. In seiner Kanzlei in Feldkirch, ergänzt durch eine Dependance in Wien, verbindet der 42-jährige Jurist wirtschaftsrechtliche Expertise mit einer klaren Haltung: konsequent, zielgerichtet, menschlich. Und manchmal auch überraschend komisch.

    Der Weg in die Juristerei war bei Akman kein geradliniger Kindheitstraum. Nach der Matura schwankte er zwischen Medizin und Jus – bis ein eher drastisches Erlebnis im Seziersaal die Entscheidung beschleunigte:

    „Das Erste, was ich gemacht habe, war den Nerv zu durchtrennen, den ich nicht durchtrennen durfte. Da wusste ich: Medizin wird schwierig.“

    Was zunächst wie ein Umweg wirkte, entpuppte sich als glücklicher Volltreffer. Das Interesse wuchs mit jedem Semester, die Inhalte lagen ihm – und bald wurde klar: Hier passt alles zusammen. Sprache, Struktur, Strategie.

    Akman gehört nicht zu jenen Juristen, die ihre Motivation mit pathetischen Gerechtigkeitsfloskeln erklären. Sein Zugang ist nüchterner – und gerade deshalb überzeugend.

    Er arbeitet dort, wo wirtschaftliche Interessen, Verantwortung und rechtliche Präzision zusammenkommen. Emotionale Konfliktfelder wie Familien- oder Erbrecht meidet er bewusst. Stattdessen konzentriert er sich auf das, was er „sein Terrain“ nennt: Zivil- und Wirtschaftsrecht.

    Diese Klarheit zeigt sich auch im Umgang mit Mandanten. Wer zu ihm kommt, bekommt keine juristischen Worthülsen, sondern strukturierte Lösungen – und eine ehrliche Einschätzung.

    Seine Kanzlei in der Feldkircher Altstadt spiegelt genau das wider: Individualität statt Standard. Alte Möbel, neu gedacht, zusammengestellt von einem Künstler mit Blick fürs Ganze.

    Akman wollte bewusst keinen austauschbaren Designraum, sondern eine Umgebung mit Geschichte. Das Ergebnis: ein Ort, der nicht geschniegelt wirkt, sondern lebendig – genau wie seine Arbeit.

    Neben Feldkirch ist Wien ein zweiter wichtiger Standort. Die Stadt hat ihn geprägt, und sie lässt ihn nicht los.

    Dazu kommt ein internationaler Blick: Istanbul spielt sowohl privat als auch beruflich eine Rolle. Dort ist Akman unter anderem im Verwaltungsrat einer Versicherung tätig. Die Verbindung zwischen West und Ost, zwischen Okzident und Orient ist für ihn kein Schlagwort, sondern gelebte Realität. Er ist ein Brückenbauer und kennt beide Kulturen und Sprachen gut.

    So ernst der Beruf oft ist – gerade die außergewöhnlichen Momente bleiben hängen. Zwei Fälle zeigen, wie nah Recht und Komik manchmal beieinander liegen.

    Fall 1: Der ehrliche Angeklagte
    Ein junger Mann gesteht zahlreiche Einbrüche und soll mit einer milden Lösung davonkommen – alles läuft perfekt. Reue, Einsicht, Tränen.

    Bis aus dem Zuschauerraum plötzlich die Mutter aufsteht und ruft:
    „Dejan, warum lügst du?“

    Der Moment? Unbezahlbar. Die Stimmung kippt – ins Heitere. Am Ende gibt es trotzdem eine milde Lösung.

    Akman kommentiert trocken:
    „Manchmal entscheidet nicht nur das Gesetz, sondern auch das Timing der Familie.“

    Fall 2: Ausführlich im Podcast anzuhören

    Akman dazu:
    „Ich bin danach ins Auto gestiegen und habe einfach gelacht. Solche Tage retten dir manchmal den ganzen Beruf.“

    Hinter all dem Humor steht jedoch ein klarer Blick auf das Rechtssystem. Akman betont die hohe Qualität der österreichischen Justiz und widerspricht populären Schnellurteilen aus Medien und Öffentlichkeit.

    Neben der Arbeit bleibt Raum für Leidenschaft: Fußball – insbesondere für Fenerbahçe – gehört dazu. Früher war Serkan Akman aktiv, heute als Fan.

    Und vielleicht beschreibt genau das seine Haltung am besten: engagiert, loyal, mit Ausdauer – und immer mit einem gewissen Augenzwinkern.


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    26 分
  • Der talentierte Holzschuhmacher - Christian Diem
    2026/04/10

    Wer die Werkstatt von Hölzlar betritt, merkt schnell: Hier geht es nicht um Massenware. Es riecht nach Holz, nach Leder, nach Handarbeit. Zwischen Maschinen, Formen und Materialien steht ein Handwerker, der sein Metier von Grund auf versteht – und doch nie geplant hatte, Holzschuhe herzustellen.

    Diems Weg beginnt klassisch: ausgebildeter Schreiner, jahrzehntelang im Holzhandwerk tätig, später im Verkauf von Maschinen, Werkzeugen und Materialien. Ein Leben mit Holz – aber nicht unbedingt für Schuhe. Erst ein improvisierter Moment, fast aus der Not geboren, brachte die entscheidende Wende. Ein kaputtes Paar Holzschuhe, eine spontane Idee, erste Versuche – und zunächst auch ein Scheitern.

    Doch genau darin liegt ein Schlüssel zu Diems Geschichte: Er hat nicht aufgehört.

    Der erste Versuch misslang. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Doch statt das Projekt aufzugeben, begann Diem erneut – präziser, geduldiger, mit wachsendem Verständnis für Material und Form. Der Durchbruch kam an einem symbolträchtigen Datum: Ein erstes fertiges Paar entstand an einem 24. Dezember – wie ein persönliches Weihnachtsgeschenk an sich selbst.

    Was als Nebenprojekt begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zur Berufung. Aus Teilzeit wurde Vollzeit, aus Experiment wurde Marke. Heute ist „Hölzlar“ kein Hobby mehr, sondern gelebtes Handwerk.

    Ein Holzschuh von Diem ist kein Produkt – er ist ein Prozess. Ausgangspunkt sind sorgfältig ausgewählte Hölzer: etwa Linde, die sich angenehm an den Körper anpasst, oder Schwarz-Erle, ein traditionelles Sohlenholz mit besonderen Trocknungseigenschaften.

    Darauf folgt ein vielschichtiger Aufbau:

    • präzises Fräsen und Formen
    • das Aufbringen und Verpressen der Sohle
    • mehrlagiges Verleimen des Oberteils
    • Verarbeitung von Leder, Fell oder recycelten Materialien
    • Nähen, Klammern, Lackieren

    Jeder Schritt verlangt Erfahrung, Gefühl und Genauigkeit. Und am Ende steht kein identisches Serienprodukt, sondern ein Unikat.

    Ein zentrales Element von Diems Arbeit ist die Herkunft seiner Materialien. Viele Felle stammen aus der Region – aus dem Bregenzerwald, aus landwirtschaftlichen Betrieben, aus nachhaltiger Nutzung. Besonders wichtig ist ihm dabei ein respektvoller Umgang mit Ressourcen: Häute, die andernorts als Abfall gelten, werden hier zu hochwertigen Produkten verarbeitet.

    Auch Upcycling spielt eine Rolle. Alte Pelzmäntel, ausrangierte Materialien – sie erhalten bei „Hölzlar“ ein zweites Leben. Daraus entstehen oft die auffälligsten und individuellsten Modelle.

    Trotz der Verwurzelung im Handwerk zeigt sich Diem experimentierfreudig. Neben klassischen Modellen entstehen ausgefallene Varianten: bunte Designs, personalisierte Schuhe mit Logos oder sogar ungewöhnliche Formen wie Holz-Flip-Flops – entstanden aus einer spontanen Idee, die sich zu einem echten Hingucker entwickelte.

    Sein Ansatz ist klar: Der Schuh muss funktionieren, Halt geben, tragbar sein – und gleichzeitig Charakter haben.

    Christian Diem wirkt nicht wie ein klassischer Unternehmer, sondern wie ein Tüftler mit Leidenschaft. Seine Arbeit ist geprägt von Pragmatismus, Humor und einem gewissen Eigensinn. Er denkt nicht in Trends, sondern in Lösungen. Nicht in Serien, sondern in Einzelstücken.

    Seine Schuhe sind Ausdruck dieser Haltung: robust, eigenständig, manchmal überraschend – aber immer authentisch.

    In einer Zeit, in der vieles standardisiert ist, steht „Hölzlar“ für das Gegenteil: für Individualität, für das langsame Entstehen, für die sichtbare Handschrift eines Menschen. Christian Diem hat kein klassisches Unternehmen aufgebaut – sondern einen Ort, an dem aus Holz, Fell und Idee etwas Eigenständiges wächst.


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    14 分
  • Der junge Anlagenführer - Noah Lokaj
    2026/03/23

    Noah Lokaj wirkt auf den ersten Blick wie viele andere junge Erwachsene: offen, direkt und voller Energie. Doch hinter der freundlichen, unkomplizierten Art steckt eine bemerkenswerte Entwicklung – vom suchenden Schulabgänger zum zielstrebigen Berufsmann mit klaren Zukunftsplänen.

    Der 19-Jährige aus Eschen hat kürzlich seine dreijährige Lehre als Anlagenführer erfolgreich abgeschlossen und bereits eine Festanstellung gefunden. Ein geradliniger Weg war das allerdings nicht. Ursprünglich wollte Noah in die Informatik einsteigen. Nach 13 Absagen hätte manch anderer aufgegeben – nicht so er. Hartnäckigkeit und die Bereitschaft, neue Wege auszuprobieren, führten ihn schliesslich in die Welt der Produktion.

    Heute arbeitet Noah in einem modernen Industriebetrieb, in dem dentaltechnische Produkte hergestellt werden. Seine Aufgaben sind vielseitiger, als es die Berufsbezeichnung vermuten lässt: Maschinen überwachen, Prozesse steuern, Störungen beheben und dafür sorgen, dass alles reibungslos läuft. Die Anlagen sind hochgradig technisch, teilweise automatisiert – und verlangen dennoch menschliches Gespür. Gerade diese Mischung fasziniert ihn: „Man lernt jeden Tag etwas Neues“, sagt er. Fehler werden zu Herausforderungen, Routine gibt es kaum.

    Auch die Berufsschulzeit in Chur war prägend. Der Unterricht im Blocksystem, neue Menschen und anspruchsvollere Prüfungen forderten ihn – und stärkten gleichzeitig sein Selbstvertrauen. Rückblickend beschreibt Noah diese Jahre als Phase persönlicher Reifung: „Ich bin viel stabiler und selbstbewusster geworden.“

    Wer ihn kennt, weiss: Disziplin und Ehrgeiz zeigt Noah nicht nur im Beruf. Schon in der Schulzeit machte er mit einem aussergewöhnlichen Projekt auf sich aufmerksam – eine Fitnessarbeit, die er eindrucksvoll vor grossem Publikum präsentierte. Der Moment, als er symbolisch sein T-Shirt zerriss, blieb vielen in Erinnerung. Der Spitzname „Hulk von Eschen“ war geboren.

    Sport spielt bis heute eine zentrale Rolle in seinem Leben. Neben Fitness engagiert sich Noah im Fussballverein, früher kamen auch Tennis und Unihockey dazu. Bewegung ist für ihn Ausgleich und Antrieb zugleich.

    Trotz der Zufriedenheit im aktuellen Beruf denkt Noah bereits weiter. Sein Ziel ist klar: der Polizeidienst. Dafür plant er den nächsten Schritt – die Matura. Der Weg dorthin ist anspruchsvoll, mit Aufnahmeverfahren und Ausbildung verbunden. Doch gerade die sportlichen Anforderungen bereiten ihm keine Sorgen. Vielmehr zeigt sich erneut seine realistische Einschätzung der eigenen Stärken und Herausforderungen.

    Was ihn auszeichnet, ist nicht nur Zielstrebigkeit, sondern auch eine reflektierte Haltung. Jungen Menschen rät er, sich Zeit zu nehmen, verschiedene Berufe auszuprobieren und vor allem: dranzubleiben. Seine eigene Geschichte ist der beste Beweis dafür, dass Umwege oft zu den richtigen Zielen führen.

    Noah Lokaj steht am Anfang seines beruflichen Weges – und hat doch bereits vieles erreicht. Mit seiner Mischung aus Bodenständigkeit, Ehrgeiz und Offenheit bringt er beste Voraussetzungen für die Zukunft mit. Vielleicht begegnet man ihm tatsächlich eines Tages in Uniform auf den Strassen Liechtensteins.

    • Name: Noah Lokaj
    • Alter: 19 Jahre
    • Wohnort: Eschen (Liechtenstein)
    • Beruf: Anlagenführer (abgeschlossene Lehre, Festanstellung)
    • Lehrdauer: 3 Jahre
    • Arbeitsbereich: Produktion von dentaltechnischen Produkten
    • Stärken: Durchhaltevermögen, Lernbereitschaft, Teamfähigkeit
    • Sport: Fitness, Fussball (aktiv im Verein), früher Tennis und Unihockey
    • Besonderheit: Auffällige Fitness-Projektarbeit in der Schulzeit („Hulk von Eschen“)
    • Zukunftspläne: Matura absolvieren, anschliessend Ausbildung zum Polizisten
    • Wurzeln: Tschechische Herkunft
    • Lebensmotto: Dranbleiben und verschiedene Wege ausprobieren


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    12 分
  • Der aus Iran geflohene Anwalt - Surena Ettefagh
    2026/03/12

    Wenn Ettefagh von seiner Kindheit spricht, klingt das nicht nach nostalgischer Verklärung, sondern nach einer verlorenen Welt. Er schildert den Iran seiner frühen Jahre als aufstrebendes, modernes Land, als Gesellschaft mit Religionsfreiheit, mit relativer Gleichstellung von Mann und Frau, mit Aufstiegschancen, Bildung und einem starken Blick in die Zukunft. Seine Mutter arbeitete im Landwirtschaftsministerium, er selbst war als Kind in einer Kindertagesstätte untergebracht, die Familie lebte in Teheran in einem urbanen und offenen Umfeld. Besonders eindrücklich ist seine Erinnerung, dass seine Mutter im Minirock zur Arbeit ging und dass er nach seiner Ankunft in Österreich zunächst mehr Kopftücher sah als zuvor in Teheran. Solche Bilder machen deutlich, wie fundamental der Bruch von 1979 in seiner Wahrnehmung gewesen sein muss.

    Ettefagh beschreibt den Iran vor der Revolution nicht bloß als politisches System, sondern als Zivilisation mit einem tiefen historischen Bewusstsein. Immer wieder verweist er auf die lange Kontinuität persischer Kultur, auf Kyros den Großen, auf religiöse Toleranz, auf den Schutz von Minderheiten und auf den Vielvölkercharakter des Landes. Der Iran, so seine Sicht, sei nie nur islamisch gewesen, sondern immer auch persisch, vielsprachig, vielreligiös, kulturell komplex. Gerade deshalb empfindet er das heutige Regime offenbar nicht nur als politische Unterdrückung, sondern als Entfremdung vom eigentlichen Wesen des Landes. In seinen Worten klingt durch, dass die Islamische Republik für ihn nicht die Vollendung iranischer Geschichte ist, sondern deren dramatische Unterbrechung.

    Die Zäsur kam, als Surena Ettefagh zehn Jahre alt war. 1979, im Jahr der Revolution, verließ seine Familie das Land und floh nach Österreich. Seine Schwester war noch im Iran zur Welt gekommen; kurz darauf ging es über Wien weiter nach Vorarlberg, wo die Familie schließlich sesshaft wurde. Dass ausgerechnet das ruhige Vorarlberg zum neuen Lebensmittelpunkt wurde, erscheint fast symbolisch: Nach Revolutionschaos, Unsicherheit und erzwungenem Aufbruch stand am Ende ein Ort der Stabilität. Ettefagh sagt im Gespräch, dass er die österreichische Staatsbürgerschaft mit Stolz trägt. Gleichzeitig bewahrt er seinen alten iranischen Pass mit Löwe und Sonne an einem besonderen Ort auf – als Zeichen dafür, dass Exil zwar die Heimat ersetzen kann, aber nie die Herkunft auslöscht.

    Gerade dieser doppelte Blick macht Ettefagh zu einer interessanten Stimme: Er spricht als Jurist und als Exilösterreicher, aber immer auch als jemand, der den Iran nicht als abstraktes Nachrichtenobjekt, sondern als verlorenes Zuhause versteht. In seiner Erzählung ist die islamische Revolution nicht nur ein Regimewechsel, sondern eine Tragödie für ein ganzes Land. Aus einem Staat, den er als offen, modern und hoffnungsvoll beschreibt, sei binnen kurzer Zeit eine religiös-ideologische Diktatur geworden. Diese Diktatur, so seine Perspektive, habe nicht nur Freiheitsrechte zerstört, sondern auch das kulturelle Gedächtnis des Iran überlagert. Die Gewalt gegen Frauen, gegen Andersdenkende, gegen religiöse Minderheiten und Oppositionelle ist für ihn daher nicht bloß Gegenwartspolitik, sondern Ausdruck eines Systems, das den Menschen ihre Würde und dem Land seine Seele genommen habe.

    Besonders eindringlich wird Ettefagh dort, wo er über die Proteste im Iran spricht. Er zeichnet das Bild einer Bevölkerung, die immer wieder aufsteht, obwohl sie weiß, dass Repression, Folter und Tod drohen. Sein Respekt gilt insbesondere den Frauen, die für Freiheit und Selbstbestimmung auf die Straße gegangen sind. In seinen Schilderungen wird deutlich, dass der Kampf iranischer Frauen für ihn die moralische Mitte des iranischen Widerstands ist. Nicht zufällig verbindet sich darin seine Erinnerung an den freieren Iran seiner Kindheit mit der Hoffnung auf einen künftigen Iran ohne Zwang, Terror und religiöse Herrschaft.



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    36 分
  • Der tauchende Sportmittelschullehrer - Dieter Losert
    2026/03/03

    Wer mit Dieter Losert spricht, merkt rasch: Hier steht keiner, der Schule bloß verwaltet. Hier arbeitet ein Mensch, der Bildung gestalten will – mit Klarheit, Erfahrung und einem ausgeprägten Gespür für Menschen. Losert, Direktor der Sportmittelschule Wolfurt in Vorarlberg, verbindet in seiner Person vieles, was heute selten geworden ist: Pädagogische Bodenhaftung, Führungsstärke, sportliche Leidenschaft und die Bereitschaft, immer wieder Neuland zu betreten.

    Geboren 1969, verheiratet und Vater von vier Kindern, ist Dieter Losert fest im Leben verankert. Vielleicht ist es gerade diese Verbindung aus familiärer Verantwortung und beruflicher Leidenschaft, die seinen Blick auf Schule so glaubwürdig macht. Für ihn ist Schule kein abstraktes System, sondern ein lebendiger Ort, an dem junge Menschen gefördert, gefordert und begleitet werden müssen.

    Sein Weg in den Lehrerberuf war kein Zufall. Die Freude am Sport und der Umgang mit Kindern und Jugendlichen gaben früh die Richtung vor. Nach seiner Ausbildung begann Losert seine Laufbahn in Hard, später führten ihn weitere Stationen an sehr unterschiedliche Schulen – von der sozialpädagogischen Arbeit bis zum Landeszentrum für Hörgeschädigte. Gerade diese Jahre haben ihn geprägt. Sie schärften seinen Blick für jene, die im Schulalltag oft mehr Anstrengung leisten müssen als andere, um überhaupt ähnliche Chancen zu bekommen. Diese Erfahrung wirkt bis heute nach.

    Als Schulleiter kam der nächste große Schritt bewusst. Mit 49, so sagt er selbst, wollte er noch einmal „einen Sprung ins kalte Wasser“ wagen. Aus dem erfahrenen Lehrer wurde ein Direktor, der nicht nur organisiert, sondern entwickelt, hinterfragt und vorangeht. Nach ersten Jahren in der Leitung in Klaus-Weiler-Fraxern führte ihn sein Weg schließlich nach Wolfurt – an die Sportmittelschule, und damit auch in eine Schule, die bestens zu ihm passt. Denn hier treffen Bewegung, Leistung, Gemeinschaft und pädagogischer Anspruch unmittelbar aufeinander.

    Die Sportmittelschule Wolfurt ist für Losert weit mehr als ein Schulstandort. Sie ist ein Ort mit Profil. Sportliche Spitzenleistungen, vielfältige Veranstaltungen, digitale Ausstattung und ein lebendiger Schulalltag prägen das Bild. Losert denkt Schule dabei nicht nostalgisch, sondern entschieden gegenwartsbezogen: Digitalisierung, Medienkompetenz, Künstliche Intelligenz und die veränderten Anforderungen an Schüler gehören für ihn längst zu den zentralen Zukunftsfragen. Gleichzeitig bleibt sein Anspruch ein klassisch pädagogischer: Guter Unterricht muss das Beste aus jedem Schüler herausholen.

    Charakteristisch für Dieter Losert ist, dass er Führung nicht als Distanz, sondern als Verantwortung versteht. Er spricht offen über Lehrermangel, über die Belastungen für Schulen und Gemeinden, über Integration, über Kinder mit besonderen Bedürfnissen und über die Notwendigkeit, rasch und klar zu handeln, wenn Probleme auftreten. Dahinter steht kein Funktionärston, sondern praktische Erfahrung.

    Und doch endet sein Horizont nicht am Schultor. Dieter Losert ist auch Tauchlehrer – und dieses Detail wirkt fast symbolisch. Denn wer taucht, braucht Ruhe, Konzentration, Vertrauen in die eigene Vorbereitung und Respekt vor Kräften, die stärker sind als man selbst. Reisen bedeutet für ihn, den Kopf freizubekommen, neue Perspektiven zu gewinnen und das Eigene besser schätzen zu lernen.

    So entsteht das Bild eines Mannes, der fest in Vorarlberg verwurzelt ist und zugleich offen in die Welt blickt. Eines Schulleiters, der Leistung schätzt, aber den Menschen nie aus dem Blick verliert. Eines Familienvaters, Sportlers und Pädagogen, der Verantwortung nicht scheut, sondern annimmt. Dieter Losert ist damit nicht nur Direktor der Sportmittelschule Wolfurt – er ist auch ein Beispiel dafür, wie Schule heute mit Haltung, Erfahrung und innerer Beweglichkeit geführt werden kann. Und wer in der glücklichen Lage ist, Dieter Losert persönlich zu kennen, der weiß zudem seine Handschlagqualität zu schätzen.


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    18 分
  • Der hinduistische Hobbyfotograf - Michael Benevenuti
    2026/02/26

    Zwischen den Gipfeln des Rätikons, dem Gamperdonatal und dem Nenzinger Himmel lebt ein Mann, der sich nie auf eine Rolle festlegen ließ. Michael Benvenuti, 68 Jahre, Werkzeugmacher, dreifacher Familienvater, Kommunalpolitiker a.D. und leidenschaftlicher Fotograf, ist ein Grenzgänger – zwischen Handwerk und Kunst, zwischen Lokalpolitik und globalem Denken, zwischen christlich geprägter Heimat und hinduistischer Spiritualität.Sein Lebensmittelpunkt ist Nenzing. Seine geistige Heimat ist weiter gefasst.Zur Fotografie kam Benvenuti früh. Ein Jugendfreund besaß eine Kamera – der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Zunächst waren es Familienbilder, Urlaubsaufnahmen im Nenzinger Himmel, später Landschaften von Skitouren, darunter die Wildspitze oder sogar der Mont Blanc. Die Kamera wurde Begleiter auf Bergtouren, Vereinsveranstaltungen und durch alle Lebensphasen.Richtig intensiv widmet er sich der Fotografie seit der Pensionierung. Spiegelreflex, Teleobjektiv, Stativ – professionelle Ausrüstung für eine Passion, die weit über ein Hobby hinausgeht.Er fotografiert nicht spektakulär, sondern aufmerksam. „Seit ich wieder intensiv fotografiere, sehe ich die kleinsten Blumen“, sagt er. Ein Löwenzahn wird bei ihm zum Kunstwerk, weil er ihn nicht achtlos übergeht.Neun Auflagen hat sein Kalender mittlerweile erlebt. Rund 150 Exemplare erscheinen jährlich. Ein fester Kundenstamm wartet bereits im Frühjahr auf die neue Ausgabe.Der Kalender ist in Nenzing direkt bei ihm erhältlich, in der Trafik oder im Gasthaus Gampadon im Nenzinger Himmel – Orte mit Menschen, die für ihn Handschlagqualität verkörpern.Ein Bild mit 20 bis 30 Hirschen im Nenzinger Himmel sorgte im vergangenen Jahr für hitzige Diskussionen. Jagd und Agrargemeinschaft befürchteten, das Foto könne Besucher anlocken und Unruhe ins Wild bringen und hängten es ab.Benvenuti argumentierte aus der Perspektive des Fotografen und Wanderers. Er spricht gern vom „Kuchen und Kuchenstück“: Viele sehen nur einen Ausschnitt – er sieht das Ganze. Juristisch war er im Recht. Am Ende kaufte ein Jäger das Bild – heute hängt es in einer Jagdhütte.Der Konflikt wurde zu einem Lehrstück über Perspektiven, Verantwortung und Dialog.45 Jahre arbeitete Benvenuti im Formenbau, unter anderem für international tätige Unternehmen. Er bewegte sich im Toleranzbereich von wenigen Tausendstelmillimetern.Lego-Spritzgussformen gehörten zu seinen Projekten – mit minimalen Abweichungen von plus/minus drei Tausendstel. Diese Präzision prägte sein Denken. Zwei Hundertstel fühlten sich für ihn wie „ein Berg“ an.Diese handwerkliche Genauigkeit spiegelt sich heute in seinen Fotografien: Komposition, Licht, Detail – nichts ist zufällig.Fast ein Vierteljahrhundert war Benvenuti in der Gemeindepolitik tätig, zunächst in einer großen Partei, später parteilos. 2009 gründete er die Liste „Wir gemeinsam“ und trat bei der Landtagswahl an.Sein zentrales Prinzip: Handschlagqualität. Nicht über andere schimpfen, sondern selbst vorleben.Heute betrachtet er Demokratie kritisch. Er hinterfragt Mehrheitsprinzipien und spricht offen über alternative Modelle. Dabei geht es ihm weniger um Ideologie als um Verantwortung, Integrität und geistige Substanz in der Politik.Benvenuti bezeichnet sich als bekennenden Hinduisten. Für ihn ist Spiritualität keine Randnotiz, sondern Grundverständnis.Er glaubt fest an Reinkarnation. Die Menschheit, sagt er, müsse geistig wachsen. Die Frage nach Gott und Sinn sei zentral – auch wenn sie heute oft belächelt werde. Dass Jesus, der später Christus genannt wurde, über mehrere Jahre in einem Ashram in Indien lernte, ist für ihn logisch nachvollziehbar und erwiesene Tatsache.Diese Haltung erklärt auch seine Skepsis gegenüber Modernisierung im Nenzinger Himmel: 5G, Kläranlagen, zunehmende Technisierung – für ihn Zeichen einer Entwicklung, die das Ursprüngliche verdrängt.

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    47 分