Der aus Iran geflohene Anwalt - Surena Ettefagh
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概要
Wenn Ettefagh von seiner Kindheit spricht, klingt das nicht nach nostalgischer Verklärung, sondern nach einer verlorenen Welt. Er schildert den Iran seiner frühen Jahre als aufstrebendes, modernes Land, als Gesellschaft mit Religionsfreiheit, mit relativer Gleichstellung von Mann und Frau, mit Aufstiegschancen, Bildung und einem starken Blick in die Zukunft. Seine Mutter arbeitete im Landwirtschaftsministerium, er selbst war als Kind in einer Kindertagesstätte untergebracht, die Familie lebte in Teheran in einem urbanen und offenen Umfeld. Besonders eindrücklich ist seine Erinnerung, dass seine Mutter im Minirock zur Arbeit ging und dass er nach seiner Ankunft in Österreich zunächst mehr Kopftücher sah als zuvor in Teheran. Solche Bilder machen deutlich, wie fundamental der Bruch von 1979 in seiner Wahrnehmung gewesen sein muss.
Ettefagh beschreibt den Iran vor der Revolution nicht bloß als politisches System, sondern als Zivilisation mit einem tiefen historischen Bewusstsein. Immer wieder verweist er auf die lange Kontinuität persischer Kultur, auf Kyros den Großen, auf religiöse Toleranz, auf den Schutz von Minderheiten und auf den Vielvölkercharakter des Landes. Der Iran, so seine Sicht, sei nie nur islamisch gewesen, sondern immer auch persisch, vielsprachig, vielreligiös, kulturell komplex. Gerade deshalb empfindet er das heutige Regime offenbar nicht nur als politische Unterdrückung, sondern als Entfremdung vom eigentlichen Wesen des Landes. In seinen Worten klingt durch, dass die Islamische Republik für ihn nicht die Vollendung iranischer Geschichte ist, sondern deren dramatische Unterbrechung.
Die Zäsur kam, als Surena Ettefagh zehn Jahre alt war. 1979, im Jahr der Revolution, verließ seine Familie das Land und floh nach Österreich. Seine Schwester war noch im Iran zur Welt gekommen; kurz darauf ging es über Wien weiter nach Vorarlberg, wo die Familie schließlich sesshaft wurde. Dass ausgerechnet das ruhige Vorarlberg zum neuen Lebensmittelpunkt wurde, erscheint fast symbolisch: Nach Revolutionschaos, Unsicherheit und erzwungenem Aufbruch stand am Ende ein Ort der Stabilität. Ettefagh sagt im Gespräch, dass er die österreichische Staatsbürgerschaft mit Stolz trägt. Gleichzeitig bewahrt er seinen alten iranischen Pass mit Löwe und Sonne an einem besonderen Ort auf – als Zeichen dafür, dass Exil zwar die Heimat ersetzen kann, aber nie die Herkunft auslöscht.
Gerade dieser doppelte Blick macht Ettefagh zu einer interessanten Stimme: Er spricht als Jurist und als Exilösterreicher, aber immer auch als jemand, der den Iran nicht als abstraktes Nachrichtenobjekt, sondern als verlorenes Zuhause versteht. In seiner Erzählung ist die islamische Revolution nicht nur ein Regimewechsel, sondern eine Tragödie für ein ganzes Land. Aus einem Staat, den er als offen, modern und hoffnungsvoll beschreibt, sei binnen kurzer Zeit eine religiös-ideologische Diktatur geworden. Diese Diktatur, so seine Perspektive, habe nicht nur Freiheitsrechte zerstört, sondern auch das kulturelle Gedächtnis des Iran überlagert. Die Gewalt gegen Frauen, gegen Andersdenkende, gegen religiöse Minderheiten und Oppositionelle ist für ihn daher nicht bloß Gegenwartspolitik, sondern Ausdruck eines Systems, das den Menschen ihre Würde und dem Land seine Seele genommen habe.
Besonders eindringlich wird Ettefagh dort, wo er über die Proteste im Iran spricht. Er zeichnet das Bild einer Bevölkerung, die immer wieder aufsteht, obwohl sie weiß, dass Repression, Folter und Tod drohen. Sein Respekt gilt insbesondere den Frauen, die für Freiheit und Selbstbestimmung auf die Straße gegangen sind. In seinen Schilderungen wird deutlich, dass der Kampf iranischer Frauen für ihn die moralische Mitte des iranischen Widerstands ist. Nicht zufällig verbindet sich darin seine Erinnerung an den freieren Iran seiner Kindheit mit der Hoffnung auf einen künftigen Iran ohne Zwang, Terror und religiöse Herrschaft.