エピソード

  • "Blauer Kohlenstoff" – Eckard Christiani im Gespräch mit Bernhard Kegel
    2026/09/01

    Zukunftsgespräche #8 — Bernhard Kegel: Die Nächte waren still

    Bernhard Kegel ist promovierter Biologe, Romancier und Jazzgitarrist. Er war ökologischer Gutachter, bevor er anfing, Bücher zu schreiben, in denen Wissenschaft und Erzählung zusammenkommen. Sein jüngstes heißt „Rettung durch schnelle Evolution" und ist im Juni bei DuMont erschienen.

    Wenn wir an Kohlenstoff denken, denken wir an Bäume. Ein schönes Bild, das in die Irre führt. Ein Baum leiht sich den Kohlenstoff nur: Irgendwann stirbt er, verrottet, und alles ist wieder in der Luft. Ein Nullsummenspiel. Die Speicher, die wirklich halten, liegen im Nassen.

    Kegel nennt sie den blauen Kohlenstoff — Mangroven, Seegraswiesen, Makroalgenwälder und Salzwiesen. Manche dieser Seegraswiesen sind viele tausend Jahre alt. Sie stehen kaum unter Schutz, vermutlich weil sie fern der politischen und ökonomischen Zentren liegen. Und sie verschwinden: Seegras mit etwa sieben Prozent im Jahr.

    Moore bedecken drei Prozent der Weltoberfläche. Sie speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Welt zusammen. In Deutschland sind über neunzig Prozent von ihnen trockengelegt, und diese trockenen Moore sind CO₂-Schleudern — sie verursachen fast sieben Prozent unserer Treibhausgase, in Mecklenburg-Vorpommern dreißig Prozent der Landesemissionen. Kegels Schluss: Wir werden unsere Klimaziele niemals erreichen, wenn wir nicht an die Moore rangehen.

    Was zu tun wäre, beschreibt er in drei Schritten: Gräben zuschütten, Wehre schließen. Zweitens eine Alternative für die Bauern, denn entschädigen kann sich das nicht einmal die Bundesrepublik leisten — es gibt zu viele Moore. Also muss man lernen, mit dem nassen Moor zu wirtschaften. Drittens braucht es eine Industrie, die abnimmt, was dort wächst. Und die gibt es seit 2024, weitgehend unbemerkt: Baumärkte, Bauunternehmen, Papiermühlen und Versandhändler haben sich zur Allianz der Pioniere zusammengeschlossen. Der Otto-Versand deckt inzwischen zwanzig Prozent seines Verpackungsmaterials aus dieser Paludi-Biomasse.

    Im zweiten Teil geht es um eine Kraft, die in keiner Rechnung steht. Auf Hawaii wurden die Nächte still. Die Grillen zirpten nicht mehr — und waren doch nicht ausgestorben. Eine eingewanderte Fliege orientiert sich akustisch und findet ihre Wirte am Gesang der Männchen. Die Antwort der Evolution: eine Mutation, die die Strukturen zum Zirpen verschwinden ließ. Die Männchen rieben weiter die Flügel aneinander, nur war nichts mehr zu hören. Wie sie sich trotzdem fortpflanzten, ist die eigentliche Pointe der Geschichte. Das Ganze dauerte drei bis fünf Jahre und geschah auf mehreren Inseln unabhängig voneinander. Und die Entwicklung ging weiter: Inzwischen gibt es Männchen, die schnurren wie Katzen, die rasseln, die mit den Vorderbeinen trommeln.

    Dazu: die Elefanten in Mosambik, denen die Stoßzähne abhandenkommen, weil ein Bürgerkrieg über Elfenbein finanziert wurde — und warum dieser Vorteil teuer erkauft ist. Warum Arten polwärts wandern, in Großbritannien schon bis zu sechzig Kilometer. Und warum wir diesen Wandel zulassen müssen, statt ihn zu bekämpfen.

    Kegel ist optimistischer als die meisten seiner Kollegen, und er sagt auch, warum: Weil wir die Evolution als rettenden Faktor bisher gar nicht auf der Rechnung hatten und sie überall präsent ist, wo man genauer hinschaut. Was sie nicht leistet, sagt er ebenso klar. Die Natur wird das für uns nicht regeln. Wir müssen unsere Emissionen auf netto null bringen und darüber hinaus CO₂ aus der Atmosphäre zurückholen.

    Sein Fazit: Um die Natur müssen wir uns keine Sorgen machen. Höchstens um die Natur, die wir kennen. Sorgen machen müssen wir uns um uns selbst.

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    40 分
  • "Die Handbremse lösen" – Prof. Dr. Stephan Rammler im Gespräch mit Heinrich Strößenreuther
    2026/08/27

    Zukunftsgespräche #7 — Heinrich Strößenreuther: Die Handbremse lösen

    Heinrich Strößenreuther ist Umwelt- und Verkehrsaktivist, Politikberater und Fellow unserer Stiftung. Die Zeit nannte ihn den Verkehrsrebell im schwarzen Anzug, die taz den erfolgreichsten Verkehrslobbyisten Deutschlands. Seine Methode sieht jedes Mal gleich aus: Bürgerbewegung, Volksentscheid, Gesetz.

    In diesem Gespräch mit Prof. Dr. Stephan Rammler geht es um die Frage, ob Aktivismus etwas ausrichtet.

    Der Einstieg ist ein Zusammenbruch. Ein Mittwochmorgen im März 2023: Der Volksentscheid „Berlin 2030 klimaneutral" ist am Quorum gescheitert, der Weltklimarat hat seinen Bericht vorgelegt, der Koalitionsausschuss entkernt das Klimaschutzgesetz. Strößenreuther sitzt heulend auf dem Sofa. „Ich habe alles probiert. Mir fällt gerade nichts mehr ein. Also: gib auf."

    Er hat nicht aufgegeben. Zweieinhalb Jahre später trat in Berlin Deutschlands erstes kommunales Klimaanpassungsgesetz in Kraft — aus einer Initiative, die er mitgegründet hat.

    Dann wischt er unsere Ausgangsfrage weg. Wir wollten über Aktivismus im Angesicht der Multikrise sprechen. „Krise ist mit Sicherheit das falsche Wort", sagt er — eine Krise gehe vorüber, diese Lage nicht. Und noch ein Hieb hinterher: Außerhalb der akademischen Szene seien die Leute oft „total entspannt und gechillt", das Krisengefühl in Teilen eine Blasenwahrnehmung. Gesagt gegenüber einem Zukunftsforscher, im Podcast einer Stiftung, die von genau dieser Diagnose ausgeht.

    Danach wird es handwerklich. 2013 stellt er eine App online, mit der Bürger Falschparker melden können — die Empörung war der Zweck: „Der zentrale Konflikt der Verkehrsdiskussion ist der Flächenkonflikt. Also muss man ihn mit politischer Energie bespielen." 2015 dann der Volksentscheid Fahrrad. Zwischen Weihnachten und Neujahr googelt er, wie man Gesetze schreibt, und findet fast nichts. Nötig waren 20.000 Unterschriften in sechs Monaten. Es wurden 100.000 in dreieinhalb Wochen. Daraus wurde 2018 das Berliner Mobilitätsgesetz, das erste seiner Art in Deutschland, und bundesweit die Vorlage für über fünfzig Radentscheide.

    Der zweite Erfolg heißt BaumEntscheid. Auslöser war Trotz: Der neue Senat wollte das Mobilitätsgesetz schreddern, in das er zwei Jahre ehrenamtlicher Arbeit gesteckt hatte. „Ich kann es euch zeigen. Und zwar diesmal mit Bäumen." Im November 2025 nahm das Abgeordnetenhaus das Gesetz ohne Gegenstimme an: eine Million Straßenbäume, tausend Miniparks, zwei Grad Kühlung in 170 Hitzevierteln, 3,2 Milliarden Euro bis 2040.

    Aber warum schleppt die Umsetzung? Er antwortet nicht mit Bürokratiekritik: „Es liegt gar nicht an der Verwaltung. Es liegt an Leadership." In zwei Bezirken habe es plötzlich funktioniert, weil dort engagierte Stadträte saßen.

    Am schärfsten wird es beim Wasser. In der Lausitz endet der Braunkohleabbau, die Gruben werden nicht mehr leergepumpt, das Wasser verdunstet in neuen Seen statt nach Berlin zu fließen. Gleichzeitig werden in den wohlhabenden Bezirken Pools gebaut. Die Bild-Zeitung hat dafür schon eine Überschrift gefunden: Kommt jetzt die Wasserstasi? Seine Antwort: „Hoffentlich kommt die Wasserstasi. Danke, Bild-Zeitung, dass ihr die Frage stellt. Ja, die muss kommen."

    Dazu: warum er 2021 als Klimaaktivist in die CDU eintrat und drei Jahre später wieder austrat — die Austrittsurkunde warf er am ersten Weihnachtstag ein, seinem Geburtstag. Warum er trotzdem allen empfiehlt, in Parteien einzutreten. Warum es neben den positiven Erzählungen die Wut braucht. Und warum er am Ende optimistisch ist: „Eigentlich müssen wir gerade noch die Handbremse lösen, und wir kriegen dieses Ding in den Griff."

    Das Gespräch führte Stephan Rammler.

    Mehr dazu lesen: Der ausführliche Beitrag erscheint im November in bn #3 – The Human Future Magazine. Bestellungen und Abos über christiani@beyondnew.org

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    59 分
  • "Ein Schrei nach Liebe" – Eckard Christiani im Gespräch mit Eva Ladipo
    2026/08/21

    Zukunftsgespräche #6 — Eva Ladipo: Ein Schrei nach Liebe

    Eva Ladipo ist Journalistin und Autorin. Sie hat für die Frankfurter Allgemeine, die Financial Times und die Welt geschrieben, Anfang der 2000er Vanity Fair in Deutschland aufgebaut und zwei Romane veröffentlicht. In diesem Jahr ist bei Reclam ihr Essay „Not am Mann. Die Erfindung toxischer Männlichkeit" erschienen.

    Ihre These erklärt den Rechtsruck nicht mit Ideologie, sondern mit einem Gefühl: mit Wut. Sie hält es dabei mit Karl Marx — das Sein bestimmt das Bewusstsein. Wer wissen will, woher die Wut kommt, muss die materiellen Umstände ansehen.

    „Wir bekommen die Wut nicht in den Griff, wenn wir sie für eine reine toxische Emotion halten und den Wütenden vorwerfen, sie seien toxisch", sagt Ladipo. Genau das schüre sie weiter.

    Was hat sich seit den siebziger Jahren verändert? Damals konnte ein Mann Anfang zwanzig mit einem handwerklichen Beruf eine Familie gründen und für sie Wohnraum finanzieren. Diese Tür ist zu. Die Einkommen sind gesunken, die Arbeitsplätze ausgelagert, die Gewerkschaften nur noch ein Schatten ihrer selbst. Gleichzeitig — und Ladipo begrüßt das ausdrücklich — sind Frauen nicht mehr auf Männer angewiesen. Beides zusammen ergibt eine Gruppe, die sie Double Losers nennt: Männer, die Einkommen, Ansehen und Partnerschaft verloren haben. Ungewollt einsam, ungewollt kinderlos. Soziale Unfruchtbarkeit.

    Dazu kommen die Stubenhocker. Die Zahl der jungen Leute, die in den Zwanzigern noch bei den Eltern wohnen, wächst stetig — gewollt ist das von niemandem.

    Ungewöhnlich ist, dass Ladipo von links argumentiert — und die Linke hart angeht. Ob der Abstieg der Arbeiterschaft der Sündenfall der Sozialdemokratie war, beantwortet sie mit einem "emphatischen Ja". New Labour, Clinton, Schröder: eine Generation, die auf das neoliberale Modell aufsprang und ihre Klientel aus dem Blick verlor. Ein zweiter Sündenfall folgte nach der Finanzkrise, als die Linke auf Identitätspolitik auswich — weil sie auf die Forderungen ihrer Kernklientel keine Antworten mehr hatte.

    Auch die Frauen der Rechten kommen vor. Meloni, Le Pen, Weidel nennt Ladipo "das Backpulver": Man braucht wenig davon, aber ohne geht der Kuchen nicht auf. Ohne sie wären extreme Positionen nie salonfähig geworden. Zugleich ziehen sich Frauen aus der Politik zurück, weil sie härter angegangen werden — nach Jahrzehnten des Anstiegs sinkt ihre Beteiligung in den Parlamenten der westlichen Welt wieder.

    Aus einem Artikel im Feuilleton der FAZ ist das Buch überhaupt erst entstanden: „Sag mir, wo die Kerle sind." Wo sind die Beatles, Johnny Cash, Sean Connery, Götz George? Selbst Rocky gilt heute als problematisch, und Ken muss im Barbie-Film für seine Männlichkeit büßen. Wenn die Kultur keine Helden mehr anbietet, wandern die Jungs ab — in die Manosphäre, wo Anleitungen warten, die tausendmal toxischer sind als alles, was man Rocky je vorwerfen konnte.

    Bemerkenswert ist die Geschichte des Begriffs selbst. Toxische Männlichkeit stammt aus der mythopoetischen Bewegung der achtziger Jahre, aus Selbsthilfegruppen traumatisierter Veteranen — gedacht als medizinischer Begriff, denn mit einer Diagnose kommt die Hoffnung auf Heilung. Dann verschwand er, bis MeToo ihn 2016 zurückholte.

    Dazu: was künstliche Intelligenz mit dieser Diagnose macht, wenn erstmals auch die Kopfarbeit wegfällt. Warum Umverteilung für Ladipo zu den dringendsten Fragen gehört. Und warum sie am Ende ihres Essays „mehr Testosteron wagen" fordert — was sie damit meint, und was nicht.

    Einig geworden sind wir uns nicht in allem. Bei der Frage, ob die Zukunft weiblich ist, gehen unsere Auffassungen auseinander.

    Ihr Fazit ist bescheiden und groß zugleich: „Wir übersehen da was. Guckt da mal genauer hin."

    Ihr Essay „Not am Mann" ist bei Reclam erschienen.

    Mehr davon lesen: bn – The Human Future Magazine, Ausgabe #2. Bestellungen und Abos über bn@beyondnew.org

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    47 分
  • "Das stille Sterben" – Eckard Christiani im Gespräch mit Matthias Glaubrecht
    2026/08/14

    Zukunftsgespräche #5 — Matthias Glaubrecht: Das stille Sterben

    Matthias Glaubrecht ist Evolutionsbiologe, Professor für Biodiversität der Tiere an der Universität Hamburg und wissenschaftlicher Leiter des Evolutioneums, des künftigen Naturkundemuseums in Hamburg. Aufgenommen haben wir das Gespräch dort, wo das Museum entstehen soll.

    Sein letztes Buch beginnt am Fuß des Vesuvs. Millionen Menschen leben dort am Rand eines Supervulkans — und wenn zur Evakuierungsübung gerufen wird, fahren sie lieber ans Meer. Genau das, sagt Glaubrecht, tun wir alle gerade.

    Über den Klimawandel spricht inzwischen die halbe Welt. Über das Artensterben kaum jemand, obwohl es unsere Lebensgrundlagen unmittelbarer bedroht: Böden, Wasser, die Flächen, von denen wir uns ernähren. Der Grund ist das Vorsorge-Paradoxon. Solange man morgens gesund aufwacht, denkt man schließlich auch nicht über Gesundheit nach.

    Dazu kommt: Wir schauen auf die falschen Tiere. Sein Bild ist eine Hängebrücke — jede Art ein Drahtseil, aus Drahtseilen werden Taue, aus Tauen Trossen, an den Trossen hängt die Brücke. Keinen Ingenieur würde man fragen, wie viele Seile er entbehren kann. Entscheidend sind nicht die charismatischen Großtiere, sondern die Organismen im Boden und in den Gewässern. Zwei Drittel bis drei Viertel der Biomasse haben wir verloren. "Wenn Ihnen jemand vorrechnet, dass siebzig Prozent Ihres Kapitals verschwunden sind, jagen Sie den Bankberater in die Wüste. Wir tun nichts", sagt Glaubrecht.

    Ungewöhnlich ist, wo Glaubrecht widerspricht. Von Kipppunkten hält er wenig. Sie erzeugen die falsche Vorstellung, lange passiere nichts und dann komme die Katastrophe. In der Biologie kippt nichts. Ein gefällter Wald wächst wieder. Das Problem ist der schleichende Schwund. Ein Arzt beschäftigt sich schließlich auch nicht mit dem Tod, sondern mit der Krankheit.

    Dann geht es um Flächen: um das 30-mal-30-Ziel von Kunming-Montreal, um E. O. Wilsons Half Earth, um die Erkenntnis, dass zehn Prozent geschützte Restfläche nichts wert sind, wenn sie zerstückelt sind. Und um Orte, an denen es gelingt — Galapagos, wo jeder Besucher zum Finanzier des Schutzes wird. Die Döberitzer Heide, wo eine Stiftung Wisente zurückgeholt hat.

    Am konkretesten wird es bei den Giften. Gebeiztes Saatgut ist eine "geniale Idee" — aber es bleiben nur fünf Prozent des Wirkstoffs in der Pflanze. Fünfundneunzig Prozent werden ausgewaschen, in Böden und Gewässer, genau dorthin, wo die Larven jener Insekten heranwachsen, die wir als Bestäuber brauchen. "Wir sind eine Tierart, die die Nahrung, die sie isst, vorher vergiftet", urteilt Glaubrecht. Dass es anders geht, zeigen Studien: Blühstreifen locken räuberische Insekten an, die Blattläuse so wirksam bekämpfen wie jedes Nervengift. Es kostet Fläche. Also müssen Landwirte kompensiert werden, und wir müssen lernen, dass unsere Nahrung wieder etwas wert ist.

    Dazu: warum wir Bionauten brauchen statt Astronauten. Warum Milliarden in Teleskope fließen, aber nicht einmal eine Doktorandenstelle in die Biodiversitätsforschung.

    Das Ermutigende kommt zum Schluss. Anders als beim CO₂ ist Biodiversität lokal. Wir müssen nicht warten, bis in China der Panda geschützt wird. Es geht um die Wildkatze, den Wolf, den eigenen Garten, die eigene Gemeinde.

    Am Ende blickt Glaubrecht aus dem Jahr 2062 zurück — zwei Szenarien, die er formulierte, als er Vater wurde. Der Untergang: Wir machen weiter wie bisher. Die Rettung: Wir lernen anders zu wirtschaften, so wie wir schon einmal gelernt haben, dass Sklaverei kein Geschäftsmodell ist. Er hält die Rettung für möglich.

    Sein Buch „Das stille Sterben der Natur" ist bei C. Bertelsmann erschienen.

    Mehr davon lesen: bn – The Human Future Magazine, Ausgabe #2 erscheint im August. Bestellungen und Abos über bn@beyondnew.org

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    1 時間 1 分
  • "Resilienz für die Vielen" – Dirk Meyer im Gespräch mit Svenja Schulze
    2026/08/08

    Zukunftsgespräche #4 — Svenja Schulze: Resilienz für die Vielen

    Svenja Schulze war Bundesumweltministerin und Bundesentwicklungsministerin, davor Wissenschaftsministerin in Nordrhein-Westfalen. Heute sitzt sie für Münster im Bundestag und ist als Haushälterin für die Wissenschaft zuständig. Sie kennt die Transformationspolitik also von innen — inklusive der Stellen, an denen sie gescheitert ist.

    In diesem Gespräch mit unserem Fellow Dirk Meyer geht es um eine unbequeme Frage: Wie geriet ein Projekt, das breite Zustimmung fand, in eine Legitimationskrise?

    Schulzes Antwort ist selbstkritisch. Man habe sich gigantische Ziele gesetzt und die Wege dorthin nicht beschrieben. Der Druck kam von links — zu klein, zu spät, ein Klimapäckchen — und über die Frage, wie die Ziele eigentlich zu erreichen sind, wurde kaum gesprochen. Im Alltag merkten die Leute den Widerspruch: Die Wärmepumpe ist ein ideologischer Streitfall, guten Nahverkehr gibt es nur in großen Städten, sanierter Wohnraum ist zu teuer. Und in der Industrie steht man in internationaler Konkurrenz. Wo Ziel, Wirklichkeit und Weg auseinanderfallen, hat es leicht, wer die Ziele lächerlich machen will. Dazu kommt ein zweiter Fehler: Die Geschichte wurde moralisch erzählt, kaum je ökonomisch. Dass an Green Tech Arbeitsplätze hängen, wurde nie zum Mainstream der Debatte. Heute investiert China massiv in genau diese Technologien, und unter den besten Universitäten der Welt taucht Deutschland erst um Platz fünfzig auf.

    Der zweite Teil des Gesprächs dreht sich um das, was ohnehin kommt. Nach zwei Wochen gebrochener Juni-Rekorde ist Klimaanpassung keine Fußnote mehr. Schulze erzählt von einem Science-Fiction-Roman, in dem die Reichen der Welt im Alleingang mit Geoengineering beginnen — Venedig und die Niederlande werden gerettet, Indien geht unter, die Immobilienwerte bleiben stabil. Dirk Meyer hält dagegen: Die Wirklichkeit ist schlimmer, das steht längst in den Manifesten der Tech-Milliardäre, die Inselgruppen suchen und staatenfreie Zonen planen. Damit wird Resilienz zu einer Frage, die man rechts oder links beantworten kann. Für die Wenigen sind die Lösungen gefunden. Es geht um die Vielen.

    Was das konkret heißt, ist überraschend unspektakulär: Altenheime und Kliniken umbauen, Schatten, Trinkbrunnen — wobei sich die Mineralwasserindustrie bis heute über kostenloses Wasser in den Städten beschwert. Kommunen müssen heute Wärmeplanungen vorlegen; wir werden Kälteplanungen brauchen. München hat damit angefangen. Das kostet Geld, und deshalb, sagt Schulze, muss die Schuldenbremse wieder auf den Tisch. Die schwäbische Hausfrau mit dem Loch im Dach wartet schließlich auch nicht, bis der Keller vollgelaufen ist.

    Dazu: warum Bündnisse künftig kleiner geschnitten werden müssen — „die Wirtschaft" gibt es nicht. Warum der ländliche Raum nicht der AfD überlassen werden darf, wenn dort die letzte Apotheke schließt. Warum Politik wieder männlich geworden ist und in Koalitionsrunden höchstens eine Frau mitverhandelt. Und was es bedeuten würde, wenn die AfD ein Wissenschaftsministerium bekäme — Schulze verteilt inzwischen großflächig deren Streichungsanträge im Bundestag.

    Ihr Fazit: Aufhören zu jammern. Beschreiben, wo wir hinwollen. Und die Utopie so konkret machen, dass sie das Leben der Menschen tatsächlich besser macht.

    Das Gespräch entstand für das Buch „Wie wir morgen wirtschaften wollen", das Ende des Jahres in der morgen-Reihe im beyond new Verlag erscheint — ein Projekt des beyond economy lab.

    Mehr davon lesen: bn – The Human Future Magazine, Ausgabe #2 erscheint Mitte August. Bestellungen und Abos über bn@beyondnew.org.

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    59 分
  • "35 geschenkte Minuten" – Eckard Christiani im Gespräch mit Peter Spiegel
    2026/07/23

    Zukunftsgespräche #3 — Peter Spiegel: 35 geschenkte Minuten

    Peter Spiegel ist Zukunftsforscher, Sozialunternehmer und einer der hartnäckigsten Vordenker der Future Skills in Deutschland. Seit Jahren argumentiert er gegen eine Selbstverständlichkeit, an die sich alle gewöhnt haben: dass Bildung vor allem Wissensvermittlung sei.

    In diesem Gespräch mit Eckard Christiani geht es um eine Frage, die fast alle betrifft: Warum lernen wir so viel — und fühlen uns trotzdem so schlecht vorbereitet auf die Zukunft?

    Spiegels Diagnose ist eindeutig. Das Wissen der Welt verdoppelt sich immer schneller; ein Bildungssystem, das darauf mit noch mehr Pauken antwortet, kann nicht mehr aufgehen. Was fehlt, sind die zutiefst menschlichen Fähigkeiten: Vorstellungskraft, Empathie, Teamfähigkeit, Resilienz. Die Schlüsselkompetenz aller großen Erfinder und Entdecker war nicht ihr Wissen, sondern ihr Mut, sich etwas zu wünschen und es für möglich zu halten. Dazu gehört das Scheitern — Edison brauchte angeblich über tausend Versuche. In unseren Schulen aber, sagt Spiegel, ist Scheitern die Todsünde.

    Dann macht er eine Rechnung auf, die im Kopf bleibt. Salman Khan erklärt in seinen Zehn-Minuten-Videos nachweislich mehr, als in einer 45-Minuten-Schulstunde ankommt. 13.000 solcher Lektionen gibt es inzwischen, ein fast vollständiges Curriculum. Das heißt: Khan schenkt jeder Unterrichtsstunde 35 freie Minuten. Und die Frage ist nicht, ob das funktioniert, sondern was Lehrkräfte mit dieser geschenkten Zeit anfangen — als Lernbegleiter, in Fünferteams, an selbstgewählten Projekten. Weltweit sind 168 Millionen Menschen bei der Khan Academy eingeschrieben. In Deutschland, schätzt Spiegel, sind es 22.000. In China müssen künftig alle Studierenden aller Fächer Design Thinking lernen. Sein Kommentar: Gute Nacht, Deutschland.

    Das Gespräch bleibt aber nicht bei der Schule. Es geht um Generationengerechtigkeit und darum, warum Kinder und Jugendliche aus der Außenseiterposition ins Zentrum gehören — bis hin zu einer Initiative, die alle Kinder der Welt für den Friedensnobelpreis nominiert hat. Um soziale Medien als Ort, an dem aus persönlichem Hass Massenhass wird, mit tödlichen Folgen bis in die Klassenzimmer. Um die Frage, warum sich alles globalisiert hat außer der Politik, und was passieren müsste, damit die großen Digitalkonzerne weder verstaatlicht noch privatisiert werden, sondern uns allen gehören.

    Am Ende formuliert Spiegel vier Wertsprünge, die er für überfällig hält: Der Mensch ist nicht länger Kreatur im Überlebenskampf, sondern Co-Kreator des Planeten. Die Natur ist kein Objekt der Ausbeutung, sondern ein unendlicher Speicher gewachsener Lösungen — die Lotusblüte, die sich nicht beschmutzen lässt, ist ein Milliardenpotenzial. Identität endet nicht an der Landesgrenze. Und Hass ist keine Meinung.

    Ludwig Erhard versprach einst Wohlstand für alle. Spiegel sagt: Heute geht es um Wohlergehen für alle.

    Die Kompetenzen, die wir brauchen, sind lernbar. Nur haben wir bisher keine Zeit dafür gelassen.

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    1 時間 4 分
  • "Zieht euch warm an, es wird noch heißer" – Prof. Dr. Stephan Rammler im Gespräch mit Sven Plöger
    2026/06/24

    Zukunftsgespräche #2 — Sven Plöger: Zieht euch warm an, es wird noch heißer

    Sven Plöger ist einer der bekanntesten Meteorologen Deutschlands — und einer der wenigen, der über den Klimawandel so spricht, dass man zuhören will. Nicht als Aktivist, nicht als Moralprediger, sondern als jemand, der komplexe Physik in Geschichten übersetzt, die im Kopf bleiben.

    In diesem Gespräch mit Prof. Dr. Stephan Rammler geht es um die große Frage unserer Zeit: Wie reden wir eigentlich über die Erderwärmung — und warum scheitern wir dabei so oft?

    Plöger erklärt, warum uns der Säbelzahntiger in die Quere kommt: Unser evolutionär eingebauter Hang zum Negativen macht es schwer, eine Bedrohung ernst zu nehmen, die langsam kommt, weit entfernt wirkt und über Generationen reicht. Und er erklärt, warum Apokalypse und Dystopie als Kommunikationsstrategie nicht funktionieren — wer keinen Ausweg sieht, hört auf zu handeln.

    Stattdessen macht Plöger einen faszinierenden gedanklichen Schritt rückwärts: Am Ende der letzten Eiszeit war es auf der Erde genau 3 bis 4 Grad kälter als heute. Berlin lag unter hunderten Metern Eis. Skandinavien unter zwei bis drei Kilometern. New York unter eineinhalb Kilometern. Das ist eine 3 bis 4 Grad kältere Welt. Also ist eine 3 bis 4 Grad wärmere Welt — in die wir gerade steuern — genauso grundlegend anders. Nur diesmal in die andere Richtung. Und hundertmal schneller als damals.

    Das Gespräch dreht sich aber nicht nur um Fakten. Es geht um die Frage, ob wir ins Jahrhundert der Klimaanpassung eingetreten sind — und was das bedeutet, wenn wir gleichzeitig die Ursachen nicht aus dem Blick verlieren dürfen. Um Kipppunkte, Ozeane, Meeresströmungen und die erschreckende Erkenntnis, dass 93 Prozent der überschüssigen Energie, die wir ins Klimasystem eingebracht haben, im Wasser stecken. Um Dick Cheney, der das Wort „Klimawandel" erfunden hat — und warum Plöger findet, dass es trotzdem das richtige Wort ist. Und um die Frage, was passiert, wenn eine hochkomplexe Zivilisation mit 8 Milliarden Menschen sich auf einer Erde zurechtfinden muss, die sich schneller verändert als je zuvor in der Menschheitsgeschichte.

    Plöger ist kein Pessimist. Aber er ist auch kein Schönredner. Er ist jemand, der findet: Wir haben kein Wissensproblem. Wir haben ein Handlungsproblem. Und diesen Unterschied zu verstehen — das ist der erste Schritt.

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    1 時間 6 分
  • beyond new – Zukunftsgespräche – Pilotfolge
    2026/02/10

    Wofür steht beyond new – The Human Future Foundation? Wir nehmen dich mit an den Anfang: Warum die großen Krisen nicht getrennt lösbar sind – und warum wir statt Daueralarm Orientierung, Zukunftsbilder und Umsetzungskraft brauchen.

    Du erfährst von Eckard Christiani und Prof. Dr. Stephan Rammler, mit welchen vier Arbeitsschwerpunkten wir starten (beyond climate change, beyond economy, beyond trauma, beyond future literacy), wie daraus Podcast, Magazin, Plattform und Werkstätten entstehen – und warum unser Crowdfunding der erste reale Schritt ist.

    Diese Episode ist unser Startsignal: beyond new entsteht aus einer einfachen Beobachtung – dass wir zwar mehr wissen als je zuvor, aber oft weniger umsetzen als nötig. Und dass „Zukunft“ zu häufig als Angstfläche benutzt wird, statt als Werkzeug für bessere Entscheidungen.
    Wir sprechen darüber, was Future Literacy bedeutet (Zukunftsbilder bewusst nutzen), warum Resilienz mehr ist als „durchhalten“, und weshalb wir im Post-Anthropozän lernen müssen, innerhalb planetarer Grenzen politisch, wirtschaftlich und kulturell neu zu handeln.
    Außerdem stellen wir die vier Themenpakete vor, mit denen wir jetzt loslegen: Klima & Natur, neue Ökonomie, Trauma/Resilienz, Future Literacy. Daraus finanzieren wir die ersten Werkstätten, Inhalte und Formate – damit aus Gedanken Projekte werden.
    Wenn dich das trifft: Unterstütze unser Crowdfunding, teile diese Pilotfolge und werde Teil einer Community, die Zukunft nicht delegiert.


    Link fürs Crowdfunding: www.beyondnew.org/kampagne


    Future Literacy, Resilienz, Klimatransformation, KI, Bildung, Demokratie, neue Ökonomie, Post-Anthropozän


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    37 分