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"Resilienz für die Vielen" – Dirk Meyer im Gespräch mit Svenja Schulze

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Zukunftsgespräche #4 — Svenja Schulze: Resilienz für die Vielen

Svenja Schulze war Bundesumweltministerin und Bundesentwicklungsministerin, davor Wissenschaftsministerin in Nordrhein-Westfalen. Heute sitzt sie für Münster im Bundestag und ist als Haushälterin für die Wissenschaft zuständig. Sie kennt die Transformationspolitik also von innen — inklusive der Stellen, an denen sie gescheitert ist.

In diesem Gespräch mit unserem Fellow Dirk Meyer geht es um eine unbequeme Frage: Wie geriet ein Projekt, das breite Zustimmung fand, in eine Legitimationskrise?

Schulzes Antwort ist selbstkritisch. Man habe sich gigantische Ziele gesetzt und die Wege dorthin nicht beschrieben. Der Druck kam von links — zu klein, zu spät, ein Klimapäckchen — und über die Frage, wie die Ziele eigentlich zu erreichen sind, wurde kaum gesprochen. Im Alltag merkten die Leute den Widerspruch: Die Wärmepumpe ist ein ideologischer Streitfall, guten Nahverkehr gibt es nur in großen Städten, sanierter Wohnraum ist zu teuer. Und in der Industrie steht man in internationaler Konkurrenz. Wo Ziel, Wirklichkeit und Weg auseinanderfallen, hat es leicht, wer die Ziele lächerlich machen will. Dazu kommt ein zweiter Fehler: Die Geschichte wurde moralisch erzählt, kaum je ökonomisch. Dass an Green Tech Arbeitsplätze hängen, wurde nie zum Mainstream der Debatte. Heute investiert China massiv in genau diese Technologien, und unter den besten Universitäten der Welt taucht Deutschland erst um Platz fünfzig auf.

Der zweite Teil des Gesprächs dreht sich um das, was ohnehin kommt. Nach zwei Wochen gebrochener Juni-Rekorde ist Klimaanpassung keine Fußnote mehr. Schulze erzählt von einem Science-Fiction-Roman, in dem die Reichen der Welt im Alleingang mit Geoengineering beginnen — Venedig und die Niederlande werden gerettet, Indien geht unter, die Immobilienwerte bleiben stabil. Dirk Meyer hält dagegen: Die Wirklichkeit ist schlimmer, das steht längst in den Manifesten der Tech-Milliardäre, die Inselgruppen suchen und staatenfreie Zonen planen. Damit wird Resilienz zu einer Frage, die man rechts oder links beantworten kann. Für die Wenigen sind die Lösungen gefunden. Es geht um die Vielen.

Was das konkret heißt, ist überraschend unspektakulär: Altenheime und Kliniken umbauen, Schatten, Trinkbrunnen — wobei sich die Mineralwasserindustrie bis heute über kostenloses Wasser in den Städten beschwert. Kommunen müssen heute Wärmeplanungen vorlegen; wir werden Kälteplanungen brauchen. München hat damit angefangen. Das kostet Geld, und deshalb, sagt Schulze, muss die Schuldenbremse wieder auf den Tisch. Die schwäbische Hausfrau mit dem Loch im Dach wartet schließlich auch nicht, bis der Keller vollgelaufen ist.

Dazu: warum Bündnisse künftig kleiner geschnitten werden müssen — „die Wirtschaft" gibt es nicht. Warum der ländliche Raum nicht der AfD überlassen werden darf, wenn dort die letzte Apotheke schließt. Warum Politik wieder männlich geworden ist und in Koalitionsrunden höchstens eine Frau mitverhandelt. Und was es bedeuten würde, wenn die AfD ein Wissenschaftsministerium bekäme — Schulze verteilt inzwischen großflächig deren Streichungsanträge im Bundestag.

Ihr Fazit: Aufhören zu jammern. Beschreiben, wo wir hinwollen. Und die Utopie so konkret machen, dass sie das Leben der Menschen tatsächlich besser macht.

Das Gespräch entstand für das Buch „Wie wir morgen wirtschaften wollen", das Ende des Jahres in der morgen-Reihe im beyond new Verlag erscheint — ein Projekt des beyond economy lab.

Mehr davon lesen: bn – The Human Future Magazine, Ausgabe #2 erscheint Mitte August. Bestellungen und Abos über bn@beyondnew.org.

Unser Crowdfunding läuft auf Startnext — https://www.startnext.com/beyond-climate-change-lab

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