エピソード

  • UGHW: Eigentlich Untragbar
    1 時間 32 分
  • UGHW: Abgefahren
    2026/01/21
    Menschen zu beleidigen ist keine Kunst – und selten sinnvoll. Oft ist es sogar strafbar. Wenn man, wie jüngst der Grünling Luis Bogba, Herrn Söder zwar nicht zur Bratwurst, aber immerhin zum „Hurensohn“ erklärt, ist das vor allem unklug. Bei Licht betrachtet richtet sich die Invektive gegen den angeblichen Broterwerb von Frau Söder senior. Nach allem, was man weiß, war Renate Söder jedoch Bankkauffrau. Entweder fehlte Bogba also Wissen – oder er ist noch etwas parteifarbig hinter den Ohren. Beleidigungen funktionieren wie Kunst: schlecht vorgetragen sind sie plump, virtuos vorgetragen zumindest unterhaltsam. Florett statt Keule. In der Politik, besonders im Bundestag, wird der Ton rauer. Die Wahlperiode 2021–2025 brachte 135 Ordnungsrufe hervor – historisch Platz zwei. Unangefochtener Rekordhalter bleibt Herbert Wehner mit 75 Rügen. Seine Spezialität: das Persönliche. Brandt „lauwarm badend“, Journalisten zu „Lüg“ umdeutend, Todenhöfer zum „Hodentöter“ machend. Perfide, weil es an etwas rührt, das man nicht ändern kann: den eigenen Namen. Ähnlich heikel ist die Herkunft. Wer aus Sachsen, Niederbayern oder Schwaben kommt, kennt das. Herkunftsbezogene Beleidigungen sind meist unangebracht, oft rassistisch. Wer aus Orten, Henstedt-Ulzburg oder Bottenhorn kommt, hat es leichter. Denn diese Flecken sind vollkommen unbekannt. Ganz anders bei Orten wie Edam, Eschede oder Nokia. Manche Namen tragen ein Schicksal, das größer ist als der Ort selbst. Schengen etwa: 5.212 Einwohner, aber ein Leben lang nur ein Thema. Apropos: Werbung an Autobahnen ist verboten – außer in Form der braunen „Touristischen Unterrichtungstafeln“. Verkehrszeichen 386.3, streng geregelt, aber horizonterweiternd. Ohne sie wüssten wir nichts vom Deutschen Erdölmuseum Wietze, der Pfefferkuchenstadt Pulsnitz oder dem Irrgarten Kleinwelka. Über 3.400 solcher Schilder gibt es. Laut Hochschule Harz nehmen 96 % der Autofahrenden sie wahr, jeder Sechste ist schon einmal spontan abgefahren. Effektives Regionalmarketing. Erfolgreicher ist nur Waterloo: 50.000 Tote – und alle singen ABBA. Dies – und vieles mehr – in Folge 46 von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.
    続きを読む 一部表示
    1 時間 29 分
  • UGHW: Der einzigste perfekteste Podcast
    2026/01/14
    Ave Caesar, morituri te salutant. So sollen Gladiatoren den Kaiser begrüßt haben – fühlt sich passend an für die Tage vor Tief Elli, als Deutschland sich schon im Überlebenskampf sah. Eis, Schnee, Wind – Wahnsinn, zumindest laut Unwetterwarnungen und Sondersendungen. Historisch stimmt der Spruch natürlich nicht. Cassius Dio berichtet nur von einem Schaukampf 52 n. Chr., bei dem 20.000 Sträflinge Claudius mit „Ave imperator, morituri te salutant!“ begrüßten. Claudius antwortete trocken: „Aut non.“ Diese Gelassenheit hätten wir bei Elli gut gebrauchen können. Stattdessen Dauerpanik. Immerhin hat es Jack Wolfskin und Strauss Workwear an die Grenzen gebracht. Wir leben im Zeitalter des Superlativs: am höchsten, am schnellsten, am schlimmsten. Nachrichten wie aus der Raucherecke des Schulhofs – Macker-News, nix für die MINT-Nerds. Trump liefert das passende Vokabular: der klügste Präsident, der dümmste Vorgänger, der korrupteste davor. Alles „ever“. Und hierzulande? Die schlechteste Regierung aller Zeiten, die höchste Neuverschuldung ever – heißt jetzt Sondervermögen. BTW: Glückwunsch zum Unwort des Jahres. Aber irgendwas muss ja passieren. Nichts passiert geht nicht. Was sollen Bild, Miosga, Klammroth oder Riewa sagen, wenn mal Ruhe ist? Keine Sorge: Die Jahresuhr steht niemals still. Jeden Tag ein größtes, schlimmstes, atemberaubendes Ereignis. Deswegen sind wir ständig außer Atem. Die Übertreibung hat Tradition: Marktschreier, Wundertinkturen, Reklame – „Die Menschheit will betrogen werden.“ Heute: SAT.1-Bälle runter, dann wird gelogen. Problematisch wird’s, wenn ohne Bälle gelogen wird. Dazu Konkurrenzdruck, moderne Übertragungstechnik und eine Aufmerksamkeitsspanne wie die Geschlechtsreife einer Eintagsfliege. Infotainment hat uns weichgekocht: Jumbo Schreiner, XXL-Schnitzel, das 41-Meter-Sandwich von Gießen. Das brauchen wir täglich. Und am Wochenende Galileo Big Picture. So sind wir bestens vorbereitet auf Skandale nonstop und Jahrhundertsturm Elli. War rutschig da draußen. Bilder werden hochgeladen. Dies – und vieles mehr – in Folge 45 von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.
    続きを読む 一部表示
    1 時間 25 分
  • UGHW: Grundformen der Angst
    2026/01/07
    Wenn die letzten aufgeweichten Böllerreste durchs Straßenbegleitgrün diffundieren, steht plötzlich Knut vor der Tür. Der Tag, an dem laut IKEA die Weihnachtszeit endet. Seit ein paar Jahren werfen Menschen hierzulande ihre Tannenbäume aus oberen Stockwerken, notfalls aus dafür angemieteten Wohnungen. Haben wir auf TikTok gesehen. Zum Glück wurde die Stille „zwischen den Jahren“ schon vorher mit sinnstiftenden Familienritualen gefüllt. Kaum ist the most wonderful time of the year vorbei, planen wir die schönsten Wochen des Jahres. Das Werbefernsehen hilft: Alles schreit „Hau endlich ab!“. Urlaubsreklame nonstop, dazwischen Ralf Schumacher, der Gebrauchtwagen kauft. Eine Wohltat. 1961 definierte Fritz Riemann in Grundformen der Angst vier Pole der Persönlichkeit. Christoph Thomann machte daraus später ein alltagstaugliches Modell: Distanz, Nähe, Dauer, Wechsel. Ein Koordinatenkreuz für unsere Psyche. Wer Nähe sucht, fürchtet Einsamkeit. Wer Wechsel braucht, hat Bindungsangst. So simpel sind wir gestrickt. Und im Urlaub zeigt sich das alles besonders schön: Wer jedes Jahr in die Vulkaneifel fährt, ist Dauer Nähe Typ. Wer über den Atlantik rudert, Wechsel Distanz Typ. Wer SPARnien frühbucht, tickt anders als jemand, der sein Airbnb erst auf der Anreise bucht. Wir Deutschen verreisen verschieden, aber eines eint uns: Wir lassen uns nicht verarschen. Wenn wir – die Reiseweltmeister – reisen, wollen wir auch so behandelt werden. Wehe, wenn nicht. Dann lernt die Welt das deutsche Reiseverkehrsrecht kennen. Urlaubsort Balearen, Gerichtsstand Düsseldorf. Die heilige Dreifaltigkeit: Mängelanzeige, Dokumentation, Fristen. Baulärm auf Kroatisch heißt građevinska buka, Buffet Frust auf Türkisch Buffet’te yeterince çeşit yoktu. Apropos: Weil Beschweren zum Urlaub gehört, lieben wir Achtung Abzocke. Peter Giesel jagt Rikscha Nepp und gefälschte Balaton Uhren – für uns! Erkenntnisgewinn null, Unterhaltung maximal. Und genau deshalb fahren wir immer wieder hin. Denn mit ADAC, Bild und Reiseverkehrsrecht bleibt die Urlaubsfreude dauerhaft verlängert. Und mit Knut fängt alles an. Dies – und vieles mehr – in Folge 4 von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.
    続きを読む 一部表示
    1 時間 13 分
  • UGHW: Wir striken!
    2025/12/17
    „Ein Jahr ist schnell vorüber.“ Da wird ein weises Wort gelassen ausgesprochen. Und es ist ja auch wahr. Sonst hätte es die Münchener Freiheit nicht gesungen. In 45 Folgen haben wir 2025 alles rausgelassen, was uns durch die Köpfe ging. Das war bisher ein wirklich großer Spaß. Wir verabschieden uns in einen kleinen Weihnachtsurlaub. Für dieses Jahr ist alles gesagt. Daher lassen wir andere sprechen. Eventuell nicht über uns, aber wer will da kleinlich sein. Wir hören uns auf der anderen Seite! Neues Jahr, neues Glück. „Wer alles gibt, hat nichts zu bereuen.“ – Philipp Lahm „Wir spielen immer am besten, wenn der Gegner nicht da ist.“ – Otto Rehhagel „Das kann doch wirklich nicht mein Ernst sein.“ – Werner Lorant „Es gibt nur eine Möglichkeit: Vollgas.“ – Jürgen Klinsmann „Wir haben uns vorgenommen, uns nichts vorzunehmen.“ – Lothar Matthäus „Ich habe noch nie jemanden erlebt, der so links war wie er – obwohl er rechts spielt.“ – Berti Vogts „Wir dürfen nicht den Sand ins Getriebe werfen.“ – Karl-Heinz Körbel „Ich weiß, dass ich bald weg bin. Aber noch bin ich nicht weg.“ – Mario Basler „Lebbe geht wieder.“ – Dragoslav Stepanović „Da lach ich mir doch den Arsch ab!“ – Thomas Doll „Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank!“ – Horst Hrubesch
    続きを読む 一部表示
    1 時間 9 分
  • UGHW: Filmfest
    2025/12/10
    Auch unser Leben bekommt mit Traditionen, Bräuchen und Riten eine Struktur, die wenig aneckt und millionenfach ausprobiert wurde. Wir Deutschen haben, wie jedes andere Volk, unsere eigenen Traditionen ausgebildet. So wird kaum jemand die Reihenfolge Taufe, Konfi, Abiball, Hochzeit, Leichenschmaus durcheinanderbringen. Ob es nun praktiziert wird oder nicht. Wir können es einordnen und darauf rausgeben. Wenn wir wissen, wo es langgeht und alle gehen mit, ist eine Menge geschafft. Kein Fest hat so viele Riten wie Weihnachten. Das Fest der Traditionen. Da gehen wir weit über unsere Schmerzgrenzen. Stichwort: Würstchen mit Kartoffelsalat. „Aber Papa, ich bin Veganer.“ „Nicht heute, Kind. Nicht an Weihnachten!“ Natürlich ist bei Weihnachten inzwischen nicht mehr jeder bibelfest. Fest der Liebe. Ja, ok. Aber warum nun ganz genau ihr Kinderlein in der stillen Nacht, heiligen Nacht zum Oh Tannenbaum oder zur Krippe in Bethlehems Stall kommen sollten, ist nicht mehr ganz klar. Eventuell ist ein Ros entsprungen. Egal. Hauptsache Driving home for Christmas. Yeah! Irgendjemand muss Oma holen. Ich nicht, ich war last Christmas dran. Was aber tun, wenn die organisierte Religion als Eventplaner, als Taktgeber ausfällt? Wer weiß schon noch, dass Christmette recht wenig mit Hackfleisch zu tun hat. Und was, wenn sich im Adventskalender nur 24 köstliche Bierspezialitäten aus aller Welt verstecken? Wer gibt Weihnachten den Sinn, die Struktur? Wie so oft: Das gute alte Fernsehen! Puh. Glück gehabt. Linear und – wir sind bei den Eltern – analog. Eventuell sogar terrestrisch. Zumindest bis wir den Router eingerichtet haben. Wir haben eine große Zahl von Weihnachtsfilmen, die seitens der Rezipienten immer noch ein wenig in Ost und West unterteilt sind. In den frischen Bundesländern ist Aschenbrödel der tradierte Festgottesdienst. Aschenbrödel ist, wenn Tschechen in den 1970ern – als die DDR noch einwandfrei war – im sächsischen Moritzburg Märchenfilme drehen. Und so sieht es dann auch aus. Aber wenn man viele Jahre im Dresdner Stollen verbracht hat, mag man das. Und im Westen? Sissi. Aber da ist jedes Wort zuviel. Keine Sorge, wir haben ja noch ein paar mehr Filme zur Auswahl: Tatsächlich… Liebe, der Grinch, Die Geister, die ich rief, Eine schöne Bescherung, Das Wunder von Manhattan undsoweiterundsoweiter. Das Grundrauschen der klassischen Weihnachtsfilme funkt eigentlich immer auf der gleichen Frequenz: Kaltherzige, egoistische Menschen erfahren rund um das Fest der Liebe unter Zuhilfenahme von reichlich Glöckchenmusik, was Familie, Freundschaft und Zusammenhalt bedeuten. Alle zusammen, alle glücklich. Beim Happy End wird abgeblendet. Das ist wirklich schön! Klingt aber auch ein wenig nach Sozialismus. Apropos Weihnachtsfilme: Wir überwinden ja gerade das postheroische Zeitalter. Daher braucht es Weihnachtsfilme, die andere Werte in den Vordergrund stellen. Grundidee: Weihnachten als individuelle Herausforderung, als Kampf des Einzelnen gegen finstere Mächte. Und Gewalt als Lösung. Klar, es sterben rechts und links ein paar Teilnehmer, aber am Ende steht der Held strahlend unterm Weihnachtsbaum. Versprochen ist versprochen lassen wir in dem Zusammenhang da mal als konsumkritische Komödie durchgehen. Aber bei Tödliche Weihnachten hört der Spaß auf. Und bei Stirb langsam hat er nie angefangen, Schweinebacke. Das sind natürlich keine Filme für die ganze Familie. Also braucht es eine kindgerechte Erzählweise. Und schon ist Kevin allein zu Haus. Die Parallelen zu Stirb langsam sind wirklich verblüffend. Tausche Plastiksprengstoff gegen die Farbeimerschaukel. Uzi gegen Murmeln. Aber sonst? Der Held stemmt sich gegen Schicksal und Schurken. Wenn alles und alle erledigt sind, darf auch die nichtsnutzige Verwandtschaft noch kurz ins Bild. Oh Gott, wir sind filmreif. Frohes Fest! Dies – und vieles mehr – in der 42. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast
    続きを読む 一部表示
    1 時間 7 分
  • UGHW: Die erste Kerze brennt
    2025/12/03
    Die Adventszeit hat begonnen. Besinnlich ist sie – und damit ist nicht gemeint, dass im Fernsehen das „Adventsfest der 100.000 Lichter“ mit Florian Silbereisen ohne Trigger-Warnung ausgestrahlt wird. Das ist ein Angebot für eine Zielgruppe, die die „Rentenrebellen“ der JU nur aus den Augenwinkeln wahrnehmen. Laut Eigenwerbung eine Mischung aus „emotionalen Momenten, festlicher Musik und stimmungsvoller Kulisse aus Suhl“. Aber die echte Adventszeit ist seit Jahrhunderten tief in unserer Kultur verwurzelt. Den Jüngeren sei erklärt: Alles läuft auf Weihnachten hinaus – das beliebteste aller Verpflichtungsgeschäfte. Schon im alten Rom war Schenken nicht folgenlos: „Donum non est gratuitum, sed obligatio.“ Die Heiligen Drei Könige machten den Anfang mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. Im Gegenzug bot das Jesuskind Erlösung und Weltfrieden. Von wegen „dieses Jahr schenken wir uns nur Kleinigkeiten“! Zwischen Lebkuchen im Laden und Blockflöte unterm Baum liegen nur wenige Monate. In dieser Zeit müssen Geschenke besorgt werden – für Liebste und Familie. Das setzt uns unter Druck. Eigentlich geht es aber um innere Vorbereitung: Fasten, Einkehr, Verzicht. 40 Tage lang, wie Jesu Fasten in der Wüste. Daher die Partys: Ostern minus 40 ist Karneval, Weihnachten minus 40 ist St. Martin. Dort wird traditionell eine Gans verzehrt – früher ein Mitesser, heute Tiefkühlware. Fastenzeit vor Ostern ist bekannt. Wenn man es Digital Detox oder Intervallfasten nennt, ist es sogar instagrammable. Vor Weihnachten gibt es die Verzichts-Challenge nur in der Ostkirche, das sogenannte Philippus-Fasten. Mit Ostkirche ist die Orthodoxie gemeint – nicht die Kirche in den Beitrittsgebieten nach Art. 23 GG. Und wenn nach Sankt Martin der letzte Mantel geteilt ist? Bauern hatten im Winter mehr Freizeit, aber weniger Einkommen. Also ran an die Werkbank: Nussknacker drechseln, Kerzen ziehen, Deckchen klöppeln. Alles auf den Markt. Diese Idee war so gut, dass 1296 die Wiener Händler von Herzog Albrecht I. das Recht erhielten, einen „Dezembermarkt“ abzuhalten. Stadtmarketing war geboren. Apropos „Dezembermarkt“: Natürlich muss es Weihnachtsmarkt heißen. Volkstümliche Erzählungen behaupten, man habe unsere Märkte umbenennen müssen, weil „Menschen, die nicht von hier kommen“ es so wollten. Tatsächlich gilt: Ein Weihnachtsmarkt wird meist als Spezial- oder Jahrmarkt nach §§ 68 ff. GewO festgesetzt. Damit erhält er Privilegien wie längere Öffnungszeiten, Verkauf an Sonn- und Feiertagen, vereinfachte Gewerberegeln – aber auch strenge Auflagen bei Sicherheit und Genehmigung. Ein Wintermarkt hingegen wird oft als Privatveranstaltung ohne Festsetzung durchgeführt. Dadurch entfallen Privilegien, aber auch viele Pflichten – was für Veranstalter günstiger ist. Anders gesagt: „Hör mer uff! Nu klon se uns och noch de Weihnachtsmärkte. Is is mir egol, ob’s erst viertel zwee is – gib mer noch vier Glühween mit Schuss, aber so richtsch.“ Dies – und vieles mehr – in der 41. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.
    続きを読む 一部表示
    1 時間 36 分
  • UGHW: Eine Buddel voll Ruhm
    2025/11/26
    Sich einen Ruf zu erarbeiten, in die Geschichte einzugehen, sich einen Namen zu machen, ist ein hartes Geschäft. Für viele sogar eine Lebensaufgabe. Bismarck entwarf dereinst eine Metapher, bei der man den beleibten preußischen Junker förmlich in seiner ordensbekleckerten Paradeuniform vor sich stehen sieht: „Man muss den Herrgott durch die Weltgeschichte schreiten sehen und dann den Zipfel seines Mantels ergreifen.“ So spricht der Vater des Vaterlandes! „Und doch wird der Bismarcksche Nachruhm von Doppelkorn und Hering überlagert. Als Ergebnis eines langen politischen Lebens ist das ein klein wenig unfair! Manchmal dauert der Eintritt in die Geschichte nur einen Augenblick und niemand hat ihn kommen sehen. Vor allem die Protagonisten selbst nicht. So der 19-jährige Konrad Schumann, der sich im August ’61 just dann zum Sprung über die noch sehr unvollständige Mauer entschloss, als der Fotograf einen neuen Film eingelegt hatte. Oder Eric Moussambani aus Äquatorialguinea. Bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 schwamm er die langsamste Zeit über 100 Meter Freistil und wurde weltberühmt. Das hatte er sich beim Frühstück im Olympischen Dorf wohl so nicht vorgestellt. Gelegentlich ist es wie beim Abreißen des Pflasters. Kurz, ratsch, und dann tut es doch noch ein Weilchen weh. Wie bei Jana aus Kassel. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die junge Dame im Nachhinein ihre Sophie-Scholl-Gefühle lieber für sich behalten hätte. Trapattonis Lebenswerk ist mit „Isch habe fertig“ wohl ebenso unzureichend zusammengefasst wie die Reduktion auf die „Hand Gottes“, Gomez’ Fehlschuss und Andy Möllers Schwalbe. Dabei kann es im Sport auch ganz anders laufen. Beim Turnen oder Eiskunstlaufen wurden ganze Figuren nach ihren Erfindern benannt. Auerbach, Axel, Lutz, Ginger und Bielmann haben sich mit den lizenzfreien Nachahmern ihren Platz auf dem ewigen Siegerpodest verdient. Anderes Beispiel: „Mach ihn, mach ihn! Er macht ihn! Götze!“ dauerte im Laufen, Schießen und Moderieren exakt 3,2 Sekunden und reicht sowohl Mario Götze als auch Reporter Tom Bartels, um nie wieder Cocktails an der Hotelbar bezahlen zu müssen. Sheesh! Damit kann, damit muss man aber auch ein Leben lang klarkommen. Auf die eine Sache, den einen Moment reduziert zu werden, kann einträglich und unerträglich zugleich sein. Zum Glück kann Götze einfach weiter irgendwo Fußball spielen – und wenn es nur in Frankfurt ist. Er muss nicht immer und immer wieder dieses eine Tor schießen. Das ist schön. Aber ob Gottlieb Wendehals sein Karo-Jackett, sein Gummihuhn und vor allem seine Polonäse Blankenese wirklich 40 Jahre lang so lustig wie beim ersten Mal fand? Hoffentlich nicht. Auch Gavrilo Princip, der am 28. Juni 1914 den Österreicher Franz Ferdinand Habsburg erschoss, strebte nach Unsterblichkeit. Er wollte damit ein politisches Zeichen setzen und natürlich berühmt werden. Das ist gelungen. Bis in die 1990er Jahre war die Straße des Geschehens (Principova ulica) nach ihm benannt. Da er zur Tatzeit unter 20 war, konnte er nicht zum Tode verurteilt werden. Princip starb 1918 im Gefängnisspital Theresienstadt. Kurioserweise hätte er den Ersten Weltkrieg also fast überlebt. Der von ihm getroffene Habsburger Stammhalter gab seiner bei dem Attentat neben ihm sitzenden Frau einen kurzen Lagebericht: „Es ist gar nichts!“ Seine letzten Worte. Man lehnt sich wohl nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn man das in der Rückschau sowohl persönlich als auch weltpolitisch als Fehleinschätzung wertet. Apropos letzte Worte: „Schieß ruhig, du Feigling. Du wirst einen Mann töten, …“ rief Ernesto „Che“ Guevara, einer der bärtigsten Revolutionär überhaupt, einem Soldaten zu, der nicht einmal das Satzende abwartete und ihn erschoss. Er wollte noch „… aber du wirst nicht die Revolution aufhalten können.“ In der Kurzform ist es aber irgendwie stimmiger. Dies – und vieles mehr – in der 40. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.
    続きを読む 一部表示
    1 時間 31 分