#20 – Von Bratwürsten und Mozartkugeln – Kaum Durchblick im Nebel der Jubiläumsfolge
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Zur zwanzigsten Episode hat es Sebastian eilig: Der Aufnahmetermin wandert kurzerhand zwei Tage nach vorn, was zu Spekulationen über einen imaginären 48-Stunden-Podcast-Weltrekord verleitet. Über Joschka Fischers legendäre Turnschuh-Vereidigung als erster grüner Umweltminister Hessens (heute im Ledermuseum Offenbach zu besichtigen) und ein Amsterdamer Taschenmuseum – für deutsche Ohren tückisch als »Tassenmuseum« beschriftet – geht es zu einer niederländischen Familie, die seit über 600 Tagen in einem Dauergottesdienst Kirchenasyl vor der Abschiebung sucht.
Von dort kippt das Gespräch in einen ausufernden Versicherungs-Exkurs: Warum ein gestohlenes Portemonnaie unter freiem Himmel nicht, unter einem Parkhausdach aber sehr wohl versichert ist, warum eine verstopfte Toilette erst nach dem ersten ausgetretenen Tropfen zum Schadensfall wird und warum Glasschäden Windstärke 8 voraussetzen. Es geht um die Solidargemeinschaft der Krankenkassen, bezahlte Turnschuhe fürs Fitnessstudio, einen (vielleicht) geplatzten Leasingvertrag mit einem französischen Autohersteller, VWs Stellenabbau und die Verlockung günstiger chinesischer E-Autos samt Überwachungsbedenken – bis hin zu Versicherungen gegen Deepfakes und Identitätsdiebstahl, die den Bogen zum Enkeltrick per KI-Stimmklon und zur Idee geheimer Codewörter schlagen.
Politisch wird es mit Jürgen Kaubes FAZ-Essay über den Niedergang der CDU. Anlass ist die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, bei der die CDU erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik komplett am Einzug in ein Landesparlament scheitert, während die AfD stärkste Kraft wird. Die Symbolpolitik der Wahlkämpfe – gratis Bratwurst hier, welke Rosen dort – trifft auf den Historiker Stefan Rebenich und seine These von der Geschichtslosigkeit der politischen Mitte, die dem AfD-Germanenmythos wenig entgegenzusetzen hat. Daraus entwickelt sich eine Debatte über deutsche Identität als Sprachnation, über Arminius und den doppelt beanspruchten Karl den Großen/Charlemagne, garniert mit einer Anekdote über Sebastians Umzugshelfer aus Syrien, die sich über die deutsche Unsitte wundern, alte Eltern beim Umzug allein zu lassen.
Die zweite Hälfte gehört der Mozartkugel: Ein NZZ-Artikel stellt die offizielle Erfindungslegende von Paul Fürst infrage und wirft die Frage auf, was einer rechtlich ungeschützten Gattungsbezeichnung überhaupt ihre Aura verleiht – Walter Benjamin lässt grüßen. Der Abstecher zu Magenta- und Orange-Markenrechtsstreitigkeiten mündet unweigerlich in die unbequeme Parallele zwischen Farbdefinitionen und rassistischen Kategorisierungen. Nach einem Rückbezug auf das Kobaltblau von Chartres und einer kleinen Bücherregal-Ordnungsphilosophie widmen sich Nico & Sebastian einem Noema-Artikel über die »gedehnte Gegenwart«: Doomscrolling ohne Erinnerungsbildung, ein »Zeitalter des Enter-Drückens« beim KI-gestützten Programmieren und die Frage, ob mehr Langeweile die gefühlte Lebenszeit verlängert. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt zur KI-Sicherheitsdebatte samt Büroklammer-Maximierer, Asimovs Robotergesetzen und der Illusion, man könne außer Kontrolle geratene KI-Agenten einfach »abschießen«. Zum Ausklang gibt es Beatrix von Storchs vages Wurstversprechen, Kanzlergehalt versus Ehrensold, den Begriff »Blursday« für die verschwommene Corona-Erinnerung, einen Frankfurter Flughafen-Malaria-Fall – und ein Aldous-Huxley-Zitat, das die Frage offenlässt, ob man ohne Zeitgenossen überhaupt Raumgenosse sein kann.
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Aufnahmedatum: 23. September 2026
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Intro- & Outro-Musik: »Dark Girl« von Elijah_K, https://pixabay.com/music/beats-dark-girl-280133/