#16 Gabriel Eder, M2S Rechtsanwälte: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit
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Gabriel Eder ist Rechtsanwalt bei M2S Rechtsanwälte in Wien, zuhause im Miet- und Wohnrecht, viel vor Gericht und regelmäßig auf den Bühnen der Wiener Immobilienbubble. Wir wollten wissen, was sich bei den Juristen in Sachen KI tut. Die Antwort: mehr, als viele glauben. Und weniger, als manche hoffen.
„Mieterschaft" verrät dich
Seit etwa zwei Jahren landen bei Gabriel professionell klingende Schreiben von Leuten ohne Anwalt. Er erkennt die KI sofort, an Wörtern, die in Österreich niemand verwendet. Heikel wird es, wenn sich die Gegenseite auf einen Anspruch versteift, den es gar nicht gibt. Kennst du das aus deinem Posteingang?
Halbwissen ist brandgefährlich. Und gut fürs Geschäft.
Je mehr Leute mit KI-Rat in Probleme schlittern, desto mehr Beratung wird gebraucht. Gabriel sieht das gelassen. Der Unterschied zwischen ihm und dem Chatbot: Er haftet für das, was er rausschickt. Reicht das als Geschäftsmodell?
Die Zäsur
Jahrelang haben Anwälte KI genutzt wie alle anderen: E-Mails polieren, geschwärzt in die Free-Version. Jetzt gibt es kostenpflichtige Tools, zugeschnitten auf den Anwaltsberuf, mit ISO-Zertifikaten und Datenschutzversprechen. Gabriels Regel gilt trotzdem: Daten sind Entgelt, auch wenn das Abo zehn Euro kostet. Was fütterst du gerade in welches Tool?
Was die Tools können. Und was nicht.
Recherche zu OGH-Judikatur samt Excel-Übersicht in Sekunden: beeindruckend. Formulierungsqualität: enttäuschend, teils schlechter als die Gratis-Lösungen. Und wer die Materie nicht kennt, kann auch nicht prompten. Wann hast du ein Tool, das du vor zwei Jahren verworfen hast, zuletzt neu getestet?
Der Elefant im Raum
Juristen stehen ganz oben auf jeder Liste der bedrohten Berufe. Weniger Konzipienten, weniger Anwälte: Wer zahlt dann das System? Und was passiert, wenn irgendwann ein Programm entscheidet, wer Recht hat? Wo ziehst du die Grenze zwischen Hilfstool und Entscheider?
Der KI-Mietvertrag
Klingt nach Schablone, ist es nicht. Die Wertsicherungsdebatte hat gezeigt, wie schnell jahrzehntelange Marktpraxis kippt. Wer heute einen Mietvertrag baut, muss Tendenzen der Rechtsprechung vorwegnehmen. Kann das ein Tool, das nur aus der Vergangenheit lernt?
Keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Mietvertrag oder Wertsicherung bitte an einen Anwalt wenden.
Kapitel
00:00 Intro
03:40 Wer ist Gabriel Eder
06:16 Wertsicherung, Betriebskosten: Womit Gabriel auf Bühnen steht
12:18 „Mieterschaft": KI-Schreiben von Unvertretenen erkennen
14:18 Dunning-Kruger und gefährliches Halbwissen
16:29 Das Heil in der Flucht: Haftung als Unterschied
19:31 Die Zäsur: Vom E-Mail-Polieren zu Anwalts-Tools
23:29 Daten sind Entgelt: Datenschutz, Verschwiegenheit, RAO
25:45 Was die Tools können: Recherche und Judikatur-Excel
29:07 Was nicht funktioniert: Formulierungsqualität
32:11 Halbjährliche Sprünge: Verworfene Tools neu testen
34:13 Prompten heißt Fachkompetenz
35:21 Juristen ganz oben auf der Liste: Wer zahlt die Pensionen?
36:23 Anwaltspflicht und Sachverhalt: Wo KI nicht hin darf
38:14 Verwenden Richter KI?
41:06 Die Hochzeitskarte: Persönlichkeit gegen Präzision
43:27 Soft Skills werden wichtiger, nicht unwichtiger
44:29 450 Euro die Stunde: Honorar trotz KI
47:46 Der Konzipienten-Vergleich
48:45 Mandanten fragen nach der KI-Infrastruktur
51:18 Was Gabriel sofort ersetzen würde
52:31 Der KI-Mietvertrag und die Wertsicherung
56:11 Abmoderation