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WortMelder

WortMelder

著者: Andrea Radtke Carmen Voigt und Aileen Pinkert Universität Erfurt
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概要

Jeden Tag suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Erfurt nach Antworten auf gesellschaftlich relevante Fragen. Im Wissenschaftspodcast WortMelder wollen wir ihnen auf den Zahn fühlen und mit ihnen über Themen sprechen, die uns alle angehen.

Universität Erfurt, Hochschulkommunikation
社会科学 科学
エピソード
  • Wenn der Weg zum Abenteuer wird – Reisen in der Frühen Neuzeit
    2026/03/17
    „In der Frühen Neuzeit mussten Reisende davon ausgehen, dass die Reise anders als geplant abläuft, dass es zu Verzögerungen oder kurzfristigen Planungsänderungen kommt und dass man wichtige Informationen erst unterwegs erhält“, sagt PD Dr. Astrid Ackermann. Reisen gilt als Inbegriff von Freiheit und Mobilität – ein Blick in die Frühe Neuzeit zeigt, dass Fortbewegung einst weit mehr war als bloße Ortsveränderung: Das Reisen war zugleich Wagnis, logistisches Experiment und auch mal Kampf ums Überleben. Woran wir heutzutage kaum noch denken, sagt Nils Sobecki: „Ein großes Risiko beim Reisen in der Frühen Neuzeit war die Dunkelheit. Es gab damals keinen elektrischen Strom, kein elektrisches Licht.“ In dieser WortMelder-Folge sprechen die Historikerin PD Dr. Astrid Ackermann und die Geschichtsstudenten Nils Sobecki und Richard Wacker über ihre Forschungen und die gemeinsame Konzeption einer Ausstellung zum frühneuzeitlichen Reisen. Anhand von historischen Objekten und regionalen Quellen rekonstruieren sie, unter welchen sozialen, materiellen und infrastrukturellen Bedingungen das Reisen überhaupt möglich war. Im Zentrum stehen grundlegende Fragen einer historischen Mobilitätsforschung: Wer verfügte über die notwendigen Ressourcen, um zu reisen? Welche Strategien entwickelten Menschen, um sich in einer Welt ohne standardisierte Fahrpläne oder kartografische Präzision zu orientieren? Und wie ging man mit den omnipräsenten Risiken um – seien es Krankheiten, klimatische Extremereignisse oder Überfälle durch Räuberbanden? „Durch das wachsende Postwesen gab es mehr Planungssicherheit für Reisende. Poststationen haben zudem als Unterkünfte und Gasthäuser gedient, auch erschöpfte Pferde konnten dort gewechselt werden“, sagt Richard Wacker. Es geht auch um kulturelle Praktiken des Unterwegsseins: Empfehlungsschreiben fungierten als soziale Währung, Reiseapotheken als lebenswichtige Vorsorgeinstrumente, Poststationen letztlich bildeten Knotenpunkte eines zumeist fragilen Wege- oder gar Verkehrsnetzes. Zwischen organisierten Reisegesellschaften, improvisierten Routen und der oft prekären Suche nach Unterkünften wird deutlich, wie sehr Reisen von Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und sozialem Kapital abhing. Und deutlich wird auch, dass wir heute wohl unterschätzen, „wie viele Menschen in der Frühen Neuzeit gereist sind. Adlige und Regenten reisten zu diplomatischen und politischen Zwecken, Kaufleute aus beruflichen Gründen. Es gab Brautreisen, Verwandtschaftsbesuche, Badekuren, Bildungs- und auch Forschungsreisen. Hinzu kommen die Wanderungen von Handwerkern oder von Bauern zu Märkten in der Umgebung.“ Überhaupt mobil zu sein, stand dabei im Fokus, ergänzt Nils Sobecki: „Eine Reise bestand größtenteils aus dem Weg irgendwohin, weil man viel länger unterwegs war.“ Nicht zuletzt zeigt sich, dass das Reisen trotz aller historischen Distanz erstaunlich vertraute Motive birgt: die Neugier auf das Fremde, das Bedürfnis nach Austausch und die Praxis, Erlebtes festzuhalten. Die Frühe Neuzeit erscheint so als Epoche, in der das Unterwegssein nicht nur physische Bewegung bedeutete, sondern auch eine spezifische Form der Welterfahrung hervorbrachte – zwischen Risiko, Erkenntnis und Abenteuer. PD Dr. Astrid Ackermann ist Historikerin mit Schwerpunkt auf der Geschichte der Neuzeit und derzeit Vertretungsprofessorin für Geschichte und Kulturen der Räume in der Neuzeit an der Universität Erfurt. Ihre Forschung bewegt sich an den Schnittstellen von Kultur-, Politik- und Infrastrukturgeschichte und richtet einen besonderen Blick auf Themen wie Reisen, Logistik und materielle Kultur. Nils Sobecki studiert seit 2023 Geschichte und Literatur an der Universität Erfurt und ist in beiden Fachbereichen als studentische Hilfskraft tätig. Er ist außerdem studentisches Mitglied des BA-Prüfungsausschusses der Philosophischen Fakultät. Richard Wacker studiert seit dem Wintersemester 2023/24 Geschichtswissenschaft und Kommunikationswissenschaft. Neben dem Studium ist er als Guide beim Erinnerungsort Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz tätig. Privat hegt er ein großes Interesse für Musik. Die im Rahmen des Seminars konzipierte Ausstellung „Die Faszination des Reisens: (Über)Leben in der Frühen Neuzeit“ ist noch bis zum 30. September 2026 im Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt zu sehen. Am 6. November 2026 kann die Ausstellung dann im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften an der Universität Erfurt besucht werden. Website des des Lehr- und Forschungsbereichs „Geschichte und Kulturen der Räume in der Neuzeit“: https://www.uni-erfurt.de/philosophische-fakultaet/seminare-professuren/historisches-seminar/professuren/geschichte-und-kulturen-der-raeume-in-der-neuzeit Persönliche Website von PD Dr. Astrid Ackermann: https://www.uni-erfurt.de/philosophische-fakultaet/seminare-professuren/historisches-seminar/professuren/...
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    46 分
  • In der Stadt begraben: Über die Macht der Toten
    2026/01/20

    „Die Toten beeinflussten Stadtplanung, Infrastruktur und Hygiene – sie waren alles andere als machtlos“, sagt PD Dr. Martin Christ

    Friedhöfe sind weit mehr als Orte der Ruhe – sie erzählen von Macht, Religion, Stadtplanung und gesellschaftlichem Wandel. In dieser Folge WortMelder-Folge spricht der Historiker Martin Christ über die „Macht der Toten“ und darüber, wie Begräbnisse und Bestattungsorte London und München zwischen 1550 und 1870 geprägt haben. Christ führt uns zurück in eine Zeit, in der Tote allgegenwärtiger Teil des urbanen Lebens waren: Ob Kirchhöfe mitten in der Stadt, nächtliche Leichenprozessionen oder anonyme Massengräber während Pest- und Choleraepidemien – der Umgang mit den Toten sagt viel über die Lebenden aus. Christ darüber, wie konfessionelle Unterschiede, soziale Ungleichheit und städtisches Wachstum die Bestattungskultur beeinflusst haben. Eine Folge über Friedhöfe, die zeigt, warum Städte ohne ihre Toten nicht zu verstehen sind – und warum wir ihnen bis heute näher sind, als wir denken.

    PD Dr. Martin Christ ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Kollegforschungsgruppe „Religion und Urbanität: Wechselseitige Formierungen“ am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt. Er hat 2018 an der University of Oxford zur Reformation in der Oberlausitz promoviert. In seinem Habilitationsprojekt beschäftigte er sich mit urbanen Begräbnissen in München und London im Zeitraum ca. 1550-1870. Weitere Forschungsinteressen sind religiöse Koexistenz, südostasiatische Geschichte und Konversionsforschung.

    Lese- und Buchtipps zum Thema und Martin Christ:

    • „Die Stadt und der Tod“, Band 56, Moderne Stadtgeschichte, 2025, hrsg. von Martin Christ und Dieter Schott: https://www.moderne-stadtgeschichte.de/index.php/msg/issue/view/7

    • Blog der Kollegforschungsgruppe „Religion und Urbanität: Wechselseitige Formierungen“: https://urbrel.hypotheses.org/

    • persönliche Website von PD Dr. Martin Christ: https://www.uni-erfurt.de/max-weber-kolleg/personen/vollmitglieder/post-doc-fellows/martin-christ

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    33 分
  • Was bleibt, was kann weg? – Sammeln als Kulturtechnik
    2025/12/17

    „Mit dem Sammeln beginnen sofort Tätigkeiten des Klassifizierens, Sortierens und Einteilens“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Struck. Wir sammeln Dinge, sie werden aufgehoben, geordnet und archiviert. Doch Sammeln ist keine neutrale Praxis. Es entscheidet darüber, was erinnert und aufbewahrt werden soll – und was verschwindet. Es ist eine Kulturtechnik, die auf Auswahlprozessen beruht, Machtverhältnisse impliziert und Ausschlüsse generiert, mit der Wissen entsteht und Geschichte erzählt wird. Doch was passiert, wenn Sammlungen zu groß werden – in Museen, Archiven, aber auch in der eigenen Forschung?

    „Museen sind verpflichtet, alle einmal aufgenommenen Sammlungsgegenstände für alle Zeiten zu bewahren – das ist eine Wahnsinnsforderung“, sagt Wolfgang Struck. Ob kommende Generationen unser Bewahrenswertes noch immer für so bewahrenswert finden werden, stellt er in dieser Folge in Frage und weist daraufhin, dass Museen sich dringend der Tatsache stellen müssen, „dass sie selber Teil eines Prozesses sind, Neuverhandlungen darüber zu führen, was relevant ist und was nicht.“ Überhaupt ließen sich doch gerade erst im Loslassen neue Perspektiven eröffnen.

    „In dem Moment, in dem ich aussortiere, entsteht eine Sammlung“, sagt Dr. Jana Mangold. Neben klassischen und neueren Sammlungstheorien geht Jana Mangold in dieser Folge auch auf gegenwärtige Debatten um Deaccession, also das Entsammeln in der Museumspraxis, ein – auch im Kontext kolonialer Fragen: „Objekte aus Unrechtskontexten können nicht einfach Eigentum von Kolonialmächten sein.“ Sammeln und Entsammeln versteht Mangold nicht als gegensätzliche Handlungen, sondern als miteinander verschränkte Prozesse. Zusammen mit Wolfgang Struck spricht sie sich aus für das geordnete Chaos, aber auch das bewusste Begrenzen, Reduzieren und Loslassen von Material als einer zentralen Voraussetzung wissenschaftlicher Erkenntnis – und verrät, weshalb sich das notwendige Gespür für Relevanz weder formal noch algorithmisch ersetzen lässt. Dass der Wert einer großen und bislang kaum erschlossenen Sammlung erheblich gesteigert werden kann, berichtet Nadine Fechner. In dem semesterübergreifenden Seminar „Die kleine Freiheit“ konnten durch sie erschlossene Fotos, die öffentliche Feste in Gotha zu DDR-Zeiten zeigen, mit den persönlichen Erinnerungen durch Gothaer Bürger*innen verbunden werden. Damit hätten „die Studierenden die Lücke zwischen dem, was offiziell überliefert wurde und dem, was individuell erinnert wird, analysiert und damit Geschichte als etwas Dynamisches erfahren“, erklärt Fechner und ergänzt, dass „das Archiv so wieder zu einem partizipativen Ort des Forschens und Erinnerns wurde.“ Geschichte, haben die Studierenden gelernt, sei „kein abgeschlossenes und feststehendes Narrativ“, die Studierenden hätten vielmehr verstanden, dass die Realität in der DDR aus Grauzonen bestand und „so auch im Kontrast zu den großen Staatsnarrativen stehen, wie hier der offiziellen Geschichte der DDR.“

    Prof. Dr. Wolfgang Struck ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Philosophischen Fakultät der Universität Erfurt. Sein Interesse gilt den vielfältigen Überlagerungen von Literatur, Wissen und Wissenschaft. Dr. Jana Mangold ist wissenschaftliche Koordinatorin der Forschungsgruppe „Kulturtechniken des Sammelns“. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Materialität und Formaten der Popkultur, in Gebrauchsweisen reproduzierter Abbildungen und Formen des Archivs. Nadine Fechner ist Projektmitarbeiterin im Kooperationsprojekt „Kulturtechniken des Sammelns“ mit der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Sie forscht zu Stadtdarstellungen in Malerei, Grafik und Fotografie.

    Forschungsprojekt „Kulturtechniken des Sammelns“: https://www.uni-erfurt.de/philosophische-fakultaet/forschung/netzwerke/kulturtechniken-des-sammelns

    Lesetipp: Ursula Le Guin „The Carrier Bag Theory of Fiction“, 2019

    Alle Podcastfolgen auch unter: https://www.uni-erfurt.de/forschung/aktuelles/wissenschaftspodcast-wortmelder

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    54 分
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