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TAURIN DAS UNTERSCHÄTZTE MOLEKÜL

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Taurin: Ein unterschätztes Molekül für Mitochondrien, Darm und gesundes Altern?

Viele kennen Taurin vor allem als Bestandteil von Energydrinks. Dabei ist das schwefelhaltige Molekül an zahlreichen grundlegenden Prozessen unseres Körpers beteiligt – ganz unabhängig von Koffein und Marketing.

Streng genommen ist Taurin keine klassische proteinbildende Aminosäure, sondern eine Aminosulfonsäure. Besonders hohe Konzentrationen finden sich in Organen und Geweben, die viel Energie benötigen: im Gehirn, im Herzen, in der Muskulatur und in der Netzhaut.

Unser Körper kann Taurin aus den schwefelhaltigen Aminosäuren Cystein und Methionin selbst herstellen. Zusätzlich nehmen wir es über tierische Lebensmittel auf – insbesondere über Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch und dunkles Geflügelfleisch.

Taurin ist ein echtes Multitalent:

Es stabilisiert Zellmembranen, reguliert den Flüssigkeits- und Ionenhaushalt und beeinflusst die Verteilung von Calcium innerhalb der Zellen. Diese Funktionen sind unter anderem für den Herzrhythmus, die Muskelkontraktion und die Reizweiterleitung im Nervensystem wichtig.

Auch in den Mitochondrien spielt Taurin eine besondere Rolle. Dort unterstützt es die korrekte Bildung bestimmter Proteine der Atmungskette und kann dazu beitragen, oxidativen Stress zu begrenzen. Taurin ist also nicht einfach nur ein direktes Antioxidans – es hilft den Mitochondrien vielmehr

Was macht Taurin im Körper?

Darüber hinaus wird Taurin in der Leber an Gallensäuren gebunden. Diese sogenannten taurinkonjugierten Gallensäuren erleichtern die Fettverdauung und verbinden Leber, Darm und Mikrobiom miteinander.

Im Darm können Bakterien taurinkonjugierte Gallensäuren wieder aufspalten und dadurch Taurin freisetzen. So entsteht ein komplexes Wechselspiel zwischen Ernährung, Leberstoffwechsel, Gallensäuren und Darmflora.

Besonders spannend ist eine aktuelle Untersuchung zum Thema Schlafmangel: In einem Mausmodell veränderte chronischer Schlafentzug die Zusammensetzung des Darmmikrobioms. Gleichzeitig nahm die Menge an mikrobiell beeinflusstem Taurin ab.

Die Folge war eine geschwächte Darmbarriere. Wichtige Verbindungsproteine zwischen den Darmzellen wurden vermindert, Entzündungsprozesse nahmen zu und auch die zirkadiane Regulation des Darmgewebes geriet aus dem Gleichgewicht.

Eine Tauringabe verbesserte in diesem Tiermodell die Darmbarriere und stabilisierte Teile der gestörten zirkadianen Signalwege.

Was hat das Darmmikrobiom damit zu tun?Ist Taurin ein Longevity-Molekül?

Eine viel beachtete Studie aus dem Jahr 2023 zeigte, dass Taurin bei Mäusen die gesunde Lebensspanne und auch die Lebenserwartung verlängern konnte. Bei Affen verbesserten sich verschiedene Gesundheitsparameter. Die Forschenden beobachteten unter anderem weniger mitochondriale Störungen, DNA-Schäden, Zellalterung und chronische Entzündungsprozesse.

Bei Menschen ist die Situation allerdings weniger eindeutig.

Während die Studie von 2023 einen altersabhängigen Rückgang der Taurinspiegel beschrieb, kam eine große Untersuchung aus dem Jahr 2025 zu einem anderen Ergebnis: In mehreren Populationen blieben die Taurinspiegel mit zunehmendem Alter stabil oder stiegen sogar an.

Taurin ist deshalb wahrscheinlich kein universeller Biomarker des Alterns. Seine Bedeutung könnte vielmehr davon abhängen, wie alt und aktiv ein Mensch ist, wie er sich ernährt und ob Erkrankungen oder tatsächliche Mangelzustände vorliegen.

Lit: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41094491/


u. v . m.

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