PFLANZLICHE SCHLAFMITTEL: Evidenz, Grenzen und realistische Erwartungen
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概要
In dieser Folge von „Fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker“ geht es um pflanzliche Schlafmittel und ihre medizinisch realistische Einordnung. Prof. Dr. med. Harald Schmidt erläutert evidenzbasiert, welche pflanzlichen Arzneimittel bei Schlafstörungen sinnvoll sein können, wo ihre klaren Grenzen liegen und warum „pflanzlich“ weder automatisch harmlos noch wirksam bedeutet. Wie in den vorherigen Episoden zum Thema Schlaf gilt auch hier: Schlafhygiene und nicht-medikamentöse Maßnahmen stehen immer an erster Stelle. Pflanzliche Schlafmittel sollten nur in besonderen Lebenssituationen und zeitlich begrenzt eingesetzt werden.
Ein zentraler Punkt dieser Folge ist die klare Unterscheidung zwischen Schlaftees und pflanzlichen Extrakten. Schlaftees schneiden in der wissenschaftlichen Bewertung insgesamt schlecht ab. Deshalb geht es ausschließlich um standardisierte pflanzliche Extrakte und ausdrücklich um qualitativ geprüfte Apothekenpräparate. Produkte außerhalb der Apotheke sind häufig unzureichend standardisiert und in Zusammensetzung und Wirkung nicht zuverlässig beurteilbar.
Besprochen werden Extrakte aus Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Melissenblättern, Lavendelblüten und der Passionsblume. Für Baldrian existieren zwar zahlreiche klinische Studien, diese sind jedoch sehr heterogen und nur eingeschränkt vergleichbar. Es ist nicht belegt, dass Baldrian das Einschlafen beschleunigt oder die Schlafdauer verlängert. Seine Wirkung ist eher beruhigend als schlafanstoßend, vermutlich über GABA-A-Rezeptoren. Positiv sind das fehlende Abhängigkeitspotenzial und die gute Verträglichkeit, vorausgesetzt es wird ein ausreichend hoch dosierter, standardisierter Extrakt aus Valeriana officinalis über mehrere Tage eingenommen.
Die Datenlage für Hopfenzapfen ist deutlich schwächer. Klinische Studien beziehen sich fast ausschließlich auf Kombinationspräparate, häufig mit Baldrian, und erfüllen oft keine hohen Qualitätskriterien. Für Melissenblätter ist die Evidenz etwas besser. Melisse wirkt vor allem beruhigend und kann den Schlaf indirekt unterstützen, ohne ein klassisches Schlafmittel zu sein. Auch Lavendelöl zeigt gute Effekte bei Angst- und Spannungszuständen und kann dadurch die Schlafqualität verbessern. Ähnliches gilt für die Passionsblume, die vor allem angstlösend wirkt und bei ansonsten gesunden Erwachsenen die subjektive Schlafqualität verbessern kann.
Diese Folge bietet eine nüchterne, evidenzbasierte Orientierung zu pflanzlichen Schlafmitteln – ohne Übertreibungen und ohne falsche Versprechen. Sie richtet sich an alle, die sich für Schlafstörungen, Einschlafprobleme, pflanzliche Arzneimittel und fundierte medizinische Empfehlungen interessieren und eine klare Einordnung jenseits von Marketingaussagen suchen.
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