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Nach zwei Geburten fand ich mich ausgeleiert

Nach zwei Geburten fand ich mich ausgeleiert

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Scham beim Sex — Shownotes Episode 024 Ich hatte mal Sex mit einem Partner, der sagte mitten dabei: Du bist aber schon sehr weit da unten, da ist ja viel Platz. Ich habe nichts geantwortet. Ich bin gegangen und habe für mich beschlossen, dass ich darüber nie wieder rede. Das war der Moment, in dem meine Scham beim Sex einen Beweis bekommen hat. Ich hatte mich vorher schon eklig gefunden, ausgeleiert, nach zwei Geburten nicht mehr passend zu dem Körper, den ich mal kannte. Er hat nur bestätigt, was ich sowieso über mich dachte. Und danach habe ich aufgehört, darüber zu sprechen — was der schlechteste Umgang damit ist, den es gibt. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick In dieser Folge stehen zwei Geschichten nebeneinander. Die erste habe ich weggesperrt: die Scham über meinen Körper, über das, was zwei Schwangerschaften verändert haben, über die Frage, ob ich für Männer überhaupt noch passe. Ich habe darüber jahrelang geschwiegen, und sie ist in diesem Schweigen größer geworden. Die zweite ist ein paar Wochen alt und hat mich völlig überrumpelt: mein Freund nimmt mir das Handy aus der Hand, auf dem Bildschirm ein Foto mit Periodenblut, und ich bekomme Schnappatmung. Das darf der nicht sehen. Ich bin Mitte 40, ich rede seit Jahren offen über Sex — und da sitzt noch immer dieser Satz aus meiner Kindheit in mir. Diesmal habe ich es ausgesprochen. Und dann war es weg. Scham wächst im Dunkeln — Brené Brown hat das mal mit einer Petrischale beschrieben: schön dunkel, gut verstecken, niemanden draufgucken lassen, dann hat sie Platz, größer zu werden. Ans Licht gebracht hat sie diesen Platz nicht mehr.Ein einziger Satz kann eine Scham festnageln — was ich über mich selbst dachte, war schlimm genug. Dass es jemand ausgesprochen hat, hat daraus eine Tatsache gemacht, über die ich zehn Jahre lang kein Wort verloren habe.Man ist nie fertig damit — ich dachte, bei mir gibt es dieses Thema nicht mehr. Und dann kommt es über ein Foto zurück, das nicht einmal etwas mit mir zu tun hatte.Aussprechen wirkt schneller, als es sich anfühlt — bei mir war es ein Gespräch. Nicht Wochen, nicht Therapie, nicht Arbeit an mir. Ein Gespräch, Tränen, und danach war die Scham gegangen.Der andere hat das Problem oft gar nicht — mein Freund hat mich angeguckt und gesagt, dass mein Blut ihm überhaupt nichts ausmacht. Für ihn gab es nie etwas zu verstecken. Der ganze Berg lag bei mir. Die beiden Geschichten gehören zusammen, auch wenn zwischen ihnen fast zwanzig Jahre liegen. Die eine zeigt, was passiert, wenn ich schweige: Aus einem fremden Satz im Bett wird ein Urteil über mich, das niemand mehr überprüft, weil ich es nie wieder erwähne. Die andere zeigt, was passiert, wenn ich rede: Aus einem Berg wird innerhalb einer halben Stunde nichts. Ich habe für die erste Variante deutlich mehr Lebenszeit aufgewendet. Ich erzähle das nicht, weil ich es hinter mir hätte. Ich erzähle es, weil ich mit Mitte 40 gemerkt habe, dass ich es immer noch mit mir herumtrage — und weil ich weiß, wie schnell es geht, wenn man es endlich laut sagt. Wissen und können sind zwei verschiedene Dinge, und dazwischen liegen bei mir ein paar Jahre. Shownotes und Episodendetails Es gibt einen Satz, der mir vor Jahren das erste Mal begegnet ist: Scham überlebt es nicht, wenn man sie laut ausspricht. Ich war mir damals nicht sicher, ob ich das glauben soll. Heute weiß ich, dass es stimmt — ich habe nur sehr lange gebraucht, bis ich es auch konnte. Was zwei Geburten mit meinem Selbstbild gemacht haben Ich habe mich nicht mehr hübsch gefunden. Ich fand mich eklig, ausgeleiert, irgendwie nicht mehr zusammenpassend. Es war nicht nur die Brust, die anders aussah als vorher. Es hat sich so vieles verändert, das Gefühl war ein anderes, der Sex war dadurch auch ein anderer. Und ich habe mich dafür geschämt. Dafür, dass ich so aussah. Dafür, dass ich vielleicht nicht mehr passend war für Männer, weil ich nicht mehr so schmal war wie damals, als mein Sexleben angefangen hat. Gesagt hätte ich das nie so. Gesagt hätte ich damals nur: Ist halt nicht mehr so schön bei mir. Wenn du es blöd findest, können wir es ja lassen. Ich habe sogar überlegt, ob ich freizügiger auf Männer zugehen sollte — nach dem Motto, dann ist es doch egal, wie es da unten aussieht, Hauptsache sie kriegen, was sie wollen. So habe ich über mich gedacht. Das waren die Gedanken, die entstehen, wenn man mit niemandem darüber spricht. Der Moment, in dem es zurückkam Vor kurzem habe ich ein Bild gesehen, viele Fotos von Toiletten mit Periodenblut darauf. Mein Freund guckte mit auf den Bildschirm, sagte „zeig mal" und nahm mir das Handy ab. In dem Moment bin ich in Panik geraten. Das darf der nicht sehen. Der ist ein Mann, der darf das nicht sehen, Blut versteckt man, das ist denen unangenehm. Es war nicht einmal mein Blut. Es waren fremde Fotos. Und trotzdem hatte ich Schnappatmung. Ich habe ihn dann angeguckt und...
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