Maximilian Lorenz: Was ist mehr wert - der Stern oder der Blick in den Spiegel?
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Folge 205: Es gibt in Köln eine Straße, die noch nicht nach ihm benannt ist, in der ihm aber schon verdächtig viel gehört. Carsten Henn und Buddy Zipper treffen Maximilian Lorenz in seiner Vinothek in Wurfweite vom Dom, wo sich Sternerestaurant, Weinbistro Heinz Hermann, Kochstudio, Straßenküche und Catering auf wenigen hundert Metern drängen. Die Bank gegenüber ist noch zu haben. Er lacht nicht wirklich dabei - er sagt: „Was ist mehr wert - der Stern oder der Blick in den Spiegel?"
Aus der Ortsbegehung wird schnell die schonungsloseste Gastro-Analyse, die dieser Podcast je aufgezeichnet hat. Lorenz redet über sterbende Landgasthäuser, über Lieferdienste, die ganze Mahlzeiten ersetzen, und über die unbequeme Frage, ob ein Sternerestaurant wirtschaftlich noch Sinn ergibt. Seine Antwort: Er würde heute keines mehr eröffnen. Und er hat 2025 kein einziges besucht.
Dazu die Geschichte, die alles erklärt: Erbe vom Großvater, samt Hinweis, er könne es versaufen oder sich was damit aufbauen. Es folgten Nächte am Spülbecken, Preisvergleiche bei Blumenkohl und ein Neid in der Szene, den er bis heute als Antrieb verbucht.
Der Bruch kam 2024. Seit ein Großhändler ihm 600 übrig gebliebene Perlhuhnkeulen anbot, weil sonst der Müll gewartet hätte, kocht Lorenz „Nose to Flosse": ganze Tiere, neue Cuts, im Keller reifen Wollschwein-Schinken bis Dezember. Ein Konzept, das den Stern hätte kosten können. Er hat es trotzdem gemacht. Außerdem: warum er Werkswohnungen kauft statt Obstkörbe zu verteilen, warum seine Catering-Broschüre aus leeren Blättern mit der Zeile „Vielen Dank für Ihre Notizen" besteht, und warum kalte Käsespätzle in einer deutschen Arena ihn mehr aufregen als jede Restaurantkritik.
Am Ende bleibt ein Mann Mitte 30, der sich selbst als „väterlichen Freund, der manchmal ein Arschloch sein kann" beschreibt und als Lieblingsrestaurant das seiner Oma nennt. Wegen des Geflügelsalats.
Wer wissen will, wohin die deutsche Spitzengastronomie steuert, sollte diese Folge nicht überspringen. Die Bank gegenüber steht übrigens immer noch leer.
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