Bipolare Störung verstehen: Symptome, Ursachen und Behandlung | Supercut
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Hinweis: In dieser Folge werden unter anderem Suizidgedanken und selbstgefährdendes Verhalten thematisiert.
In dieser besonderen Folge von Erzähl mal fassen wir unsere bisherigen Video-Beiträge zum Thema bipolare Störung in einem ausführlichen Supercut zusammen. Wir erklären, wie sich die Erkrankung äußert, welche Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen auftreten können und warum eine frühzeitige Diagnose und Behandlung so wichtig sind.
„Bipolar“ beschreibt zwei Pole, zwischen denen die Stimmung der Betroffenen schwanken kann. Auf der einen Seite stehen depressive Phasen mit Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Selbstzweifeln und sozialem Rückzug. Auf der anderen Seite können manische Phasen auftreten, die von stark gesteigertem Selbstbewusstsein, zahlreichen Ideen, vermindertem Schlafbedürfnis und hoher Aktivität geprägt sind. Gleichzeitig können Reizbarkeit, Enthemmung und riskantes Verhalten zunehmen.
Besonders belastend ist häufig der Wechsel zwischen diesen Extremen. Auf eine Phase voller Energie und Zuversicht kann ein tiefer emotionaler Absturz folgen. Die große Fallhöhe erhöht das Risiko für Verzweiflung, Suizidgedanken und selbstgefährdendes Verhalten. Doch auch die manische Phase selbst kann schwerwiegende Folgen haben: Betroffene überschätzen sich, geben unkontrolliert Geld aus, gehen hohe Risiken ein oder treffen Entscheidungen, deren Konsequenzen sie in diesem Moment kaum überblicken können.
Bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich die bipolare Störung nicht immer in klar voneinander getrennten Phasen. Häufig treten Mischzustände mit innerer Unruhe, Gereiztheit und starken, teilweise sehr schnellen Stimmungswechseln auf. Beim sogenannten Rapid Cycling oder Ultra-Rapid Cycling kann sich die Stimmung innerhalb weniger Tage, Stunden oder sogar noch schneller verändern. Betroffene Kinder werden deshalb nicht selten als unmotiviert, schlecht erzogen oder absichtlich schwierig wahrgenommen, obwohl hinter ihrem Verhalten eine ernsthafte Erkrankung steht.
Die Folge beleuchtet außerdem mögliche Ursachen. Bipolare Störungen haben häufig eine starke erbliche Komponente und können mit Veränderungen im Stoffwechsel des Gehirns zusammenhängen. Gerade während der Pubertät, wenn das Gehirn umfangreiche Entwicklungsprozesse durchläuft, kann die Erkrankung erstmals deutlich hervortreten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Behandlung. Die medikamentöse Stabilisierung der Stimmung ist meist ein wichtiger Baustein. Je nach Symptomatik können unter anderem Neuroleptika, Lithium oder andere Stimmungsstabilisatoren eingesetzt werden. Die genaue Abstimmung gehört dabei immer in die Hände erfahrener Fachärzt:innen.
Medikamente allein reichen jedoch nicht aus. In der Psychotherapie lernen Betroffene, ihre Erkrankung besser zu verstehen, persönliche Frühwarnzeichen zu erkennen und rechtzeitig auf beginnende Phasen zu reagieren. Regelmäßiger Schlaf, verlässliche Tagesstrukturen und der Verzicht auf Alkohol oder andere Drogen können dazu beitragen, neue Episoden zu verhindern. Stimmungskalender und Tagebücher helfen dabei, Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen.
Auch Angehörige spielen eine wichtige Rolle. Sie können Veränderungen manchmal früher erkennen als die Betroffenen selbst und dabei unterstützen, rechtzeitig Hilfe anzunehmen. Gleichzeitig benötigen auch Familien Aufklärung und Begleitung, damit krankheitsbedingtes Verhalten nicht als böser Wille oder persönliches Versagen missverstanden wird.
Die bipolare Störung ist eine schwere, aber gut behandelbare Erkrankung. Je früher sie erkannt und individuell behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf Stabilität, Teilhabe und eine positive Entwicklung.
Habt ihr Fragen, eigene Erfahrungen oder kennt ihr Betroffene? Schreibt uns gerne in die Kommentare – denn: Vor jedem „Erzähl mal“ kommt ein „Ich hör mal“.