#3 Warum viele Freiheit nicht aushalten
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Ausgangspunkt dieses Podcast ist das Buchkapitel „Hat der Liberalismus etwas falsch gemacht?" (Teil 1), das der Frage nachgeht, warum der Liberalismus weltweit an Ansehen verliert.
- 1991 galt der Liberalismus nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als endgültiger Sieger, festgehalten in Fukuyamas Formel vom „Ende der Geschichte".
- Diese Siegesgewissheit, so 2008 noch von Wolfgang Kersting bestätigt, erzeugte eine trügerische intellektuelle Bequemlichkeit im Westen.
- Der erste Riss ist wirtschaftlicher Natur: Deregulierung und Globalisierung (NAFTA, WTO) versprachen Wohlstand für alle, führten laut Fukuyama selbst aber zu finanziellen Ungleichheiten.
- Mobiles Kapital gegenüber ortsgebundener Arbeit, geerbtes Vermögen (Piketty, Streeck) und die Privatisierung von Profiten bei Externalisierung von Kosten erschütterten das Vertrauen der Mittelschicht.
- Zugleich kritisieren wirtschaftsliberale Stimmen den aufgeblähten, hochverschuldeten Staat seit Finanzkrise und Corona-Pandemie.
- Kulturell wird der Liberalismus von rechts (Zersetzung von Nation, Religion, Familie) und von links (postkoloniale, feministische, ökologische Kritik an verdeckten Machtverhältnissen) gleichzeitig angegriffen – ein „Schiedsrichter, den beide Fanlager auspfeifen".
- Von außen greifen Autokraten (Putin, Orban, Trump) und religiöser Extremismus (Terroranschläge wie 9/11, Bataclan, Hamas-Angriff) die liberale Ordnung offen an, während Demokratien rechtsstaatlich gebunden bleiben.
- Neurobiologische Forschung (u. a. Leor Zmigrod) zeigt, dass kognitive Inflexibilität und Unsicherheit Menschen zu Dogmatismus und Autoritarismus neigen lassen – Kerstings Diagnose: „Konsumindividualismus erreicht, aber vom Verantwortungsindividualismus überfordert".
- Fazit der Episode: Der Liberalismus kämpft gleichzeitig an wirtschaftlicher, politischer und kultureller Front – die abschließende Frage lautet, ob er überhaupt ein dauerhafter Zustand oder nur eine kurze historische Anomalie sein kann.
Der Liberalismus steht gleich mehrfach unter Druck – ökonomisch durch nicht mehr finanzierbare Wohlstandsversprechen, kulturell durch Kritik von rechts und links, geopolitisch durch autoritäre und extremistische Gegner, und psychologisch, weil das menschliche Gehirn mit der von ihm geforderten Eigenverantwortung und Unsicherheit überfordert ist.
Das Buch von Gerald Mackenthun "Liberalismus. Die Strategie der freien Welt" erschien 2026 im Herder-Verlag, hat 490 Seiten und kostet 38 Euro. Es ist auch als E-Book erhältlich.
Website des Verlages: https://www.herder.de/geschichte-wissen/shop/p8/99640-liberalismus-kartonierte-ausgabe/
Website des Autors: https://www.geraldmackenthun.de/
Copyright Gerald Mackenthun 2026