Frau im Handwerk: „Man muss sich doppelt beweisen“ – mit Tischlerin Emma Reichold
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Emma Reichold habe ich bei einer Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Groß-Gerau kennengelernt. Dort bekam sie ihren Gesellenbrief als Tischlerin – und schon bei unserem kurzen Gespräch auf der Bühne war klar: Mit ihr möchte ich mich noch einmal ausführlicher unterhalten.
Denn Emma hat sich für einen Beruf entschieden, der noch immer stark von Männern geprägt ist. Im Gespräch erzählt sie mir, warum Frauen im Handwerk ihrer Erfahrung nach längst nicht überall selbstverständlich akzeptiert werden. Es geht um Kollegen, die ihr körperliche Arbeiten nicht zutrauen, Situationen, in denen sie sich unterschätzt fühlt, und um das Gefühl, sich als Frau manchmal stärker beweisen zu müssen als männliche Kollegen.
Dabei spricht Emma sehr offen über ihre Ausbildung: über einen Betrieb, in dem sie viel lernen und ausprobieren konnte, über klassisches Schreinerhandwerk, ihren Plattenspielerschrank als Gesellenstück und die Überzeugung, die ihr während der Ausbildung mitgegeben wurde: Für fast jedes handwerkliche Problem gibt es eine Lösung.
Und dann steht bei Emma gerade eine ziemlich große Veränderung an. Wenige Tage nach unserem Gespräch macht sie sich auf den Weg nach Bergen. Fünf Monate lang wird sie im Rahmen eines Erasmus-Auslandspraktikums in einer norwegischen Schreinerei arbeiten. Mit dem VW-Bus geht es Richtung Norden – raus aus dem vertrauten Umfeld und hinein in einen neuen Betrieb, eine andere Kultur und ein Land, dessen Sprache sie nicht spricht.
Wir sprechen darüber, wie viel Mut es braucht, für mehrere Monate alleine ins Ausland zu gehen, warum Emma sich trotzdem bewusst für diesen Schritt entschieden hat und weshalb für sie der Satz „Risk no Fun“ ganz gut passt. Sie möchte später nicht sagen: „Hätte ich mal“, sondern lieber: „Habe ich gemacht.“
Außerdem geht es um Meister Eder und klassisches Handwerk, um analoge Musik auf Vinyl, um Möbel, die man niemals verkaufen würde, um alte Fahrräder, die wieder flottgemacht werden, und um die Frage, warum es eigentlich immer weniger Menschen gibt, die traditionelle Handwerksberufe erlernen.
Eine Folge über Handwerk, Gleichberechtigung, Selbstvertrauen und den Mut, mit 19 Jahren einfach mal fünf Monate nach Norwegen aufzubrechen.
Druckreif – Das Redaktionsgespräch mit Tischlerin Emma Reichold.
DRUCKREIF – Das Redaktionsgespräch
mit Axel Schiel | Axel S.
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Das Redaktionsgespräch am 28.07.2026
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