Abschied von Atatürk
Die Krisen und Konflikte der Neuen Türkei
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Oliver Wronka
Die Türkei wird zu ihrem hundertsten Geburtstag im Oktober 2023 Atatürk, den Vater der Türken, feiern und zugleich – offiziell zumindest – Präsident Erdogan applaudieren, der eine Neue Türkei geschaffen hat. Günter Seufert und Christopher Kubaseck beschreiben eindrucksvoll, wie Erdogan das Land umpolt zu einem autoritären Staat, der sich nach innen zunehmend islamisch gibt, nach außen seine Einflusszonen vergrößert und keinen Konflikt scheut.
Am 29. Oktober 1923 rief Atatürk die Türkische Republik aus. Der neue Staat schrieb sich Modernisierung und Säkularisierung auf die Fahnen und orientierte sich kulturell und politisch am Westen. Das Militär sorgte für die Einhaltung dieses Kurses, notfalls durch Putsche. Um die Jahrtausendwende war die Türkei auf dem Weg in die EU – doch davon kann unter Erdogan keine Rede mehr sein. Das Buch zeigt anschaulich, wie Atatürks Türkei verabschiedet wird: Die Trennung von Staat und Religion gilt nur noch pro forma und könnte bald ganz fallen. Ernst zu nehmende Opposition wird unterdrückt. Man kehrt dem Westen den Rücken, blickt selbstbewusst nach Osten und Süden, lässt Truppen in Syrien und Nordafrika operieren und beansprucht Rohstoffe im Mittelmeer. Doch in der türkischen Gesellschaft entsteht auch Neues: eine junge, liberale, demokratische, ökologische Zivilgesellschaft, die bereit ist zum Widerstand.©2023 Verlag C.H.BECK oHG (P)2023 RBmedia Verlag
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