Ruth Sondermann – Wenn Geschichten besondere Momente erschaffen
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In dieser Episode sitzt Jens Grotstabel mit der Geschichtenerzählerin und freien Rednerin Ruth Sondermann aus Bocholt zusammen. Ruth nimmt uns mit auf ihren Weg zum professionellen Erzählen – und macht dabei schnell klar: Erzählen ist nicht Vorlesen. Eine Geschichte muss man sich zu eigen machen, sie fühlen, formen und im Moment entstehen lassen.
Ruth beschreibt dieses ganz besondere Gefühl, wenn man vor über hundert Menschen steht und versucht, sie mit einer Geschichte abzuholen. Wenn Zuhörer still werden, sich einlassen und für einen Moment alles andere ausblenden, entsteht etwas, das schwer in Worte zu fassen ist – ein gemeinsamer, besonderer Moment.
Im Gespräch erzählt Ruth, wie sie eher beiläufig und ganz unbewusst durch eine Freundin den ersten Schritt in die Selbstständigkeit gemacht hat. Heute gestaltet sie mit großer Verantwortung Trau- und Trauerreden – Formate, die sehr nah am Menschen sind und sensibel vorbereitet werden müssen. Ein stabiles Grundgerüst ist dabei unverzichtbar, doch vieles entsteht spontan, angepasst an die Menschen, die gerade vor ihr sitzen.
Ein zentrales Thema ist die Sprache. Sie verbindet Menschen, entwickelt sich ständig weiter und ist eines der wichtigsten Werkzeuge unserer Gesellschaft. Kommunikation ist für Ruth immer auch Erzählen – und genau das steckt an. Zusammensitzen, zuhören, Geschichten teilen: Das ist Kommunikation in ihrer reinsten Form.
Besonders am Herzen liegt ihr die Arbeit mit Kindern. Ihnen Freude an Sprache zu vermitteln, ist für Ruth essenziell. Kunst und Kultur spielen dabei eine wichtige Rolle, genauso wie der zweite Bildungsweg, der Kindern und Jugendlichen neue Chancen eröffnen kann – vorausgesetzt, jemand weckt Begeisterung. Denn: Nur wer für etwas brennt, kann andere wirklich mitnehmen.
Auch über Verantwortung wird gesprochen – insbesondere bei Hochzeiten und Trauerfeiern. Beide Anlässe haben einen gemeinsamen Ursprung: Liebe. Ruth beschreibt, wie groß die Verantwortung als Rednerin ist, Menschen in diesen Momenten zu begleiten und ihnen Raum für Abschied, Erinnerung und Verbindung zu geben.
Darüber hinaus geht es um Netzwerke in der Selbstständigkeit, um den Kulturort alte Molkerei, der Künstler zusammenbringt und für Bocholt wichtig ist, sowie um die Chancen einer lebendigen, lebhaften Innenstadt. Zum Abschluss wird es sehr lokal: Warum zur Bocholter Kirmes alle – egal wo sie inzwischen leben – wieder nach Hause kommen und gemeinsam feiern.
Eine Folge über Geschichten, Sprache und die Kraft besonderer Momente.